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Hörmal | 28.06.2015 | 07:45 Uhr

Vertrauen wie Kinder

Das Beste am Kindergarten war für mich das Spielen mit Bausteinen aus Holz. Ich sehe heute noch die Burgen und Türme, die da entstanden sind. Für mich damals mannshoch – und ein irres Spektakel, wenn die dann einstürzten! Anders dagegen: Schnipselbilder kleben. Das fand ich total langweilig: Buntes Papier in kleine Stückchen reißen und diese dann mit Kleister aufkleben, um so ein Bild zu gestalten. Ich weiß noch, dass ich die bunten Papierschnipsel ziemlich groß gelassen habe, um möglichst schnell damit fertig zu werden.

Egal ob mir das nun damals gefiel oder nicht was ich da im Kindergarten gemacht habe – es sollte mein Vertrauen stärken in eigene Fähigkeiten und Talente und auch das Vertrauen wecken, Neues auszuprobieren. Der Kindergarten hatte so für die Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Funktion – und das gilt bis heute.

Genau heute vor 175 Jahren wurde der erste Kindergarten Deutschlands gegründet durch Friedrich Fröbel – und auf den gehen auch diese von mir so geliebten Bausteine zurück. Fröbel ging es darum, eine kindgemäße Erziehung zu fördern: Kinder sollten nicht mehr wie kleine Erwachsene behandelt werden, sondern sich selbst entdecken und die Welt um sich herum erschließen und gestalten – und zwar spielerisch. Und als erzieherische Hilfe zur Selbstentfaltung hatte Fröbel Materialien entwickelt, unter anderem eben die hölzernen Bausteine.

Fröbel stellte die Kinder ganz in den Mittelpunkt seiner pädagogischen Überlegungen. Als evangelischer Pfarrerssohn stand er damit in guter christlicher Tradition. Denn auch Jesus hatte ja die Kinder in die Mitte gestellt, nicht bloß um zu zeigen, was in ihnen steckt, sondern viel mehr: Er wollte zeigen, was man von den Kindern gerade als Erwachsener noch lernen kann, nämlich was es heißt sich selbst zu vertrauen und anderen – letztlich Gott.

Wie stark das Vertrauen sein kann, das Kinder noch haben – oft im Unterschied zu uns Erwachsenen –, das zeigt eine kurze Geschichte, die ich gerne erzähle:

Ein Zirkus gastiert in einem Dorf. Höhepunkt des Zirkusprogramms ist ein Seiltänzer. Der kann sogar mit einer Schubkarre auf dem Seil balancieren. Am Abend der Premiere ist es endlich soweit: Der Seiltänzer balanciert mit der Schubkarre von einer Seite auf die andere. Applaus aus dem Publikum. Der Seiltänzer fragt: „Glaubt ihr, ich kann auch wieder zurück balancieren?“ „Na klar!“ rufen die Leute. Gesagt getan! Und wieder Applaus. Jetzt fragt der Seiltänzer: „Glaubt ihr, ich schaffe das auch zum dritten Mal?“ „Ja!“ schallt es ihm entgegen. „Wer ist denn dann bereit, sich von mir in der Schubkarre hinüberschieben zu lassen?“ Da wird es still im Zirkuszelt! Plötzlich ein leise Kinderstimme: „Ich, ich bin bereit!“ Ein kleiner Junge klettert hinauf, setzt sich in die Schubkarre und der Seiltänzer balanciert ihn über das Seil. Die angespannte Situation entlädt sich im tosenden Applaus. Nach der Aufführung stürzen sich gerade die Erwachsenen auf den Jungen: „Hast du denn keine Angst gehabt?“ „Wer bist du denn?“ Da antwortete der Junge: „Ich bin doch der Sohn des Seiltänzers.“

Dieser Junge hatte ein unbedingtes Vertrauen in sich und seinen Vater. Und genau das ist es doch, was geschützt und gefördert werden muss, unbedingtes Vertrauen – nicht nur im Kindergarten bei den Kleinen, sondern auch wieder bei uns Erwachsenen.

Copyright Vorschaubild: Claus Rebler CCBY-SA 2.0 flickr

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