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Kirche in WDR 4 | 15.01.2016 | 08:55 Uhr

Vernetzt

Guten Morgen!

Wer nicht „drin“ ist im Internet, der ist out – abgehängt, sozial isoliert. Online sein, erreichbar, immer und überall, das ist das neue Credo, das zählt. Es gibt Menschen, die haben zum Beispiel lange Listen virtueller "Freunde" im Internet. Ich gebe zu, ich bin da etwas skeptisch, ob das wirkliche Freunde sind – andererseits ist mir auch klar, ich kann mich dieser Entwicklung sozialer Kommunikation per PC und Smartphone nicht entziehen.

Gerade das Smartphone hat doch innerhalb weniger Jahre unsere Welt verändert, auch meine persönliche Welt. Wie einfach ist es geworden Kontakte zu Menschen zu pflegen, die ich sonst schnell aus den Augen verlieren würde. Freunde und Familienmitglieder sind so ganz nah. Per Klick via Facebook, Twitter, Skype oder WhatsApp sind wir verbunden.

Die Allgegenwart des Smartphones kommt schleichend aber gewaltig daher. Wie oft schon habe ich es erlebt: Die Familie ist beisammen und jeder hat sein Smartphone vor der Nase, die Daumen flitzen über den Minibildschirm. Unsere Kommunikation wird immer oberflächlicher, aber steigt dadurch wirklich die Aufmerksamkeit füreinander? Das erlebe ich auch im Beruf: Manches Gespräch versandet schon im Ansatz, wenn nur einer sein Handy zückt. Zwar sitzt man einander gegenüber, aber hört einander nicht mehr richtig zu; und ich weiß selbst, was es heißt, gefangen zu sein in der Erwartung, dass das kleine Gerät gleich klingelt oder vibriert, weil neuste Nachrichten einlaufen. Und wie schwer fällt es, das Gerät tatsächlich auszuschalten und sich auf das Gegenüber zu konzentrieren. Manchmal frage ich mich: Grenzt das schon an Abhängigkeit?

Darüber hinaus überrascht mich immer wieder, wie viel grenzenloses Systemvertrauen nicht nur ich aufbringe, wenn ich diese sozialen Kommunikationswege nutze: Wer bei Facebook, Google, Twitter usw. ist, der akzeptiert leichtfertig die Geschäftsbedingungen. Es wird ja schon gutgehen – sage ich mir! Aber wer weiß? Mich beschleicht bisweilen ein ungutes Gefühl, wenn mein Smartphone Aufenthaltsorte protokolliert und jede App auf meine privaten Kontakte zugreifen will? Ich frage mich: Wie nah liegen Nutzen und Missbrauch da beieinander?

So nützlich das Internet und die „sozialen Medien“ auch für den kommunikativen Austausch sind, sie sind auch ein „Reich der Finsternis“: öffentlicher Pranger, konspirativer Ort für kriminelle Machenschaften, Schauplatz rechtsextremer Propaganda. Darin unterscheidet sich das Internet nicht vom mittelalterlichen Marktplatz, wo all das auch geschah.

Übrigens ist auch die Kirche mit ihren Botschaften „im Netz“. Nicht nur der Papst twittert, unzählige Christen schreiben Blogs, auf YouTube kommentieren sie Gott und die Welt. Das Netz ist zum Instrument der Verkündigung geworden – und das ist auch sehr gut so. Es gibt sogar eine „Internetseelsorge“. Und es ist ja keinesfalls so, als ob alles, was da kommuniziert wird, oberflächlich ist. Da wird ganz real und wahrhaftig diskutiert, getröstet, einander beigestanden.

Es ist nicht abzusehen, wie stark das Internet unsere Gesellschaft noch verändern wird, geprägt hat es uns allerdings schon. Eigentlich ist es wie mit fast jeder Technik: Es gibt keinen Grund, sie zu „verteufeln“ oder in überzogener Heilserwartung zu bejubeln.

Und möglicher Missbrauch spricht nicht gegen den sinnvollen Gebrauch – so sagt ein alter Grundsatz. Keine Technik ist wertfrei oder wertneutral. Aber ethische Reflexionen sind gefragt und auch rechtliche Regeln! Gerade hier gibt es noch Handlungsbedarf in Bezug auf die Nutzung des Internets: Welcher Gebrauch ist gut, was ist förderlich für unser Leben, was ist ein respektvoller Umgang im Netz, was dient der Gerechtigkeit?

Letztlich sollte es immer darum gehen, neue Techniken wenn, dann zum Guten zu nutzen.

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff.

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