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Kirche in WDR 5 | 04.02.2014 | 06:55 Uhr

Versöhnung braucht Zeit

Guten Morgen liebe Hörerin, guten Morgen lieber Hörer,

haben Sie Geschwister? Und wenn ja: Verstehen Sie sich gut? Geschwister zu haben ist schön und birgt doch auch reichlich Zündstoff. Davon kann man schon in der Bibel lesen. Da schlägt Kain seinen Bruder Abel tot.

Da will ein Bruder besser sein als der andere. Und am Ende ist einer tot. „Warum können die nicht im Frieden miteinander leben? Das sind doch Geschwister!“, habe ich mich als Kind schon gefragt. Ein anderes Brüderpaar der Bibel: Jakob und Esau. Da geht die Geschichte noch einigermaßen gut aus: Nach langen Irr- und Umwegen versöhnen sich die beiden. Wie können Kinder, die dieselben Eltern haben, nur so unterschiedlich sein? Und warum werden diese Unterschiede von den Geschwistern meistens als Konkurrenz und nicht etwa als Bereicherung erfahren?

Zwei, die davon erzählen können, sind Martin und Brigitte. Jahrelang haben die Geschwister nichts miteinander zu tun gehabt. Martin war immer Mutters Liebling. Hat Abitur gemacht und studiert und leitet heute einen kleinen Handwerksbetrieb. Brigitte hat einige Zeit gebraucht, bis sie einen passenden Beruf und einen passenden Mann gefunden hat. Viel lieber ist sie in der Welt herum gereist, hat andere Länder und Kulturen kennen gelernt und wollte erst einmal ihre Freiheit genießen. Warum heute schon an morgen denken?

Dabei haben sich die Geschwister über die Jahre auseinandergelebt. Bei Familientreffen schweigen sie sich an. Irgendwie leben sie in zwei verschiedenen Welten. Richtig Streit hat es nie gegeben. Nein, umbringen hätten sie sich nicht können. Aber sie interessieren sich auch nicht so richtig füreinander. Brigitte denkt oft: „Immer hält Mutter zu Martin, nie kann ich es ihr recht machen.“ Lob oder anerkennende Worte? Fehlanzeige. Aber darüber hat sie mit Martin nie gesprochen.

Als die Mutter stirbt, sitzen die Geschwister eine ganze Weile allein an dem großen Esstisch im Haus ihrer Eltern. Die Beerdigung liegt hinter ihnen. Die Verwandten sind nach Hause gegangen. Jetzt sind sie wieder allein. Zuerst schweigen sie sich an. Dann fragt Brigitte ihren Bruder: „Bist du zufrieden, mit dem, was du im Leben erreicht hast?" – „Nein“, sagt Martin ganz spontan „Ich habe dich immer dafür bewundert, dass du deine Freiheit gehabt hast. Du hast so viel von der Welt gesehen. Dafür hatte ich nie Zeit. Ich habe viel zu früh Verantwortung übernehmen müssen. Für meine Kinder. Für den Betrieb. Für meine Frau. Und schließlich auch für unsere Eltern. Ich habe dabei immer nur das getan, was andere von mir erwartet haben. Und dabei hab ich ganz vergessen, wie sich das anfühlt zu leben. Auf dein Leben war ich immer schon neidisch.“ Und Brigitte antwortet ihm erstaunt: „Und ich war immer neidisch auf dein geordnetes Leben. Ich habe es mir oft so perfekt gewünscht. Wie gerne hätte ich mein Leben so geplant wie du. Stattdessen habe ich oft nur so in den Tag hinein geträumt und manchmal das Leben einfach nur verschlafen. Für vieles ist es jetzt zu spät.“

Jetzt endlich, endlich erzählen sich die beiden von ihren Wünschen und Träumen. Und sie entdecken auf einmal, wie vieles sie doch gemeinsam haben. Und das gibt ihnen ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit. Noch lange sitzen sie an diesem Tag zusammen, lachen und weinen (auch) miteinander. Und lernen sich neu kennen. Manchmal braucht es eben Zeit, sich zu versöhnen. Dafür ist es nie zu spät – das findet Pfarrer Sven Dreiser aus Lövenich-Erkelenz.

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