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Kirche in WDR 3 | 14.04.2014 | 07:50 Uhr

Unterwegs

Pilgern ist angesagt. Meine Freundin Almut erzählt mir an diesem Morgen von ihrem Jakobsweg. Ich sage: „Hör mal, spazieren gehen kann ich auch bei uns am Rhein. Das entspannt mich kolossal.“ Sie schüttelt den Kopf. „Nein“, sagt sie dann, „ein Pilgerweg ist kein Spaziergang. Man läst sich nicht nur für ein paar Stunden den Kopf durchwehen. Beim Pilgern stellt man sein ganzes Leben um.“ „Vielleicht will ich das ja gar nicht“, antworte ich ihr, „im Grunde bin ich ganz zufrieden.

Die Woche vor Ostern fängt heute an. Urlaub. Sonnenschein.“ „Prima“, sagt Almut, “dann kannst Du es ja mal mit mir zusammen ausprobieren! Das Pilgern. Sagen wir für die nächsten sechsTage. Die Karwoche unterwegs.“ „Ich habe keine festen Wanderschuhe.“ „Kann man sich besorgen.“ „Ich habe Angst vor Blasen.“ „Gibt’s Pflaster dafür und dagegen.“

Drei Stunden später stehe ich vor meiner Wohnung. Ganz in der Nähe steht eine Steinsäule mit einer Muschel drauf. Ein Zeichen für den Jakobsweg. Überall wo diese Muschel zu sehen ist am Wegesrand, ging schon im Mittelalter die Pilgerroute nach Spanien, ins nördliche Santiago de Compostella entlang. Almut hat einen Rucksack. Einen Stock. Eine Karte, auf der Herbergen eingezeichnet sind. Unser Gepäck ist leicht.

Die erste Zeit gehen wir nur schweigend neben einander her. Es riecht nach Frühling und Aufbruch. Die Straße, die wir einschlagen, fahre ich seit Jahren immer nur mit dem Auto. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich die Pferde auf der Koppel am Straßenrand. Und höre ein Krächzen, Tschilpen, Piepen: Die Stare sind wieder da. Ich habe plötzlich gute Laune.

Almut unterbricht unser Schweigen: „Eine besonders gesegnete Zeit, gerade ab heute unterwegs zu sein.“ „Warum?“ „Na, gestern war doch Palmsonntag - auch so ein Aufbruchstag“, klärt Almut mich auf. „Jesus bricht auf. Wandert mit Menschen, die ihm nahe stehen, übers Land. Auch auf eine Stadt zu. Nicht Santiago. Sondern Jerusalem. Die Stimmung ist gut. Man hat ihm einen Esel besorgt. Auf ihm liegen weiche Kleider.Links und rechts sind Felder. Die Menschen sehen von ihrer Arbeit auf, wenn der eigenartige Trupp vorbeizieht. Sie winken Jesus und seinen Freunden freundlich zu. Andere applaudieren sogar. Und es gibt einige, die schlagen Zweige von Palmen ab, wedeln damit fröhlich, singen und rufen: `Schön, dass da einer kommt, den Gott auf die Spur zu uns gesetzt hat.` Das Leben ist schön. Und Wandern ist der Jünger Lust.“

Ich höre diese alte Geschichte plötzlich ganz neu. Es ist ja nicht so, dass ich vorher nie gewandert wäre. Aber der Ausblick auf eine Woche Wandern am Stück ist nun doch etwas anderes. Ich fühle mich tatsächlich beschwingter als üblich. Und lasse mit jedem Schritt von zu Hause weg mein alltägliches Leben hinter mir zurück. Und fange plötzlich an zu erzählen. Über Dinge, die mir schon lange durch den Kopf gehen. Meine Zeiteinteilung. Meinen Berufsärger. Aber natürlich auch meine Lebenspläne und Hoffnungsträume.

„Weißt Du“, sage ich zu Almut, „Ich habe mal gelesen, dass es im alten Griechenland eine Philosophenschule gegeben hat, deren Anhänger diskutierten nur im Gehen. Peripatetiker.“ „So weit zurück musst Du gar nicht gehen“, erwidert Almut. “Du kennst doch die Liedstrophe: Lasset uns mit Jesus ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen, auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch schon himmlisch sein, glauben recht und leben rein, in der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir, gehe vor. Ich folge dir. (1653, Text: Sigmund von Birken) Das Lied ist erst 350 Jahre jung oder alt, wie man´s nimmt.“

Pilgern ist angesagt, liebe Hörerin, lieber Hörer. Im Gehen dem Himmel ein Stück näher kommen, Klarheit gewinnen und damit Kraft zum Weitergehen. Gute Reise auf Ihrem Pilgerweg durch die Woche wünscht Ihnen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.

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