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Kirche in WDR 3 | 29.05.2017 | 07:50 Uhr

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Guten Morgen!

Was wäre eigentlich gewesen, wenn Maria, die Mutter Jesu, voll- oder teilzeitbeschäftigt gewesen wäre? Wäre im Hause Jesu über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert worden? Hätte Josef Erziehungsurlaub genommen? Hätte der Beruf gelitten oder die Familie? Ich frage mich das, nicht nur als Arbeitnehmer, sondern auch als Familienvater und Katholik.

Ich glaube damals galt schon: "Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, muß wirken und streben und schaffen ... und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder." Friedrich von Schiller hat dieses bürgerliche Familienideal in einem Gedicht beschrieben, das ich in der Schule auswendig lernen musste, im Lied von der "Glocke".

Das Modell der Erwerbsarbeit nutzt dieses bürgerliche Familienleitbild. Die Wirtschaft setzte und setzt auf Arbeitskräfte: Die sollen hinaustreten aus den familiären Bezügen und ihre ganze Kraft uneingeschränkt ihrem Beruf zur Verfügung stellen. Sie sollen ausgeschlafen, gut genährt und ordentlich gekleidet, gesund und erholt zu jedem Zeitpunkt ihr volles Leistungsvermögen in ihre Arbeit einbringen.

Dieses Modell der Erwerbsarbeit übersieht schnell die familiären Konsequenzen: Die Anforderungen an Arbeitskräfte können nämlich nur erfüllt werden, wenn es außerhalb des Betriebes andere Menschen gibt, die den Arbeitskräften den Rücken freihalten:

Der Blick in viele Länder unserer Welt zeigt bis heute: Es sind die Frauen in den Familien. Sie haben die Aufgabe über viele Generationen hinweg erfüllt, Arbeiter für den Arbeitsmarkt täglich neu in möglichst gutem Zustand bereitzustellen – zuverlässig und vor allem kostenlos. Der Preis dafür: Sie haben ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit, ihre eigene Alterssicherung und vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten aufgegeben. Frauen aber auch Männer akzeptieren diese alte Arbeitsteilung nicht mehr – zum Glück! - Sie wollen sich dem Rollendiktat "Dir die Arbeit, mir die Familie!" nicht mehr beugen. Die Familienfrage ist eben nicht nur Frauenfrage. Sie betrifft Männer und Väter ebenso.

Inzwischen steht fest: Erwerbsarbeit, welche die eigene Familie verdrängt oder sie bestenfalls noch als Garage akzeptiert, in die man abends einfährt, um morgens frisch getankt zurückzukehren ins eigentliche Leben, fördert Unzufriedenheit und nimmt nicht zuletzt den Kindern die Möglichkeit, Väter als Erzieher zu erleben. Kurz gefasst: Wir brauchen nicht mehr Mütter, wir brauchen endlich die Väter.

Gleichzeitig gilt: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur ein privates Problem. Schon im Grundgesetz im Artikel 6 heißt es: Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates.

Wenn der Staat diese Schutzfunktion ernst nimmt, dann ist also darauf zu achten, unter welchen Umständen heute dieser Spagat von Familie und Beruf gelebt werden kann – ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, dass man beide Rollen nicht optimal erfüllen kann.

Und wenn die Familie in der kirchlichen Lehre eine zentrale Bedeutung innehat, dann ist auch Kirche als Arbeitgeber gefragt. Untersucht wurden deshalb im letzten Jahr die familienfreundlichen Maßnahmen in den Bistümern. Die Bestandsaufnahme zeigt Stärken und Schwächen. Positiv sind zum Beispiel die Gleitzeitregelungen. Der größte Handlungsbedarf liegt aber vor allem bei der Notfallbetreuung, wenn das Kind plötzlich erkrankt. Aber auch die Rücksichtnahme des direkten Vorgesetzten könnte noch besser sein.

Also, liebe Chefs. Familienfragen gehören nicht nur in die Sonntagsrede. Sie müssen im Alltag umgesetzt werden.

Hans Ulrich Nordhaus, Cappenberg

* Maßnahmeder der deutschen (Erz-) Bistümer zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer Zugriff unter www.dbk.de am 12.05.2017.

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