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Kirche in WDR 4 | 25.05.2018 | 08:55 Uhr

Telefonpraying

„Guten Tag Herr Pfarrer, es ist wieder soweit.…“ – Fast fünf Jahre lang habe ich diesen Satz jeden Abend gehört. Ein Mensch, den ich noch nie gesehen habe und von dem ich fast nichts weiß, ruft an und bittet, dass ich für ihn bete.

Er ist krank, dieser Mensch, psychisch krank, aber so schlimm wie die Krankheit selbst, sind auch – sagt er – die Nebenwirkungen der Medikamente. Sie helfen oft nicht, oder jedenfalls nicht immer oder jedenfalls nicht allein.

„Guten Tag Herr Pfarrer, es ist wieder so weit, können sie für mich beten?“ –

Und das machte ich dann. Direkt am Telefon mit wenigen fast immer gleichen Worten und manchmal, da hängte er wenige eigene Worte an, wünschte mir einen schönen Abend, bedankte sich und legte auf.

Nicht immer, wenn er zwischen sechs und acht anrief, wenn wir beim Abendbrot saßen oder die Kinder ins Bett brachten, war mir nach beten zumute.

Dann bat ich manchmal, doch lieber später anzurufen, wenn ich mir wirklich Zeit nehmen könnte. Oder ich versprach, zu einem späteren Zeitpunkt für ihn zu beten.

Aber meistens nahm ich mir die Zeit. Denn es klang heraus, wie wichtig es war.

Zu Anfang, da hatte ich einmal gefragt: „Ja, hilft Ihnen das denn, wenn ich für Sie bete?“ Immerhin, muss er ja jeden Tag wieder anrufen – dachte ich.

„Das wird dann besser“, war die Antwort, „nicht sofort aber bald.“ Und es klang, als hätte ich eine sehr dumme Frage gestellt.

Na gut, dann also ‚telefon-praying‘, das sagt dir auch vorher keiner, wenn du beschließt Pfarrer zu werden.

Einmal, es ist Samstagabend, ich sitze immer noch an der Predigt für Sonntag und habe einen ziemlichen Hänger, da klinget wieder das Telefon.

Es geht heut wohl besser als sonst, denn mein Gebetskontakt erzählt von sich selbst, dies und das; und ich höre zu und starre dabei auf den blinkenden Cursor und auf den leeren Bildschirm.

Und dann plötzlich die Frage: ‚Und Sie Herr Pfarrer, wie geht es ihnen?’ – Pause – „Äh, geht so, ehrlich gesagt,“ stottere ich, „ich hab morgen Gottesdienst und komm mit der Predigt nicht weiter.“

– „Da kann ich ja für Sie beten“ antwortet er. Und das klang sehr ernst und sehr selbstverständlich.

„Gleich wenn ich auflege, mache ich das, ich bete für Sie“.

Telefon-Praying. Da hatte er also den Spieß umgedreht. Sehr ernst und sehr selbstverständlich. Wie fremd sich das anfühlte und wie schön. Für einen Moment lang Teil eines Gesprächs zu sein, das nicht aufgeht in dem, was Menschen sonst zu und übereinander sagen, ein Gespräch, das nichts bringen muss, weil es etwas ist, ein Gespräch, das bis tief in den Himmel reicht und wieder zurück.

Ich will den Vater bitten – sagt Jesus einmal – und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit ... Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. (Johannesevagelium 164,6)

Als ich wieder an die Predigt ging, hatte ich übrigens nicht das Gefühl, es wäre irgendetwas anders geworden.

Aber dann wurde es besser. Nicht sofort, aber bald.

Einen überraschenden Tag wünscht Ihnen Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

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