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Kirche in WDR 4 | 05.06.2018 | 08:55 Uhr

True Lies

Guten Morgen!

Manchmal muss ich mich wundern, wie ehrlich die Leute sind, die zu mir kommen. Die sagen dann:

„Ich will mein Kind taufen lassen, aber ich sage es ganz ehrlich: Ich habe mit der Kirche nichts am Hut“.

„Ich mache diese Hochzeit mit, weil meine Frau unbedingt will. Aber ich sage es ganz ehrlich: ich glaub das alles nicht“.

„Ich lasse mich nur konfirmieren wegen dem Geld. Das sage ich Ihnen ganz ehrlich.“

Und weil ich es auch ehrlich meine, frage ich dann, wie das gehen soll. Denn wenn das ihr voller Ernst ist, dann kann ich das Kind nicht taufen, die Trauung nicht annehmen, und die Konfirmation nicht durchführen. Das Ja, das man da sagt, ist keine Show und keine Farce. Es ist ein Lebensversprechen, das man da gibt. Man wird gefragt, worauf man seine Hoffnung setzen will – im Leben. So beim Wort genommen, schlägt die Ehrlichkeit oft in Empörung um: „Jetzt wird man von der Kirche auch noch dafür bestraft, dass man ehrlich ist. Die Anderen lügen und werden dafür belohnt.“ Man ist offenbar der Meinung, dass Taufe, Trauung, Konfirmation nur noch öffentliche Selbstverarschung im Kerzenschein ist.

Nun kann man solche närrische Aufrichtigkeit belächeln, beschimpfen oder beweinen, je nach Veranlagung, und sich fragen: Ist eine Lüge etwa geadelt, wenn man sie vorher ankündigt? Aber es hilft nichts, denn Narrenmund tut Wahrheit kund - manchmal. Natürlich haben die Ritter auf dem hohen Ross der Ehrlichkeit nicht ganz Unrecht. Schön wär’s, wenn jede Tauf- oder Traufrage im Brustton tiefer Überzeugung beantwortet würde. Mag sein, dass man manche Jas in der Kirche mit „Joa, wenn’s denn sein muss“ übersetzen muss, oder sogar mit einem „Nein“. Wer weiß? Aber: nicht nur in der Kirche, sondern in der Gesellschaft leben wir davon, dass wir einander erst einmal glauben, was wir sagen, und einander nicht von vornherein Lüge unterstellen. Wenn dieses Grundvertrauen weg ist, können wir nicht mehr zusammenleben.

Ich glaube denen, die zu mir kommen, weil sie ihre Lebensversprechen geben wollen. Sie tun es ja nicht für mich, nicht einmal für Gott, sondern für sich selbst. Ich glaube den Eltern, dass sie vor allem aus Liebe zu ihrem Kind kommen und dem Wunsch, dass Gott es beschützen soll, auch wenn ihnen die Sprache der Kirche fremd ist. Ich glaube den Paaren, dass ihre Liebe und ihr Wunsch gesegnet zu werden, sie zur Kirche führen, auch wenn sie nicht sagen können, was Segen ihnen bedeutet. Ich glaube der pubertären Konfirmandin auf ihrer hormonellen Achterbahn, dass sie auf der Suche nach Halt und Orientierung ist. Und ich weiß auch, dass sie oft nicht weiß, was sie glauben soll. Wenn wir die großen Jaworte bei Taufe, Konfirmation und Trauung vorbereiten, sind es sehr ehrliche Gespräche. Wir finden darin zueinander und gemeinsam zu dem, was wir da eigentlich feiern, wofür wir beten, was wir versprechen, und was uns von Gott gesagt wird, weil wir uns das nicht selbst sagen können.

Nur: darauf muss man sich eben ehrlich einlassen. Wer aber das Heilige wie eine Dienstleistung behandelt und meint, eine Lüge sei keine Lüge, wenn man zuvor ehrlich über sie informiert, der täuscht vor allem einen: sich selbst.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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