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Kirche in WDR 5 | 03.08.2017 | 06:55 Uhr

Vergebungshelfer

Guten Morgen!

„Wie oft muss ich meinem Bruder, der mir Unrecht tut, vergeben? Ist siebenmal genug?“, fragte Petrus, und Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18,21f) Das klingt überaus barmherzig. Aber die verlangte christliche Milde ist doch die Härte für Menschen, denen etwas Furchtbares angetan wurde. Soll eine vergewaltigte Frau, die ihres Lebens nicht mehr froh wird, ihrem Peiniger verzeihen? Soll der Mann, dessen Vater bei einem illegalen Rennen totgefahren wurde, dem Raser vergeben?

Die Nagelprobe für die Vergebung ist das Unverzeihliche. Und das ist zunächst einmal genau dies: Unverzeihlich. Es gibt keine Pflicht zum Vergeben. Eine erzwungene Vergebung kann ja gar keine Vergebung sein. Vergeben geht nur frei. Manchmal aber sind Menschen, deren Leben durch einen anderen zerstört wurde, dieses zerstörte Leben lang nicht so frei, jemals vergeben zu können.

Bei wem könnte man das besser verstehen als bei einer Mutter, deren Sohn ermordet wurde. Sie lebt in ganz ärmlichen Verhältnissen. Und nun ist sie noch schlechter dran. Wo sie lebt, fehlt es an Jobs, nicht aber an Drogen. Die jungen Männer dort geraten aneinander. Bei einem dieser Kämpfe flog ihrem Sohn ein Messer in den Nacken. Das war in Teheran und der Täter heißt Safar. Safar wurde zum Tode verurteilt. Berichte über Hinrichtungen im Iran sind bekannt, weniger jedoch, dass die Angehörigen des Opfers das letzte Wort haben und nicht der Staat. Wenn sie vergeben, kommt der Verurteilte gegen Zahlung einer Entschädigung frei. (1) Hier setzen die Leute von der Imam-Ali-Gesellschaft an. Man könnte sie Vergebungshelfer nennen. Sie gehen in die schwierigen Viertel, geben Straßenkindern Unterricht, helfen hier und da und versuchen vor allem die Safars aus den Todeszellen zu holen. Sie haben es auch geschafft, die Mutter zum Vergeben zu bewegen. Behutsam nahmen sie Kontakt zu ihr auf, besuchten sie, tranken viele Gläser Tee, hörten ihren Klagen zu und versuchten sie sanft zu überzeugen, im Mörder den Menschen zu sehen. Sie schafften es. Da war Safars Hinrichtung bereits zum dritten Mal angesetzt. Aber nun hatte dessen Familie kein Geld für die Entschädigung. Über eine Crowdfunding-Aktion über Facebook gelang es der Imam-Ali-Gesellschaft, dreiundzwanzigtausend Iraner zu kleinen Spenden zu bewegen. Safar ist heute frei. Dies ist nachzulesen im neuen Buch der Journalistin Charlotte Wiedemann.

Die wunderbaren beherzten Vergebungshelfer von Imam-Ali sind großartig. Und großartig ist, dass es hierzulande nicht nötig ist, Menschen vor der Hinrichtung zu retten. Aber Vergebungshilfe, die brauchen auch wir. Das heißt: Räume schaffen, Worte finden, andere Sichtweisen entwickeln, Brücken bauen, die Menschen helfen, verzeihen zu können. Vergeben ist nicht ja nicht etwas, was man einmal macht und was dann ein für alle Mal getan ist. Es ist etwas, für das man sich immer wieder entscheiden muss, etwas, was nicht aufhört, solange das, was man erlitten hat, weiter weh tut. Siebzigmal siebenmal und manchmal noch öfter.

(1)Vgl. Charlotte Wiedemann, Der neue Iran. 2017. S. 126.

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