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Kirche in WDR 2 | 21.03.2015 | 05:55 Uhr

Theologie und Biographie

Es gibt deutlich schönere Fotos von mir, aber dieses hat eine besondere Bedeutung. Darauf zu sehen ist Daniel Schneider im schlecht sitzenden Anzug, umrahmt von anderen Teenagern vor einer Kirche. Mein Konfirmationsbild aus dem Jahre 1993. Das war ein Erlebnis. Ich habe ordentlich Geschenke abgeräumt und konnte mir mit meinen fast 14 Jahren einige Zeit später den Traum vom eigenen MOFA erfüllen. Aber nicht nur konsumtechnisch habe ich meine Konfirmation in guter Erinnerung. Sie bedeutet mir tatsächlich etwas. Ich habe damit bekräftigt, dass ich Christ bin und zu einer christlichen Gemeinde gehöre.

Dafür steht auch mein Konfirmationsspruch aus der Bibel, den ich mir gemeinsam mit meinen Eltern ausgesucht hatte: Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt. Der Satz stammt von Paulus und er ist adressiert an die erste christliche Gemeinde in Rom. Da glaubten nur wenige an den Gott der Juden und der Christen. Dieser Vers ist ein Zuspruch für diese Minderheit und es ist ein persönliches Bekenntnis von Paulus. Ich schäme mich nicht, ein Christ zu sein!

So, was macht man mit 13 Jahren, wenn man diesen Vers durchbuchstabiert?

Sich schämen zum Beispiel! Manchmal wurde ich im Unterricht nach der kirchlichen Jugendgruppe gefragt, zu der ich jede Woche ging. Was da so läuft. Ich habe da nicht selbstbewusst, sondern eher verkrampft geantwortet. Warum? Keine Ahnung? Vielleicht, weil ich schon als fromm galt und das kein angesagtes Adjektiv für einen angehenden Teenager ist.

Welche Bedeutung hatte dieser Satz für mich mit 17? Wenn einem Gott überhaupt nicht mehr wichtig ist und man einfach das Leben genießen möchte? Man kümmert sich einfach nicht um so einen Satz. Man lässt ihn einfach links liegen und Gott gleich mit.

Was macht man mit 30 Jahren, wenn dieser Satz wieder ins Gedächtnis kommt und man gerade im schwäbischen Trossingen, vor knapp 100 Leuten auf der Kanzel steht, während eines Praktikums im Theologiestudium? Man ist voller Zweifel und voller Hoffnung gleichzeitig, weil man sich überhaupt nicht fähig fühlt, das Evangelium angemessen rüber zu bringen und trotzdem so sehr das Bedürfnis hat, ein Bekenntnis von dem abzulegen, was man glaubt.

Was macht man mit 35 Jahren, wenn man über diesen Satz im Radio spricht? Ich merke, wie sehr diese Worte aus der Bibel im Zusammenhang mit meinen diversen Lebenssituationen stehen. Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt. Ein Vers von Paulus … an die christliche Gemeinde in Rom … an die Bibelleser an sich … an den Konfirmanden Daniel … an den Teenager Daniel … an den Theologiestudenten Daniel. An mich, heute.

Das zeigt mir: Theologie und Biographie sind miteinander verbunden. Das ist in Ordnung, denn wenn ich Gott als meinen Schöpfer ansehe, dann kann er gut mit meinem Leben umgehen, das sich stetig verändert.

Doch was ist für mich 2015 das Evangelium, die gute Nachricht, für die ich mich nicht schäme? Ein Teil der Antwort ist: Liebe. Das hat Gott selbst vorgemacht: Er hat sich extra für eine menschliche Biographie entschieden, damit wir seine Theologie, also ihn selbst verstehen. Jesus hat uns Gott vorgelebt. Er war bei denen, die am Rande der Gesellschaft standen. Er hat vor allem gelebt, um uns zu lieben. Und um uns zu sagen: Hey, schöne Grüße von Gott, deinem Schöpfer. Sei gut zu dir und steh zu deiner Biographie.

Das macht mir Mut! Selbst wenn ich ein Bild von einem 13jährigen Daniel Schneider in einem schlecht sitzenden Anzug betrachte.

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