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Kirche in WDR 3 | 28.07.2016 | 07:50 Uhr

Versöhnung

Guten Morgen!

„Da haben Handwerker aber etwas vergessen“ – das mag für viele Pilger der erste Gedanke sein, die jetzt zum Liborifest – dem großen Patronatsfest des Domes und des Erzbistums Paderborn – den Paderborner Dom betreten und sich nach rechts wenden. Ein langer blauer Streifen zieht sich über den Fußboden, so als hätte man dort etwas abgeklebt und wolle eine Baustelle sichern. In Wirklichkeit zählt dieser 50 Meter lange Streifen zu einer der Installationen, die im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit in der Paderborner Kathedrale angebracht wurden. Wer nämlich genauer hinschaut, sieht, dass auf diesem langen blauen Band folgende Worte zu lesen sind: „So spreche ich dich los von deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Diese Worte werden gesprochen bei einem der sieben Sakramente, der Beichte – oder besser formuliert, dem Zeichen der Nähe Gottes durch die Wiederversöhnung.

Für viele, zumal nicht katholische oder christliche Besucher des Domes, ist das vielleicht die erste bewusste Begegnung mit diesem Sakrament, das aber selbst viele Christen kaum noch kennen. Schon vor vielen Jahren sagte ein Priester: „Wir haben die Sünde erfolgreich abgeschafft.“ Denn faktisch kam niemand mehr, und fragte nach diesem Zeichen der Nähe Gottes in der Wiederversöhnung.

Aber ist dieser Umkehrschluss richtig: Nur weil niemand mehr zur Beichte kommt, gibt es keine Sünde mehr? Mit Nichten. Ich muss mich nur an die eigene Nase fassen. Wie ist das mit meinen alltäglichen Bosheiten. Und wie ist das mit den großen Verbrechen in der Welt, wo Menschen anderen Menschen so Fürchterliches antun, von Terror, Gewalt bis zu Missachtung, Ausbeutung und Verleumdung?

Im Paderborner Dom führt der lange blaue Streifen in die Krypta, wo der Ort der Beichte ist. Läuft man an diesem Streifen entlang, dann wird dieses Laufen zu einem Sinnbild des Lebens: Erst im Gehen des Lebensweges erschließt sich für uns Menschen durch all die Wiederfahrnisse, durch all die Chancen und Versäumnisse und das Auf und Ab, dem wir begegnen, dass eben auch die Schuld eine Kategorie ist, die zu unserem Dasein gehört. Wir erleiden sehr bewusst, wenn andere an uns schuldig werden und haben dafür ein waches Gespür. Und umgekehrt gilt auch, dass wir nicht selten Schuld auf uns laden, wenn wir rücksichtslos sind, egoistisch und manchmal wissentlich Menschen klein machen, sie verletzen, weil es uns jetzt gerade so in den Sinn kommt.

Gut ist es, wenn der Lebensweg dann auch zu einem Ort führt, wo Vergebung und Verzeihung geschieht: Zum Beispiel dort, wo man sich für begangenes Unrecht entschuldigt. Aber wie oft bleibt trotzdem noch ein Rest an Unversöhntheit zurück, auch wenn der andere gesagt hat: „Jaja, ich akzeptiere deine Entschuldigung.“ Das ungute Gefühl bleibt, irgendwas sitzt da noch in mir, was mich gegen ihn oder sie einnimmt. Oder ich kann den oder die andere gar nicht mehr um Vergebung bitten, weil er oder sie schon längst verstorben ist. Dann ist es gut, sich noch jemand anderem anvertrauen zu können.

Papst Franziskus schreibt zu diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit:

„Auf die Schwere der Sünde antwortet Gott mit der Fülle der Vergebung. Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen.“

Das ist doch eine wunderbare Botschaft, die auch angesichts der Schuld, in die wir uns Menschen manchmal verstricken, sie wie ein Rettungsring mit dem Kopf über Wasser hält.

Christen vertrauen auf einen Gott, der ohne Wenn und Aber vergibt, wenn Menschen sich ihm ehrlichen Herzens zuwenden. So gesehen kann das Sakrament der Wiederversöhnung wie ein Ziel auf dem Lebensweg sein und das nicht nur einmal.

Aus Paderborn grüßt Sie Weihbischof Matthias König.

Copyright: pdp - Erzbistum Paderborn

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