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Das Geistliche Wort | 07.08.2016 | 08:35 Uhr

„Unkaputtbare Geldbörse“

Guten Morgen!

In meiner Nachbarschaft wird gerade ein Haus verkauft. Ein Einfamilienhaus – freistehend. Gut, es ist schon ziemlich großzügig, weitläufig und sicher innen drin auch gut ausgestattet. So genau weiß ich das gar nicht, ich war nie drinnen. Was ich aber weiß das ist der Preis und der erscheint mit persönlich völlig überzogen! Wer kann bei diesen Immobilienpreisen noch kaufen? Dabei sollten mich diese galoppierenden Immobilienpreise doch eigentlich eines Besseren belehren – gerade in meiner Stadt Krefeld. Die utopischen Preise zeigen, wie Angebot und Nachfrage gerade aussehen: Es scheint gar nicht genug Angebote zu geben, um sein Geld in Immobilien anzulegen, sogenanntes Betongold zu kaufen.

Offensichtlich sind Immobilien die momentan wichtigste Währung in unserem Land, wo viele Angst davor haben, dass das eigene Geld – wenn sie denn welches übrig haben – auf der Bank oder an den Aktienmärkten schleichend oder aber dramatisch entwertet wird. Dabei sind Grundstücke, Häuser und Wohnungen ja im wahrsten Sinne des Wortes noch recht bodenständige Werte. Die Sorge – nicht nur vieler Wohlhabender – ist jedenfalls ganz klar: Wie schaffe ich es heute noch, dass mein Reichtum mehr wird – oder zumindest nicht unaufhaltsam schwindet, ohne auf Zinserträge zu setzen? Wie schaffe ich mir einen unzerstörbaren Schatz, eine unkaputtbare Geldbörse?

Üblicherweise wird Geld in wirtschaftlichen Krisensituationen verstärkt in Edelmetallen wie Gold, Silber und Platin angelegt. Und im Laufe der Jahrhunderte und im Blick auf die ganze Welt gab es da noch ganz andere Währungen und Wertanlagen, die den gleichen Dienst tun sollten. Vom Hype um Tulpenzwiebeln im frühen 17. Jahrhundert in den Niederlanden über das Muschelgeld in Papua-Neuguinea bis zur virtuellen Währung Bitcoins haben sich die Menschen immer wieder überlegt, wie sie ihren Reichtum krisenfest anlegen und bestenfalls steigern könnten. Oft hat das ja auch geklappt. Allerdings gab es auch immer wieder Abstürze und Geldverluste. Sicher war und ist da offensichtlich nie etwas.

Musik 1: Falk Zenker – Ein Hauch

Wenn – wie die Geschichte zeigt – nicht nur Tulpenzwiebeln, Gold und Silber unbeständig im Wert sind, wenn sich Reichtum vielleicht gar nicht horten lässt, wenn die nächste Immobilienblase dräut, ja selbst unsere Rente nicht mehr sicher ist, was soll ich denn dann tun, um mich vor Geldverlusten zu schützen?

Wer weiß, vielleicht ist das ja gar nicht gut, immer an die Zukunft zu denken und vorzusorgen und aus Angst vor materiellen Verlusten den Blick für die größere Wirklichkeit zu verlieren?

Ganz anders der Blick, den die Bergpredigt Jesu vorschlägt. Der hat es ungefähr so gesagt, dass ich mir die Vögel im Himmel anschauen soll. Die säen und ernten nicht, haben keine Vorräte in Scheunen, weil Gott sie ernährt (vgl. Mt 6,26). Und außerdem soll man doch keine unnötigen Schätze ansammeln (vgl. Mt 6,19).

Klingt ein bisschen naiv. Aber wenn ich es umsetze: Dann lass ich das mit der Vorsorge halt, mache doch lieber sofort das Beste aus meinem Leben. Ich kaufe mir und meinen Kindern gute Kleidung, Sachen, die angesagt sind, damit sie und ich gut aussehen und nette Leute kennen lernen, die ebenfalls gut aussehen. Ich kaufe uns auch leckere und gesunde Sachen, alles Bio und nicht so das Übliche. Warum sollten wir uns da nicht das Beste leisten, alles mal probieren? Warum sollte ich Geld sparen, wenn es bald eh weniger wert ist? Also lieber jetzt gut leben als für später vorsorgen. Dann kaufe ich mir Lebensfreuden und auf diese Weise vielleicht sogar auch noch Freunde, die das Leben mit mir zusammen genießen. Reisen! Feste feiern! Das ist doch großartig, denn ich häufe keine sinnlosen Reichtümer an, sondern mache mit dem, was ich verdient oder geerbt habe, mein Leben schöner – hier und jetzt. Das leuchtet doch ein. Und es erscheint ja nicht nur mir so, sondern unglaublich vielen Menschen, denn lange nicht mehr wurde so viel über gute Kleidung, gutes Kochen und gutes Reisen gesprochen wie heute. Schaffe ich mir also meinen Reichtum, meinen Schatz direkt hier in meinem Alltag und nicht für später.

Soweit so gut. Wenn ich dann aber die Stelle mit den Lilien und den Vögeln in der Bergpredigt noch einmal nachschlage, muss ich meinen Plan doch noch einmal überdenken, denn ganz so stand das da nicht. Direkt vor den sorglosen Vögeln steht nämlich (Mt 6,25): „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?“

Musik 2: Tommy Emmanuel – Angelina

Wenn also nach der Bergpredigt Leib und Leben wichtiger sind als Kleidung und Nahrung, dann sollte ich alle meine Aufmerksamkeit hierauf verwenden: Mein Körper und mein langes gesundes Leben sollten mein größter Schatz sein. Und da ließe sich ja auch noch Vieles optimieren, wie ich weiß. Von Fitnesstraining über gesunde Ernährung, von Entschlackung über Straffung und Anti-Aging-Maßnahmen. Wenn Leib und Leben meine höchsten Güter, meine teuersten Schätze hier auf Erden sind, dann sollte ich ihnen auch mein Bares widmen. Das geht dann so weit, dass ich über meine eigene Unsterblichkeit nachdenke. Der Tod sitzt einem doch, solange man lebt, irgendwie im Nacken. Und Mediziner versprechen immer neue Möglichkeiten, das Altern aufzuhalten. Das geht weit über Gehirnjogging, Hautstraffung, Schönheits-OPs und Ähnliches hinaus. Da ließen sich zum Beispiel für viel Geld bestimmte Proteine im Körper blockieren, damit unsere Zellen nicht so schnell altern. Und wo die Medizin vielleicht noch nicht so richtig helfen kann, gibt es von Seiten der Technik ganz neue Versprechen für alle, die Unsterblichkeit suchen: Sich wahlweise einfrieren lassen, mit Hilfe technischer Implantate jung bleiben, was ja teilweise mit künstlichen Gelenken und Organen schon ganz gut läuft, oder aber ein sogenanntes Mind-Uploading durchführen, also sein Bewusstsein digitalisieren lassen und dann in einer virtuellen Welt oder aber als Hirn eines Roboters weiterleben. Ist noch ziemlich theoretisch das Ganze und wird gerade erst mal an Fruchtfliegen getestet. Völlig klar ist dagegen, dass das alles nicht für ein Taschengeld zu haben ist. Aber welchen Schatz sollte ich mir schon schaffen können, wenn nicht Leib und Leben zu erhalten?

Musik 3: Charlie Haden/Pat Metheny – The Precious Jewel

Doch irgendetwas sagt mir: Die Sorge um Leib und Leben ist mit Jesu Vorstellungen in der Bergpredigt doch nicht so ganz kompatibel. „Wer von euch“, so fragt er (Mt 6,27), „wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ Selbst wenn ich da jetzt mit Einfrieren und Mind-Uploading komme – der Punkt ist, dass auch mein Leben kein bleibender Schatz sein wird. Genau wie Geld, genau wie Gold und Tulpenzwiebeln, wie auch Immobilien und Grundstücke – all dies sind im Sinne Jesu „Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen“ (Mt 6,19) – entweder wortwörtlich oder sinngemäß.

Jesus sieht das ganz klar und man kann ihn dafür als fanatisch und weltfremd bezeichnen oder als einen Mann mit Durchblick, der die Dinge einfach beim Namen nennt: Unsere Welt vergeht, nichts bleibt. Jede und jeder wird irgendwann sterben. Und niemand kann etwas von dem, was ihr oder ihm hier gehörte, behalten. Das ist so wahr wie deprimierend zugleich. Aber: Worauf sich dann noch freuen?

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber diese irdischen Schätze, also, die brauche ich schon. Kann nicht wirklich ohne. Und ich kann mich an irdischen Dingen auch echt freuen: Angefangen beim guten Essen bis zu schönen Klamotten. Trotzdem heißt es in der Bergpredigt (Mt 6,20): „Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.“

Heißt das also keine irdischen, sondern himmlische Schätze? Was aber ist der Unterschied?

Nun, in der Bibel ist der Himmel nicht irgendwo da oben, sondern die Erde, so wie sie sein soll, so, wie sie von Anfang an von Gott gedacht war – und da war sie gut. Wenn man mal in die Schöpfungserzählungen hinein schaut, hat Gott offensichtlich schon an Vieles gedacht, was der Mensch so braucht. Und die Bergpredigt liest sich dann auch wie eine Bestätigung (Mt 6,32): „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.“ Gott sei Dank! Und doch kommt dann der entscheidende Satz, der alles, was wir brauchen und haben, zur Nebensache macht (Mt 6,33): „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“

Reich Gottes, Gerechtigkeit zuerst. Ich verstehe das so: Reich Gottes und Gerechtigkeit Gottes geschieht, wenn ich nicht nur auf mich alleine schaue, sondern auch und gerade auf andere, die in Not sind. Natürlich soll es mir gut gehen. Den anderen aber auch. Und Jesus stellt klar: Ich bin für die anderen mitverantwortlich.

Anders formuliert: Ich soll mir also ruhig etwas Schönes kaufen oder darf das, was ich verdient habe, gut anlegen. Aber ich muss mich auch mit darum kümmern, dass alle Menschen gerecht entlohnt werden, wer weiß, vielleicht sogar ein Grundeinkommen haben, in jedem Fall aber denen geholfen wird, die zu wenig haben. Es darf mir nicht egal sein, wenn es keinen bezahlbaren Wohnraum mehr in meiner Stadt gibt oder gutes Essen für manchen unbezahlbar ist. Und da muss ich auch meine irdischen Schätze – mein Geld, meine Zeit, letztlich sogar mein Leben – mit einbringen. Nur dann werden sie auch zu himmlischen, also unzerstörbaren.

Klar: Ich muss auch auf mich selbst achten, auf mein Leben, meine Gesundheit – aber ich muss dabei auch bedenken, dass dies allen Menschen zusteht, dass niemand sich zu Tode schuftet, dass alle medizinisch gut versorgt sind, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist.

Solch eine Haltung hört sich selbstverständlich an. Aber ernsthaft: Wenn ich das wirklich verfolge, da komme ich an Grenzen. Im Alltag ist das für mich oft schlichtweg eine Überforderung, immer zugleich an die vielen anderen mit zu denken.

Ich bewundere die, die sich da stark engagieren und für eine gerechtere Welt kämpfen, ob bei amnesty international, Brot für die Welt, Misereor oder einfach nur in der Nachbarschaftshilfe. Aber selbst wenn ich hinter meinen eigenen Ansprüchen herhinke, darf mich das Wohl der anderen, die Gerechtigkeit in der Welt nicht kalt lassen. Und deshalb will ich jeden Tag wieder nicht nur an meinen irdischen Wohlstand denken, für den ich arbeite, sondern auch an die Schätze im Himmel. Und die haben mit der Sorge für die anderen zu tun – sind quasi der Lohn dafür.

Übrigens: Jesus wird an anderer Stelle da noch mal sehr konkret, wenn er vom Gericht über jeden Menschen am Ende der Zeit spricht (Mt 25,35-40*): „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ... ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich besucht, ... ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen“ und so weiter. Und es gipfelt in dem Satz: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Klarer kann man es doch mit dem irdischen und himmlischen Reichtum nicht sagen: Die irdischen Schätze, die erwerbe ich in erster Linie für mich selbst und für die, die mir nahe stehen. Die himmlischen Schätze aber, die erwachsen dann aus den Taten für diejenigen, die meine Zuwendung am dringendsten nötig haben. Jesus drängt zur Sorge um genau diese Bedürftigen. Nutze ich also die irdischen Schätze, um die himmlischen, die echten, die unkaputtbaren zu gewinnen!

Musik 4: Trio Dhoore – Kallis

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen Christoph Buysch aus Krefeld.

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