#
Aktuelles

Beiträge auf wdr5 

evangelisch

Kirche in WDR 5 | 02.08.2017 | 06:55 Uhr

Trauung mit Schönheitsfehlern

Guten Morgen!

In meinem Erinnerungsalbum der kirchlichen Trauungen findet sich viel Anrührendes, aber auch einige Kuriositäten.

Da fängt das kleine Blumenmädchen lauthals an zu kreischen, weil es die Blumen lieber behalten will, statt sie zu streuen.

Da mustern sich mit großen Augen die schon etwas in die Jahre gekommene Braut im schicken Kostüm und die Küsterin, weil sie das gleiche Kleid tragen.

Da packen durstige Gäste während der Lesung Capri-Sonne aus, und saugen munter am Strohhalm.

Man muss eben immer mit Unvollkommenheiten rechnen.

Da ist auch jenes Paar, das sich dessen bewusst ist. Es fragt, ob man die ganze Trauung nicht vorher als Generalprobe einmal durchspielen könne.

Dieser einmalige Tag soll nämlich rundherum perfekt sein: die Kleidung, die Location, das Essen, die Musik, die Kirche. Alles wird mit Akribie und Liebe ausgewählt.

Auch beim Gottesdienst soll möglichst wenig dem Zufall überlassen bleiben: Musik, Texte, Fürbitten, alles selbst ausgesucht. Den meisten Brautpaaren steht die Freude darüber ins Gesicht geschrieben, aber manchen auch der pure Stress. Ich bin oft gerührt von der Ernsthaftigkeit, mit der darum gerungen wird, dass alles stimmt. Die abfällige Behauptung, die kirchliche Trauung sei für die meisten nichts als Show, kann ich nicht bestätigen. Ich erlebe vielmehr dies: Manche reden cooler daher als sie in Wahrheit sind. Viele trauen sich nicht zu sagen, wie viel ihnen das Gebet, das Jawort vor Gott und der Segen doch bedeuten. Sie sind oft erstaunt über sich selbst, dass die Kirche plötzlich kein hohles Gehäuse ist, wenn es um das Versprechen der Liebe fürs Leben geht. Viele Paare ringen um Aufrichtigkeit bis in kleine Formulierungen hinein. Manchen wünschte ich mehr Leichtigkeit.

Ich erinnere mich an ein Paar, das die Sekretärin, die Küsterin und mich mit Besuchen, Mails und Anrufen beschäftigt hatte auf der Jagd nach der perfekten Kirche. Endlich war alles klar. Da sagten sie ab, weil sie eine noch bessere gefunden hatten. Der Perfektionismus der beiden machte mir ernsthaft Sorgen um ihr Glück. Denn je größer der Wunsch ist, alles perfekt zu haben, desto anfälliger ist man für Enttäuschungen schon durch Kleinigkeiten.

Gewiss: Der Tag der Trauung soll eine große Aufführung der Liebe sein. Er soll die Lebenshoffnungen bündeln und vergrößern wie in einem Brennglas. Im Leben und in der Liebe ist es aber so: Sie sind unvollkommen. Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung, nicht alle Pläne gehen auf. Und mit Menschen ist es erst recht so. Sie haben ihre Fehler, ihre Marotten, ihre Entgleisungen. Genau deshalb kommt man ja in die Kirche: um für sich beten zu lassen, um sich segnen zu lassen für ein lebenslanges Versprechen, für das man eigentlich zu unvollkommen ist. Man kommt, um nicht allein das eigene Ja zu sagen, sondern sich Gottes Ja zu diesem Jawort sagen zu lassen.

Eine der bewegendsten und schönsten Trauungen war für mich die jenes Paars, vor deren Hochzeit der Kirchturm abgebrannt war. Ihr Traum löste sich im Rauch auf. Vieles wurde anders als geplant. Aber genau dies machte ihnen bewusst, dass ihre Liebe daran nicht hing.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen