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Kirche in WDR 4 | 18.02.2016 | 08:55 Uhr

Verschenkter Sieg

Guten Morgen! Das Leben stellt uns Tag für Tag vor eine Menge Herausforderungen. Wie darauf reagieren? Zu allem und jedem Ja und Amen sagen? Sich weigern und Widerstand leisten? Aufgeben? Sich aufgeben? Sich sogar opfern für eine vermeintlich gute Sache? Der Prophet Jona, von dem ich Ihnen seit zwei Tagen erzähle, hat alles das probiert. Er hat Gott Widerstand geleistet, er ist geflohen, er hat sich selbst opfern wollen.

Hat alles nichts genutzt. Die Flucht wurde verhindert, das Opfer nicht angenommen, der Auftrag an ihn, einer Stadt die umfassende Vernichtung anzukündigen, bleibt bestehen. Drei Tage Auszeit im Bauch eines Fisches hat ihm Gott gegönnt – und dann stellt sich Jona endlich der Herausforderung.

Zügigen Schrittes geht er zur Metropole Ninive, um der Stadt und allen, die in ihr leben, ihren Untergang anzukündigen. So Gottes Auftrag. Kein leichter, wie wir uns denken können.

Aber Jona, jetzt ganz erfüllt von eigener Wichtigkeit und Bedeutung, erledigt ihn bravourös. „40 Tage noch“, schleudert er den ziemlich irritierten Leuten in Ninive entgegen, „40 Tage noch und ihr werdet ausradiert mit Mann und Maus.“ Ich sehe da den Jona, hoch aufgerichtet, erfüllt von der Bedeutung seines Auftrages und von der Eitelkeit - gespeist durch seine Wichtigkeit; mit großer Geste verkündet er Unheil und Katastrophe. Was erwartet Jona jetzt?

Vielleicht so etwas wie das, das Schiller ewige Zeiten später in seinem Lied von der Glocke beschrieben hat?

Sprecherin: „Kochend wie aus Ofens Rachen glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren,

Tiere wimmern unter Trümmern, Alles rennet, rettet, flüchtet, Taghell ist die Nacht gelichtet.“

Nichts dergleichen. Die Einwohner sind weder entsetzt, noch geraten sie in Panik, sie versuchen auch nicht zu fliehen. Die Einwohner stellen sich, zeigen sich einsichtig. Sie suchen keine Ausflüchte, keine Sündenböcke. Sie stehen zu ihren Unheilstaten, ihren schäbigen Betrügereien und ihren großen Sünden – und sie tun Buße. Sie bestürmen Gott mit ihrer aufrichtigen Reue. Ja sogar der König und die ganze Machtelite schließt sich an. „Vielleicht“, so lässt der König sich vernehmen, „dass Gott sich wieder gereuen lässt und von seinem Zorn ablässt, dass wir nicht zugrunde gehen.“

Und Gott? Denkt der sich: „Zu spät, meine Lieben, das hättet ihr euch früher überlegen sollen“? Nein. Und so heißt es: “Gott reute das Böse, dass er ihnen angedroht hatte und er tat es nicht.“

Happy end? Müsste man meinen – zumindest für die Stadtbewohner von Ninive. Und für Jona? Freut er sich an seinem Erfolg? Darüber, dass er mit seiner Ankündigung Hunderttausenden das Leben gerettet hat? Jona, so heißt es, freut sich nicht. Im Gegenteil. Ihn verdross das sehr und er war zornig. Wie bitte? Jona könnte einen großen Sieg für sich verbuchen – aber er macht eine Niederlage daraus.

So sind die Jonasse dieser Welt bis auf den heutigen Tag. Sie fühlen sich nur groß in den Niederlagen der anderen. Sie beziehen ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein aus den Demütigungen der anderen – und nichts ist ihnen mehr verhasst, als wenn sich die Niedergedrückten und Gedemütigten aus ihrer Situation befreien und sich eine zweite Chance erkämpfen. Und auf niemandem richten sie ihre Empörung und ihren Zorn so entschieden als auf die, die ihnen diese billigen Triumphe über andere vermasseln.

Sollten Ihnen jetzt die so genannten sozialen Netzwerke im Internet einfallen – bitte schön.

Gott vermasselt Jona und allen seinen Nachfolgern bis auf den heutigen Tag die Katastrophenshow. Er begnadigt die Übeltäter und weist die, die sich am Elend anderer erfreuen in die Schranken. Wie er das macht? Eigentlich ganz humorvoll – was man so nicht erwarten durfte. Aber das heb ich mir für morgen auf. Dann erwartet Sie wieder Pfarrer Gerd Höft aus Düsseldorf.

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