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Kirche in WDR 2 | 13.06.2016 | 05:55 Uhr

Überall und alles

Manchmal glaub ich, meine Fitness-App kennt mich besser als ich selbst.

Die sammelt nämlich alles, was ich so von mir gebe. Ja, die weiß tatsächlich, wo ich heute hingelaufen bin, hat sogar meine Schritte gezählt. Dabei habe ich übrigens 112 Kalorien verbrannt. Und wenn die App sich jetzt so meine Blutzuckerwerte anschaut und weiß, dass ich ungefähr bei dieser netten kleinen Bäckerei bin, dann werden meine nächsten Worte wohl: „Einen Milchkaffee und ein Croissant, bitte – ähm, zwei Croissants“, sein. Da sie auch meine Stimmung protokolliert, weiß die App auch, dass es mir jetzt erst einmal gut geht, aber ich in ca. einer halben Stunde ein Stimmungstief habe. Klar, wegen der zwei Croissants.

Self-Tracker stehen darauf, sich selbst und ihre Körperfunktionen zu überwachen, damit sie ihre Daten mit anderen teilen und sich von ihnen Optimierungsvorschläge holen können. Die könnten dann lauten: „Frühstücke mehr Ballaststoffe, dann hast Du später nicht so einen Heißhunger.“ Oder: „Steh doch ne halbe Stunde früher auf und geh zu Fuß zur Arbeit. Dann kannst du dir noch mal 150 Kalorien gutschreiben. Und du wirkst im Büro dynamischer.“

Ist schon merkwürdig, sein Leben so mit Vielen zu teilen, oder? Zumal ich ja gar nicht überblicken kann, wohin die Daten so gehen. Vielleicht erhöht meine Krankenkasse wegen meiner gestiegenen Körperfettwerte nächstens meine Beiträge drastisch und in der Partnerbörse springen alle halbwegs interessanten Frauen wegen meinen Stimmungsschwankungen ab. Das würde mich dann schon stören.

Dass mich da jemand besser kennt als ich mich selbst – das ist daher nicht so eine ganz angenehme Vorstellung.

In Zeiten von NSA und allwissenden Datensammelkraken hat deshalb folgendes Bibelzitat ’nen echten Beigeschmack:

„Du hast mich erforscht. Du kennst mich genau. Du weißt, ob ich sitze oder stehe. Du kennst meine Gedanken sogar aus der Ferne. Noch bevor ich es ausspreche, weißt du, was ich sagen will. Du umschließt mich von allen Seiten.“

Die Worte aus Psalm 139 beschreiben natürlich Gott – und nicht meine Fitness-App. Aber die Parallele ist ja verblüffend. Und: Wo liegt denn der Unterschied? Sammelt Gott nicht auch meine Daten, auch meine Geheimnisse, wie ein großer Krake und wertet sie dann aus?

Das könnte mich jetzt genau so stören, wie bei meiner Fitness-App. Der Unterschied ist für mich: Meine Fitness-App liefert meine Daten an Leute, die mir vermutlich nicht nur Gutes wollen. Die wollen meine Versicherungsbeiträge erhöhen, mir Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel verkaufen, mich vielleicht sogar auf meine Lebenserwartung ausspionieren.

Gott vertraue ich da, dass er mich davon verschont. Der wird mich weder abzocken, noch bestrafen wollen. Dafür kennt der mich zu gut. Und er liebt mich. Und mit seinen Optimierungsvorschlägen habe ich bisher ganz gute Erfahrungen gemacht.

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