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Sonntagskirche | 16.09.2018 | 08:55 Uhr

Tierisch

„Der Hund muss raus“ steht auf dem Schild an der Haustür meiner Freundin Karin. Sie hat gar keinen Hund. Verwirrt starre ich zuerst auf die Zeilen und dann in ihr Gesicht, das in ein breites Grinsen ausbricht. „Doch“, sagt sie, „klar habe ich einen Hund! Das ist mein innerer Schweinehund. Das Schild erinnert mich daran, dass auch der Auslauf braucht. Mein Arzt sagt, ich soll mich mehr bewegen.“

Lächelnd versinke ich ins Grübeln, welche Tiere wohl in mir wohnen. Vielleicht so eins wie mein Hund. Ein Jack Russel. Meine Freundin las mir kürzlich lachend die Charakterbeschreibung eines Jack Russels vor. Intelligent, lernwillig, fröhlich und ein leichter Hang zum Größenwahn; wird je nach Geschmack als Traumtyp oder Terror-Tier empfunden. Ja, ich weiß, dass mein kleiner Hund und ich uns ähneln, nicht nur bei der Körpergröße.

Katzenhaft hingegen unser beider Widerstand, wenn es darum geht, sich einfach ungefragt jemandem unterzuordnen - so was tun wir nicht. Je nach äußerer Behandlung kann ich schnurrendes Kätzchen oder fauchender Tiger sein; aber wer macht schon gerne etwas, nur weil man es „halt so tut“?

Bei Gegenwind hilft nicht immer bissig werden - so viel habe ich schon gelernt. Manchmal lieber die Schnecke aktivieren: leise und langsam davon, ab nach Hause und Tür zu. Mich einigeln, fest zusammenrollen, die Welt draußen lassen und mir darüber klar werden, dass ich meine Grenzen habe.

Ich bewundere Menschen, die alles mit der Ruhe und Weisheit eines Elefanten ertragen können. Nicht, weil sie alles aussitzen. Ich meine die, die besonnen und ruhig handeln. Und die auch im Sturm nicht das Flattern bekommen, sondern wie ein Adler die Dinge im Auge behalten. Die durch die Fluten des Lebens gleiten wie Wale, diese sanften Riesen, durch die Wellen der Meere.

Ich dagegen fühle mich manchmal mehr wie ein kleiner Fisch. Suche Schutz in meinem Schwarm, schwimme mal mit und mal gegen den Strom.

„Gott, der Herr ist mein Hirte“ spricht der Beter des 23. Psalms. Wie ein Schaf fühle ich mich selten, im Alltag gefragt scheint oft mehr der Schäferhund. Aber ich mag die Vorstellung, mich jemandem anzuvertrauen, der mich auf einer grünen Aue weidet und zu frischem Wasser führt.

Ich stelle mir vor, Platz zu nehmen am Tisch, den Gott mir bereitet und lade alle meine Tiere zur Konferenz. Ich streichle den Hund und winke dem Affen, lächle über den Igel und ziehe vor dem Elefanten den Hut. Viele Plätze sind besetzt und manche noch frei. Es ist noch Platz, jemanden zu Tisch zu bitten.

Und manchmal nimmt ein großes, weises Tier, nimmt Platz und erklärt mir das Leben. Währenddessen drängt die Rampensau nach draußen auf die Bühne und die Schnecke schreit „hey, macht mal langsam, nicht immer so schnell“. Zur Tür rein kommt gerade der Esel. Auf ihm reitet der Retter der Welt. „Er hätte auch ein Pferd nehmen können“, zischelt die Schlange. „Warum so bescheiden?“ „Ach, er hat’s nicht so mit großen Tieren“, spricht der kleine Fisch. Der Hirte nickt. Und lächelt. Tierisch, was einem manchmal so durch den Kopf geht. Einen schönen Sonntag!

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