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evangelisch

Hörmal | 27.04.2014 | 07:45 Uhr

Theodizee

Auch als Pfarrer hat man nicht auf alles eine Antwort. Im Gegenteil: Manchmal werden mir Fragen gestellt, bei denen ich erst mal nicht so richtig weiß, was ich sagen soll.

Zum Beispiel: „Wo ist Gott, wenn jemand umgebracht wird? Wenn jemand so brutal zusammengeschlagen wird, dass er stirbt? Warum verhindert Gott das nicht?“

So eine Frage macht mich immer ziemlich hilflos. Denn natürlich kann ich sie nicht beantworten. Jedenfalls nicht so, dass sie damit erledigt wäre.

Das kann im Übrigen auch die Bibel nicht. Die Frage, warum Gott es zulässt, dass Menschen leiden oder krank sind, zu früh sterben oder umgebracht werden, diese Frage begegnet einem in der Bibel auch.

Aber die Antwort bleibt oft aus. Oder sie löst das Rätsel nicht wirklich. Warum Gott wann wie wo handelt oder eben nicht, warum er manchen Menschen hilft und in anderen Situationen das Unrecht einfach geschehen lässt, das bleibt in vielen Fällen ungeklärt. Auch in der Bibel. Selbst wenn es um so etwas Brutales geht wie einen Mord.

Für mich stellt sich allerdings inzwischen die Frage: Wie soll eigentlich eine Alternative aussehen? Wie soll Gott zum Beispiel verhindern, dass jemand von einem Schlägertrupp umgebracht wird? Soll er mit Blitz und Donner erscheinen und für Ruhe sorgen? So wie Superman das machen würde? Und in welchem Moment soll Gott eingreifen? Kurz bevor die Situation eskaliert? Dann bliebe das Opfer unverletzt. Aber allein die bedrohliche Situation wäre ja schon schlimm!

Insofern würde sich eher der Moment anbieten, wo die Täter sich zusammen tun und ihnen entsprechende Gedanken durch den Kopf gehen. Sollte Gott also dann schon eingreifen?

Für das Opfer wäre das natürlich am besten. Dann würde ihm nichts passieren.

Aber in dem Fall müssten wir alle auf einmal sehr genau auf unsere Gedanken achten. Nicht dass wir irgendetwas Falsches denken, das auf ein Unrecht hinausläuft! Zum Beispiel auf einen Ehebruch, einen Betrug oder eine kleine Gemeinheit gegenüber dem arroganten Kollegen. Wenn Gott unsere Gedanken kontrollieren würde, um zukünftiges Unrecht zu verhindern, dann dürften wir nicht mehr alles denken. Und dann bliebe von unserem freien Willen nicht mehr viel übrig.

Aber wenn wir unseren freien Willen behalten wollen, dann müssen wir ihn auch allen anderen Menschen zugestehen. Selbst wenn die sich dann dafür entscheiden, Unrecht zu tun.

Zugegeben: Besonders glücklich macht mich diese Erkenntnis nicht. Aber sie bringt mich weg von den Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Denn erst wenn ich nicht mehr um das „Warum?“ kreise, kann ich erkennen, was ich tatsächlich tun kann. Zum Beispiel offene Augen haben , um vielleicht in einer konkreten Situation das Unrecht zu verhindern. Dem Opfer beizustehen. Oder Hilfe zu holen.

Und wenn ich das Unrecht nicht verhindern kann, kann ich vielleicht im Nachhinein helfen. Den Menschen begleiten, der betroffen ist, für ihn Zeit haben und da sein. Ihm weitergehende Hilfe vermitteln.

Wenn ich schließlich von einem Unrecht aus der Zeitung erfahre, kann ich die Opfer - wenn möglich sogar auch die Täter - im Gebet vor Gott bringen. Sie ihm anvertrauen. Seiner Gerechtigkeit und seiner Barmherzigkeit. Seinem Trost und seiner Fürsorge. Damit er den Menschen hilft, das zu tragen, was nicht verhindert worden ist. Damit er den Menschen eine neue Perspektive gibt. So dass sie wenigstens einigermaßen mit dem leben können, was geschehen ist. So dass ihr Leben trotz der belasteten Vergangenheit eine Zukunft hat.

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