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Kirche in WDR 5 | 14.02.2017 | 06:55 Uhr

Um nichts in der Welt – Käthe und Martin

Zitat:

Weißt du, ich wollte meine Käthe nicht um Frankreich und um Venedig dazu hergeben. (2)

Autorin: Guten Morgen! Jedes Mal, wenn wir in Wittenberg sind, gehen mein Mann und ich in die Schlosskirche und bringen eine Rose ans Grab von Martin Luther. Denn ihm haben wir es zu verdanken, dass wir verheiratet sein dürfen. Er hat die Ehe für Pfarrer erst möglich gemacht. Und damit auch für die Pfarrerinnen.

Autorin: Einmal war ich ganz allein an Luthers Grab, unter der Kanzel. Und plötzlich war ich im Gespräch mit ihm. „Sag mal Martin, du hast deine Frau Katharina von Bora immer Herr Käth genannt. Das klingt als ob sie bei euch die Hosen angehabt hätte.“

Luther (Sprecher): „Weißt du, eigentlich wollte ich gar nicht heiraten. Ich war überzeugter Mönch. Als wir dann doch zusammenkamen, da hat Katharina zuerst einmal meinen Strohsack aufgeschüttelt und ich glaube, sie hat ihn auch neu gestopft.“

Autorin: War das so nötig?

Luther (Sprecher): „Ja, schon, ich hatte mich wohl ein Jahr lang nicht um mein Strohlager gekümmert. Aber es war komisch, dass da jemand plötzlich für mich sorgte.“

Autorin: Aber gutgetan hat es dir schon, oder?

Luther (Sprecher): „Ja, doch… Gott pflegt zu bewirken, was man am wenigsten erwartet.“

Autorin: Ich habe gehört, Katharina war ziemlich streng mit dir. Vor allem, wenn es ums Geld ging.

Luther (Sprecher): „Weißt du, ich liebe es, Menschen um mich zu haben und ich hatte so viele Studenten, Kollegen, Freunde. Die habe ich immer eingeladen, mit uns zu essen und bei uns zu übernachten.“

Autorin: Aber wo ist das Problem dabei?

Luther (Sprecher): „Unsere Wirtschaftskasse reichte dafür nicht aus. Und so musste Katharina zusehen, wie sie klarkam. Ich habe immer gedacht, dass wir mit meinem Professorengehalt auskommen würden. [Ich habe auf Honorare für meine Bücher verzichtet, weil ich die Reformation voranbringen wollte, und weil ich dachte, ich mach’s um Gotteslohn.]

Autorin: Ist doch ganz praktisch, wenn eine Frau etwas vom weltlichen Wirtschaften versteht.

Luther (Sprecher): „Ich denke, auch bei euch hört es kein Mann gerne, wenn seine Frau ihm sagt, dass er nicht gut für alle sorgt. Käthe hat wirklich gut gewirtschaftet. Gemüse und Kräuter angebaut, Bier gebraut. Grundstücke dazu gekauft. Deshalb habe ich sie oft ‚Herr Käth’ genannt.

Autorin: Das hört sich nach großem Respekt an, klingt aber auch so, als seien da zwei Dickköpfe aufeinandergetroffen.

Luther (Sprecher): „Käthe hat das Kloster verlassen. Das war schon was für eine Frau ihrer Zeit. Ich fand sie am Anfang herrisch und nicht hübsch. Wollte sie lieber mit ´nem anderen verheiraten. Aber dann…“

Autorin: …habt doch ihr geheiratet.

Luther (Sprecher): „Und ich merkte mehr und mehr wie gut es für mich war. Ich lernte sogar von ihr: Bäume beschneiden, einen Brunnen anlegen. (1) Weißt du, ich wollte meine Käthe nicht um Frankreich und um Venedig [dazu] hergeben. (2)

Autorin: Eine schöne Liebeserklärung. Ich verließ die Schlosskirche, rief meinen Mann an und wir verabredeten, dass wir unbedingt auch mal nach Torgau fahren müssen. Zu Katharina von Bora. Eine Rose auf ihr Grab legen.

Heute ist Valentinstag – vielleicht verschenken auch Sie eine Rose – an jemanden, der Ihnen eine gute Partnerin oder ein guter Partner ist.

Ihre Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

1 Herrmann, Horst, Martin Luther, Eine Biographie, Berlin 42006, S. 460.

2 Luther im Gespräch, Aufzeichnungen seiner Freunde und Tischgenossen. Nach den Urtexten übertagen und hg. v. Reinhard Buchwald, insel taschenbuchverlag, Stuttgart, 1. Auflage, 1983. Erstausgabe: Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1938, S. 50.

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