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Kirche in WDR 3 | 01.05.2017 | 07:50 Uhr

Trau dich in die Schubkarre

Guten Morgen!

Von einem berühmten Hochseilartisten wird erzählt, er habe als letzte Steigerung seiner Kunst eine Schubkarre mit aufs Hochseil genommen. Einen Jungen, der unten stand, die Hände in den Hosentaschen, und den Hals reckte, habe er gefragt: Glaubst du, dass ich es schaffe, mit der Schubkarre über das Hochseil zu kommen? Der Junge sagte: Ja, ich glaube schon! Darauf der Seiltänzer: Dann komm und setz dich in die Schubkarre!

Glaube ist die Einladung, sich wirklich in die Schubkarre zu setzen, oben auf dem Hochseil. Nicht mit den Händen in den Taschen unten breitbeinig zu stehen und aus sicherem Abstand seine Kommentare loszulassen. Glaube ist ein Risiko. Und wer das eingehen will, der muss etwas wagen und seine Skepsis, seine Sorgen und Trägheit überwinden – sonst traut er sich nie in die Schubkarre.

Die nötige Haltung dazu findet sich in Jesu Worten (Mt 6,26): „Sorgt euch nicht! Seht euch die Vögel des Himmels an, sie säen nicht, sie ernten nicht, und doch ernährt sie euer Vater im Himmel!“

Sorgt euch nicht – aber wie soll das denn gehen? Also, ich mache mir leider jede Menge Sorgen – und anderen geht es kaum anders: Das Geld, das nicht reicht. Schulden. Ehekrisen. Die Kinder. Der blöde Chef. Die Sicherung des Alters. Und dann die großen Dinge, die alle betreffen: die Umwelt, das Klima, die Flüchtlinge, die merkwürdige Entwicklung der Politik in der ganzen Welt. – Das reicht doch wohl! Und dann: Sorgt euch nicht?

Nun, Jesus war alles andere als ein Traumtänzer, der einfach in den Tag hinein lebte. Aber er sah: Viele Menschen starrten so gebannt auf das Morgen und Übermorgen, waren so voll von Ängsten und Sorgen, dass sie das Leben hier und heute richtig verpassten. Und so lädt er ein, die ständigen Bedenken hinter sich zu lassen und Vertrauen zu lernen.

Wie? Mir hat dabei der Blick auf die Menschen in Afrika geholfen. Die meisten Leute dort haben Sorgen ohne Ende, aber sie können dennoch fröhlich sein. Sie klagen und jammern nicht, wie wir das oft tun – auf hohem Niveau. Sie lachen viel und gern, sie bejahen das Leben und können auch der eher düsteren Zukunft ohne Panik entgegensehen. Und immer beziehen sie Gott ein. „Mit seiner Hilfe wird es gehen“, so sagen sie, und so meinen sie es auch. Sie schreiben das Gottvertrauen ganz groß!

Das Gottvertrauen groß schreiben – das möchte ich auch. Aber ich bin halt ein Deutscher! Unsereins neigt ja dazu, alles selber in die Hand zu nehmen, zu planen, zu kontrollieren, vorzusorgen, Versicherungen gegen alles und jedes abzuschließen.

Gottvertrauen ist aber umgekehrt nichts Passives. Ich sage nicht: Gott macht das schon. Ich halt mich raus und lege die Hände in den Schoß.

Ich glaube, es geht eher um „Zusammenarbeit“, um eine Art „Arbeitsteilung“ zwischen Gott und mir. Gerade in wichtigen Entscheidungen meines Lebens habe ich das gespürt. Gehe ich da lieber auf Nummer Sicher, nehme ich den bequemen Weg, oder bin ich bereit, ein Wagnis, ein Risiko einzugehen? Dann erst bekommt das Gottvertrauen Raum. Dann erst bin ich bereit, in die Schubkarre zu steigen.

Ein berühmtes Wort hat uns in den letzten Jahren sehr beschäftigt: „Wir schaffen das!“ Die Kanzlerin sprach nicht ausdrücklich von „Gottvertrauen“, aber es klang doch sehr danach! Großartig, wenn sich eine solche Haltung auch im öffentlichen und politischen Raum zeigt! Dann werden nicht Mauern, sondern Brücken gebaut. Gottvertrauen könnte hier heißen: Wimmle nicht vorschnell ab. Drück dich nicht an den Herausforderungen vorbei. Schüre nicht Ängste. Mach Mut, und lass dich selber ermutigen.

Gottvertrauen ist für mich das Fundament, auf dem ich letztlich mein Lebenshaus aufbauen kann. Und wenn das Fundament stimmt, dann fügt sich alles andere, dann hat nicht die Angst und Sorge die Oberhand, sondern die Freude am Leben, die Hoffnung und Zuversicht.

Johannes Broxtermann aus Lüdenscheid.

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