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Kirche in WDR 2 | 16.01.2017 | 05:55 Uhr

Vertrauen bewahren

Was für eine miese Tour! Dabei hatte er in der Vollversammlung nur ein paar Fragen gestellt. Er wollte keinen Ärger. Schließlich würde es ohnehin so kommen, wie der Chef das geplant hatte. Ging ja nicht um seine Arbeit. Der musste nicht plötzlich einen größeren Bereich abdecken, bloß weil überall Stellen gespart wurden.

Jedenfalls war ihm schon klar gewesen, dass er mit seinen Fragen nicht viel erreichen würde. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, jetzt auf einmal seinen Kollegen am Hals zu haben. Der Typ, der sonst kaum einen knappen Morgengruß für ihn übrig hatte, war gleich am nächsten Tag zu ihm gekommen. Mit einem Lächeln - so freundlich, dass es fast schon weh tat - hatte der gefragt: „Und? Nach deinem Auftritt gestern, wie geht’s jetzt weiter? Irgendwelche Pläne?“ Dabei wusste jeder im Betrieb, dass der Typ der anerkannte Liebling des Chefs war. Mit Sicherheit würde der jedes Wort brühwarm weitergeben!

Wie plump das alles war. Aber gleichzeitig effektiv! Jetzt wusste er genau, was der Chef von Leuten hielt, die Fragen stellten. Wahrscheinlich hatte er den Kollegen selbst geschickt. Nicht, um tatsächlich etwas ‘rauszukriegen. Sondern um genau dieses Signal zu senden: „Halt dich zurück! Du weißt, wir bauen gerade Arbeitsplätze ab.“

Und als wäre das alles nicht genug, saß er nun auch noch in der Kirche. Sein Sohn war im Konfirmandenunterricht und die Jugendlichen gestalteten heute den Gottesdienst. Da konnte er sich als Vater schlecht drücken. Meinte jedenfalls seine Frau.

Hoffentlich ging es wenigstens nicht die ganze Zeit um Nächstenliebe und so’n Zeug. So was konnte er jetzt echt nicht brauchen! Ihm war nicht nach Liebe zumute sondern nach Schreien. Es war einfach alles so sinnlos! Etwas zu erreichen, indem man sich engagierte - konnt‘ste doch vergessen! Nächstenliebe, Pustekuchen! Die da oben machten, was sie wollten. Und die unten konnten sich lieben oder es auch bleiben lassen. Kümmerte eh‘ keinen. Warum konnte der Pastor nicht dazu mal was sagen? Oder stand dazu nichts in der Bibel?

Aber dann wurde auf einmal der Psalm vorgelesen: „Ohne Grund haben sie mir ein Netz ausgelegt und mir eine Grube gegraben. Sie reden nicht, was zum Frieden dient, sondern ersinnen falsche Anklagen gegen die Stillen im Lande. Herr, du hast es gesehen - schweige nicht! Du rettest doch den Elenden vor dem, der ihm zu stark ist“ (aus Psalm 35).

Da horchte er auf. Das klang, als wäre jemand in einer ähnlich schwierigen Lage. Und hätte trotzdem sein Vertrauen bewahrt. Ein Vertrauen, das offenbar half, wenn man nicht mehr weiter wusste. Und nichts mehr tun konnte. Ein Vertrauen, das einem vermittelte: Gib die Hoffnung nicht auf! Verlier nicht den Mut! Wenn du die Lage nicht ändern kannst - vielleicht verändert Gott sie. Oder hilft dir wenigstens, mit der Situation zurecht zu kommen.

Verglichen mit dem, was ihm sonst in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen war, hörte sich das ziemlich gut an. Er war sich noch nicht sicher, ob ihm dieses Vertrauen tatsächlich helfen würde. Aber er hatte den Eindruck, als wäre es einen Versuch wert.

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