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Hörmal | 23.12.2018 | 07:45 Uhr

Van Gogh und die Einsamkeit an Weihnachten

Van Gogh? Das ist der Maler, mit dem abgeschnittenen Ohr. Das wusste ich als Kind schon. Sein abgeschnittenes Ohr ist vielleicht genauso bekannt wie seine gemalten Sonnenblumen.

Was ich bislang nicht wusste: Dass Vincent van Gogh das Ohr just am Tag vor Heiligabend verloren hat. Heute vor 130 Jahren war das es und passiert ist das in Südfrankreich, in Arles. Die Geschichte ist ein Kriminalfall der Kunstgeschichte. Denn beteiligt war, neben van Gogh –noch ein anderer großer Künstler: Paul Gaugin. Wie – das wurde nie geklärt. Gaugin ist jener Maler, der besonders mit seinen Porträts aus der Südsee bekannt wurde. Und raten Sie mal, wann Gaugin in die Südsee aufbrach? Ganz überstürzt nach jenem Weihnachten in Arles. Zwei Monate hatten es die beiden Künstler dort zusammen ausgehalten, in einer Kreativ-WG. Es war van Gogh, der Gaugin aus dem fernen Paris gelockt hatte. Er, der sensible Holländer setzte viel auf den Franzosen Gaugin, der seinen Job als Börsenmakler geschmissen hatte und sich jetzt als Maler verwirklichen wollte. Van Gogh schwebte so etwas wie die ideale Lebensgemeinschaft vor, so ähnlich wie die Urgemeinde – alle haben alles gemeinsam. Für van Gogh hatte das quasi religiöse Züge. Gaugin dagegen war für dieses Projekt der vielleicht schlechteste Fang von allen. Gaugin war eine Naturgewalt, zynisch, impulsiv, ein Egomane. Das konnte nicht gut gehen. Am Abend vor Heiligabend kam es zum Streit. Und am Ende lag van Gogh bewusstlos ohne Ohr in seinem Haus, während Gaugin schon über alles Berge war und zu Protokoll gab, van Gogh hätte sich das Ohr selbst abgeschnitten.

Wie auch immer: Mich wundert es nicht, dass der Vorfall mit dem Ohr just am Vorabend von Weihnachten passiert ist. Denn: Gerade an Weihnachten kann so etwas passieren. Die dunklen Weihnachtsgeschichten haben eben oft mit Familienstreit zu tun, mit Stress, verbranntem Braten, verletzten Herzen, und leider – allzu oft mit Einsamkeit und überzogenen Erwartungen. So war das auch bei van Gogh und Gaugin.

Sie hatten sich schon nach 2 Monaten derart zerstritten, dass die ideale Künstlergemeinschaft eine Fratze war. Gaugin floh aus Europa. Van Gogh ging danach in die Nervenheilanstalt. Seit diesem Streit hatte sich sogar sein Malstil verändert: hatte er bis dato immer wieder Porträts von Menschen gemacht, liebevoll, manchmal sogar etwas überhöht – malte er von da an Landschaften, Sonnenblumen, Lilienfelder, Sternenhimmel – menschenleer. Was in der Kunst als seine wichtigsten Bilder gefeiert wird, war ein hilfeschreiender Ausdruck von Einsamkeit.

Dabei geht es aber doch an Weihnachten genau um die Zusage: Niemand muss alleine sein. Weil Gott da ist, weil Gott Mensch geworden ist. Daher schmerzt mich jedes Jahr der Gedanke, dass Menschen an Weihnachten ungewollt allein feiern müssen. Und umgekehrt ist mein Respekt und meine Zuneigung bei all den Menschen, die an diesem Fest für die Einsamen da sind: angefangen bei der Bahnhofsmission bis zu Seniorenheimen und Krankenhäusern im Land. Und wenn Ihnen jemand einfällt, den Sie aus einer Einsamkeit in die Weihnachtsgemeinschaft rufen können, und sei es nur mithilfe eines Anrufs, in dem Sie ihm oder ihr ein Ohr schenken, dann geschieht da Weihnachten. Denn die Grundbotschaft an Weihnachten lautet: Niemand muss alleine sein.

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