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Hörmal | 03.04.2015 | 07:45 Uhr

Unkomfortabler Karfreitag

Unkomfortabler Karfreitag

„Oma, der Mann da oben, der hängt da aber ganz schön unkomfortabel“ sprach der Junge und zeigte auf das massive Kreuz in der Nikolauskirche in Münster-Wolbeck. Ich war der einzige in der Kirche neben der Oma mit ihrem Enkel und dachte mir „eigentlich hat er ja Recht“. Er hängt da oben unkomfortabel. Er hängt da – und verreckt.

Szenenwechsel: Ein großes katholisches Gästehaus in Berlin: Frühstücksbuffet. Über der Wurst- und Käseplatte hängt wieder so ein massives Kreuz mit dem angenagelten Mann. Und als ich da stehe und meinen Teller bereite, denke ich an den Jungen in Wolbeck. Der hat vielleicht viel mehr wahrgenommen als ich. Meine Augen haben sich schon sehr an den Anblick dieses Manns am Kreuz gewöhnt. Ich kann seelenruhig mein Brötchen belegen, während das Bild zeigt: da hängt einer und verreckt. Eigentlich zum Schreien.

Ein himmelschreiendes Kreuz. Heute ist der Tag, an dem Christen daran denken, wie der Mann damals gehangen hat, am Kreuz: Jesus. In Jerusalem. In der brüllenden Mittagshitze. Unkomfortabel ist dafür das falsche Wort, viel zu untertrieben. Der Menschensohn, der Sohn Gottes – wie die Christen sagen – schreit vom Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Und stirbt. Karfreitag.

Jahrhundertelang haben die Christen sich nicht getraut, diesen Anblick des toten Jesus tatsächlich ins Bild zu fassen. Die erste Darstellung, die ihn wirklich mit geschlossenen Augen eines Toten zeigt, findet sich heute in NRW, ausgerechnet im Kölner Dom. Das Gero-Kreuz.

Da hängt er – unkomfortabel. Ein Sterbender. Ein erbärmliches Bild. Ein Karfreitagsbild. Aber warum hängt er fast überall wo Christen sind? Warum baumelt es sogar an den Hälsen vieler Menschen – auch an meinem? Warum ausgerechnet das Hinrichtungsinstrument für den Gottessohn? Weil Christen daran glauben, dass mit dem Kreuz nicht Schluss war. Weil sie quasi durch das Kreuz hindurch sehen auf eine andere Wirklichkeit. So sehr, dass sie es noch nicht mal schreckt, es ganz einfach über ein Frühstücksbuffet zu hängen. Christen blicken durch das Kreuz auf die Auferstehung. So wie sie durch den Tod aufs Leben schauen. Ein Paradox. Aber vielleicht eines der wichtigsten Geheimnisse des Glaubens.

Heute, an Karfreitag ist der Tag, wo vielleicht jeder Christ noch einmal genauer auf das Kreuz schauen sollte. So wie man auch einen Toten noch einmal in Augenschein nimmt, selbst wenn man glaubt, dass vor einem nur noch die leibliche Hülle ist. Hinschauen ist wichtig. Auch, um zu sehen, dass noch heute manches unkomfortabel ist in der Welt und zum Himmel schreit.

Copyright Vorschaubild: mownb wikimedia

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