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Kirche in WDR 2 | 15.08.2014 | 05:55 Uhr

Verlorenes Miteinander

Aleppo werde ich wohl nie wieder sehen. Vor 13 Jahren war ich dort und die Schönheit des Basars und der großen Moschee waren beeindruckend. Noch mehr bewegt hatte mich die Begegnung mit dem Großmufti von Aleppo. Er hatte unsere Gruppe von der Studentengemeinde Münster eingeladen zu einem Austausch und er brachte gleich einen engen Freund mit, einen Juden. Wir staunten über diese Freundschaft – ich hätte das nicht erwartet vom wichtigsten Glaubensvertreter der Muslime in dieser Stadt. Ein wichtiges Zeichen.

Wenige Tage später fuhren wir in die syrische Wüste und trafen dort Pater Paolo. Der Jesuit aus Italien hatte das alte Wüstenkloster Mar Musa wieder aufgebaut und zu einem Zentrum des christliche-muslimischen Dialogs gemacht. Ein tief beeindruckender Mann, mit großem Charisma und einer Weite des Herzens. Vor fast genau einem Jahr ist Pater Paolo von radikalen Muslimen entführt worden. Ob er noch lebt, ist ungewiss. Schon 2011 wurde der Sohn des Großmuftis von Aleppo bei einem Attentat getötet und ob der jüdischen Händler noch lebt, das weiß ich nicht. Sicher ist aber: Das Syrien, das ich damals kennen lernte, ist zerstört. Nicht nur die schönen und bedeutenden Bauten sind Schutt und Asche, sondern auch das Miteinander dieser Religionen, die hier seit Jahrhunderten zusammen leben - wenn sie auch immer um dieses Miteinander gerungen haben.

Noch schlimmer ist es jetzt im Irak. Seit drei Wochen ist die Stadt Mossul christenfrei. Zum ersten Mal seit knapp 1800 Jahren. Ein arabischer Buchstabe an einigen Bauten, ein „N“, erinnert noch daran, dass hier mal Christen gelebt haben. Die radikalen ISIS-Kämpfer haben es an die Hauswände gesprüht, das „N“ steht für „Nazarener“, also für die Christen. Das „N“ war so eine Art Freifahrtschein für Gräueltaten aller Art. Selbst vor Kreuzigungen machten die Kämpfer nicht Halt. Ein Blutvergießen, das ich mir nicht vorstellen kann.

Die Realität im Nahen Osten heute ist erschreckend- nicht nur für die Christen. Ein Exodus findet statt auch für Jesiden und anderen Glaubensgruppen. Ich finde dafür keine Worte.

Bei mir bleibt Entsetzen über die Art der Gräuel und auch große Hilflosigkeit. Ob Flugangriffe aus den USA jetzt da noch etwas retten können? Diese Hilflosigkeit teile ich mit vielen Christen hier im Land. Einige posten das arabische „N“ in ihrem Facebook-Profil und: Wo immer ich in diesen Tagen in Gottesdiensten bin, wird für den Irak und für Syrien gebetet. Zum Teil mit tiefer Betroffenheit. Zum einen, weil unzählige Menschen sinnlos sterben. Zum anderen, weil dort das jahrhundertealte Miteinander der Religionen ausblutet, im wahrsten Sinn des Wortes. Gleich werden Sie hier wieder die Nachrichten hören, sicherlich mit schlechten Neuigkeiten aus jener Region.

Leider zieht sich eine Blutspur der Konflikte durch die Religionsgeschichte – nicht nur im Nahen Osten. Das ist pervers: dass Menschen zu Mördern werden, wenn es um Gott geht. Und auch das Christentum ist nicht frei davon. Gibt es denn kein Lernen aus der Geschichte?

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