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Hörmal | 28.12.2014 | 07:45 Uhr

Ungehobelte Familie

Jesus mit Josef an der Hobelbank: Als ich dieses Bild im Sommer auf einem Trödelmarkt entdeckte, habe ich zugeschlagen. Jetzt steht der Kupferstich aus dem 19. Jahrhundert in der Ecke meines Arbeitszimmers daheim. Ich habe mich noch nicht getraut das aufzuhängen. Vielleicht weil das alles doch etwas zu kitschig ist. Zu allem Überfluss erscheint Maria nämlich im Hintergrund noch als Heimchen“ und spinnt Wolle, während Josef dem Jesuskind zur Hand geht. Die klassische Rollenaufteilung, die Inszenierung der perfekten Familie.

Insofern passt das Bild auf dem ersten Blick zu dem Fest, das die katholische Kirche heute feiert: das sogenannte „Fest der Heiligen Familie“. Ein Fest wie eine Einladung dazu, die perfekte Familie hochleben zu lassen, sie zu überhöhen, wie auf dem Hobelbank-Bild.

Was gar nicht zu diesem Fest passt, sind Worte von Jesus über die Familie: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, so kann er nicht mein Jünger sein“. Starker Tobak sind diese Worte. Sie können das im 14. Kapitel des Lukasevangeliums nachlesen.

Seit 2.000 Jahren müssen sich die Christen damit arrangieren, dass ihr Religionsstifter sich gleich an mehreren Stellen outet als Familienmuffel.

Und seit über einem Jahr steht das Thema Familie ganz oben auf der Agenda der katholischen Kirche. Im Herbst haben die Bischöfe der Welt zum ersten Mal zu diesem Thema in Rom getagt, im Jahr 2015 werden sie noch einmal zusammen kommen und wollen abschließend beraten, wie sie sich zum Thema Familie positionieren wollen.

Und die Worte von Jesus sind da für mich eine heilsame Irritation. Denn sie passen nicht in die Familienbilder, die man erwartet.

Zuallererst zeugen sie aber davon, dass Jesus auch ein Heißsporn sein konnte. Ich denke, diese Hass-Worte sind gerade deshalb so authentisch, weil sie irritierend ungehobelt sind. Natürlich kannte Jesus auch das vierte Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Und ich denke, er wusste auch, was es für ein Segen ist, eine Familie zu haben, die einen trägt. Immerhin wird in den Evangelien berichtet, dass seine Mutter ihn bis in den Tod begleitet. Maria steht unter ihm am Kreuz. Mehr Familienzusammenhalt geht doch nicht.

Aber wenn Jesus davon spricht, Vater und Mutter zu hassen, dann geht es ihm darum, dass Familie nicht alles ist. Dass es auch noch andere Beziehungskonstellationen gibt, die tragen können. Er meint eine Gemeinschaft im Glauben, seine Jüngerschaft. Er meint eine Beziehung zu Gott. Das hat bis heute nichts an Radikalität verloren. Und nicht umsonst gründen Mönche und Nonnen in der katholischen Kirche keine Familie, sondern wählen einen anderen Weg des Beziehungslebens, den Zölibat.

Was ich sagen will ist: Es gibt in der katholischen Kirche schon von Anfang an eine Spannung zwischen dem klassischen Familienbild und, sagen wir mal, anderen Lebensentwürfen. Ich denke, das ist auch gut so. Es ist gut, diese Spannung offen zu halten, denn sonst wird es kitschig.

Vielleicht ist es aber an der Zeit, offen in der katholischen Kirche zu überlegen, ob die „Heilige Familie“ nicht mehr ausmachen kann als Vater, Mutter, Kind. Weil die Heiligkeit in den Beziehungen liegt und nicht in der Rollenkonstellation.

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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