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Das Geistliche Wort | 04.10.2015 | 08:40 Uhr

Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat

Autor: Guten Morgen. Wissen Sie, was mir unglaublich auf die Nerven geht? Unsere Jammer- und Genölekultur. Ich heiße übrigens Gerd Höft und bin Pfarrer im Ruhestand.

Also, diese Rumjammerei: Ist der Sommer normal für unsere Breiten, ist er zu kalt; ist er warm, ist er zu heiß. Dann regnet es zu viel, regnet es weniger, ist es zu trocken.

Das Handy hat man schon zwei Jahre –du meine Güte, was für eine Katastrophe.

Man kann gar nicht mehr so viel wegfahren wie man gerne möchte. Du lieber Himmel.

Da ist man erst 76 Jahre alt und man kann nicht mehr die drei Etagen zur Wohnung hochgehen und dabei den Bierkasten tragen – weil das Knie zwickt. Alles geht den Bach runter.

Die Bahn fährt nur alle zwanzig Minuten statt loszufahren, wenn ich gerade auf den Bahnsteig komme. Fünf Minuten Verspätung: Ja, was glaubt denn die Bahn, wer ich bin? Schließlich bezahle ich Steuern.

Und so weiter und so fort. Wissen Sie, was ich mal gerne hören würde?

Ich bin so dankbar: Ich habe ein Dach überm Kopf und im Winter ist es warm zuhause; ich habe genug zu essen und zu trinken; meine Wehwehchen halten sich in Grenzen und an nicht wenigen bin ich auch selber schuld. In meiner Umgebung gibt es Ärzte und Apotheken. Die helfen mir, wenn ich Hilfe brauche. Ein geordnetes Staatswesen hält die allermeisten Probleme von mir fern. Es geht überraschend gerecht zu in unserem Land. Es fallen keine Bomben und keine Raketen töten wahllos. Kinder können in Kitas und Schulen gehen und eine Ausbildung bekommen, statt an den Stränden des Mittelmeers als Leichen angeschwemmt zu werden.

Und falls wir der Meinung sind – das alles wäre ja schließlich selbstverständlich, dann lassen wir uns einmal kurz an die Erzählungen von Omma und Oppa erinnern von ihrer Kindheit und ihren Zeitläufen.

Musik1: amazing grace

Autor: Ja gut, das war jetzt vielleicht ein bisschen zu pauschal, ein bisschen zu dick aufgetragen. Aber mal ehrlich: Ist es wirklich so schwer, einfach mal so ein Gefühl zuzulassen, dass es den meisten von uns alles in allem doch unglaublich gut geht?

Dass doch alles eben nicht selbstverständlich ist, dass vieles ganz anders hätte kommen können?

Ich hatte mal eine Phase in meinem Leben, da hatte ich den Eindruck, alles habe sich gegen mich verschworen. Nichts schien zu gelingen, ich sah nur Niederlagen und kleine und große Krisen. Alles grau, die Lebensfreude glomm nur auf ganz kleiner Flamme. Aus dieser Zeit stammt meine Gewohnheit bis auf den heutigen Tag: Jeden Abend beginnt mein Nachtgebet: Ich danke dir Gott für diesen Tag und dann zähle ich auf ein paar Dinge, die gut gewesen sind, die gelungen sind, wo ich Glück hatte. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, zwei oder drei Sachen zu finden; dann hab ich zunehmend gestaunt, was alles an Gutem - sei es auch noch so klein und bescheiden - selbst an einem normalen Tag so zusammenkommt. Manchmal lasse ich sogar tagsüber so ein Empfinden zu. Es bringt mich dazu, mich einfach mal still hinzusetzen, die Hände zu falten und zu spüren, wie es weich und warm in mir wird und sich dann - wie von selbst - ein Wort tief aus meiner Seele emporarbeitet, sich auf meine Zunge legt und darauf wartet, endlich einmal ausgesprochen zu werden: DANKE.

Natürlich wundert es Sie nicht, dass ich jetzt den lieben Gott ins Spiel bringe.

Sprecherin:

Lobe den Herrn, meine Seele

Und was in mir ist, seinen heiligen Namen.

Lobe den Herrn meine Seele

Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Der dir alle deine Sünden vergibt

Und heilt alle deine Gebrechen,

Der dein Leben vom Verderben erlöst,

Der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit,

Der deinen Mund fröhlich macht

Und du wieder jung wirst wie ein Adler.

(Psalm 103,1-5)

Autor: Zu optimistisch das Ganze? Zu wenig faktenorientiert, meinen Sie? Denn ein Blick auf die letzten Wochen reicht ja, um zu erkennen: Meine persönliche Befindlichkeit steht in krassem Gegensatz zu der Befindlichkeit all der tausend und abertausend Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg, Terror und sonstigen untragbaren Zuständen.

Zu einfach würde ich es mir machen, würde ich jetzt auf Hiob verweisen. In all seinen persönlichen Katastrophen hat er gesagt: “Haben wir Gutes von Gott empfangen und sollten das Schlimme nicht annehmen?“ Nein, das wäre zynisch. Hiob hilft in diesem Fall nicht weiter.

Wie krieg ich das zusammen: Gott dankbar zu sein für mein alles in allem gutes Leben und das elende Leben und Sterben auf den Flüchtlingstrecks? Unser wohlgeordnetes Deutschland und eine Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint?

Was mache ich mit den schrecklichen Bildern, die mir die Medien seit Monaten ununterbrochen in Herz und Hirn hämmern? Längst sind sie mir ganz nah auf den Leib gerückt: Männer, Frauen, Kinder – sie kommen erschöpft an am Bahnhof in meiner Stadt. Haben lebensgefährliche Bootsfahrten, ewig lange und gefahrvolle Gewaltmärsche und andere Hindernisse überlebt.

Musik 2: Nobody knows

Autor: Ein kleiner Junge liegt am Strand. Läge er nicht mit dem Gesicht im Sand, könnte man meinen, er ruhe sich nur kurz aus. Aber dann wird er aufstehen und vielleicht eine Sandburg bauen oder die Schwimmflügel anziehen und ein wenig in den seichten Wellen plantschen. Doch der Kleine ist tot, ertrunken wie seine Mutter und andere Mitglieder seiner Familie. Und dann das andere.

Der Zug ist endlich in Deutschland angekommen. Die Flüchtlinge quellen aus den überfüllten Abteilen. Eine junge Familie steht eng zusammengedrückt auf dem Bahnsteig. Zwei kleine Kinder an der Hand, eines auf dem Arm des Vaters. Sie sind erschöpft und doch glücklich. Vom Vater hört man: Allahu akbar – Gott ist groß.

Dieses Dankgebet kommt spontan aus ihm heraus. Die Not ist gewendet. Vielen wird kein Dank über die Lippen kommen. Zu traumatisch, was sie gesehen und erlebt haben. Ich kann stellvertretend danken für jeden und jede, die es geschafft haben. Dankbar sein, das ist ja keine bloße Gefühlsduselei, die sich selbst genügt. Dankbarkeit ist eine Haltung, ein Muster, eine Richtschnur. Sie ist der gute Boden, aus dem wie von selbst die guten Werke wachsen. Sie ist das Fundament, auf dem das Gebäude der Mitmenschlichkeit steht. Sie sagt uns schon, wie wir uns in unserem Leben zu verhalten hätten. Wie aus den Bildern, die auf uns einstürmen geradezu der Zwang wächst, nicht selbstgenügsam bei sich selbst zu bleiben, sondern zu sehen, was der braucht, der gerade nicht aus sich selbst heraus dankbar sein kann.

Von Jesus ist auch in dieser Hinsicht Klartext überliefert. Er schreibt uns sozusagen ins Stammbuch: Ihr werdet einmal daran gemessen, was ihr getan oder unterlassen habt. Und dann wird es zum einen die geben, die in sein Reich aufgenommen werden. Die Gerechten, wie es in der Bibel heißt. Was ist deren Verdienst? Jesus sagt:

Ich hatte Hunger und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich hatte Durst und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich kam als Fremder zu euch und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet. Ich war krank und ihr habt mich gesund gepflegt. Ich war gefangen und ihr habt mich besucht. (Matthäus 25,35f)

Die Gerechten staunen nicht schlecht und fragen: Wann haben wir dir das alles getan? Die Antwort ist eigentlich nicht so überraschend: Was ihr meinen geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25,40)

Aber es geht noch weiter. Zu denjenigen, die das alles vermissen ließen, sagt er:

Geht weg von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer. Ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich kam als Fremder zu euch und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich war nackt und ihr habt mich nicht bekleidet, ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt nicht nach mir gesehen. (Matthäus 25,41-43)

Und die gleiche Überraschung bei den eben Verfluchten. Sie fragen irritiert: Wann haben wir dir das alles nicht getan? Dazu Jesus: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. (Matthäus 25, 45)

Musik 3: Angels watching over me

Autor: Ja, so ist das. Jesus lässt da keinen Spielraum zum Feilschen. So nach dem Motto: Eigentlich hätte ich schon gewollt, aber wie das halt so ist, die Umstände, der ungünstige Zeitpunkt. Und überhaupt, soll sich jeder erst einmal um sich selber kümmern.

Aber es könnte ja sein, dass es doch gelingt: dankbar zu sein für all das Gute in unserem Leben. Und aus diesem Gefühl und dem Wissen darum all denen Gutes zukommen zu lassen, die es brauchen. Der Gewinn: Ich werde beschenkt – mit einem neuen Blick aufs Leben. Und stelle staunend fest: Ja, es gibt Grausames in der Welt. Und –ja- die Welt ist wundervoll. Beides hängt auch von mir ab.

Musik 4: Rutter: „God bless you“

Das Wichtigste aber: Allen Horrorszenarien zum Trotz steht die Erde und wird immer stehen unter Gottes Segen. Dies glaubt fest ihr Gerd Höft von der evangelischen Kirche.

Musik 4: Rutter: „God bless you“

Musikinformationen:

CD-Name: Gloria-The sacred music of John Rutter

Titel: The Lord bless you and keep you

Track-Nr.: 17

Interpret: The Cambridge Singers

Komponist: John Rutter

Texter: die Bibel

Verlag: unbekannt

Label: Collegium records

LC-Nr.: CSCD 515

Best.Nr. und EAN: unbekannt

CD-Name: Behüte mich auch diesen Tag

Titel: Amazing grace, Nobody knows und Angels watching over me

Tracks: 7, 13, 10

Interpret: Wilhelmshafener Vokalensemble

Komponist. Gospel

Text: Gospel

Verlag: Hansisches Druck und Verlagshaus

Label: edition chrismon

LC-Nr.: 16005

Best. Nr. und EAN: unbekannt

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