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Kirche in WDR 5 | 19.10.2017 | 06:55 Uhr

Viel-Wissen

"Nicht das Viel-Wissen gibt der Seele Genüge und sättigt sie, sondern das Fühlen und Kosten der Dinge von innen." Unter dieser Voraussetzung lädt Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, Menschen ein, die Bibel zu lesen. Und weil der Satz so kompliziert klingt am frühen Morgen, gleich noch mal zum drauf kauen:

"Nicht das Viel-Wissen gibt der Seele Genüge und sättigt sie, sondern: das Fühlen und Kosten der Dinge von innen."

Wie kann das gehen: Einen biblischen Text von innen fühlen und kosten? Ich möchte es an einem Beispiel verdeutlichen. An einer Stelle aus dem Neuen Testament. Im zehnten Kapitel des Lukasevangeliums findet sich das berühmte Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Sie werden vermutlich abwinken: Kenne ich. Ist schnell erzählt: das Opfer des Raubüberfalls, zwei vorbeigehende Tempelangestellte, dann der Außenseiter aus Samaria, der erste Hilfe leistet, den Verletzten auf seinem Esel zur nächsten Herberge mitnimmt und Geld beim Wirt für die weitere Pflege hinterlässt.

Nimmt man den Text so gerafft wahr, wird er schnell zur banalen Erzählung, die mit dem caritativen Zaunpfahl winkt. Es wäre schade, wenn das alles wäre. Das Gleichnis ist keineswegs der lediglich geschickt verpackte Lehrsatz: Du sollst anderen helfen! Das wäre zwar nicht falsch, aber in der Tat eher banal. Gleichnisse eröffnen einen Erzählraum, in dem die Lesenden spazieren gehen können. Und bei jeder Figur oder Aussage können Sie stehen bleiben und diese auskosten.

Fangen wir mal an: Dass jeder gern der Samariter wäre, liegt auf der Hand. Der Underdog, der edle Retter. Doch das Einfühlen in biblische Texte hilft, vor sich und Gott wahrzunehmen, wer ich wirklich bin. Vielleicht bleibt jemand viel eher beim Opfer stehen: immer der Benachteiligte, immer sich nach Zuwendung sehnend. Auch die Tempelangestellten lohnen das Hingucken. Sie sind nicht nur einfach schlecht. Für ihr Vorbeigehen gibt es ja durchaus auch plausible Gründe. Sie mussten sich eventuell rein halten vom Kontakt mit Blut. Vielleicht wollten sie nach verrichtetem Wochendienst auch nur schnell nach Hause zu ihren Familien, die schon warteten. Kennen Sie die auch - die Gründe, die einen vom eigentlich gewollten Handeln abhalten? Fühle ich mich beim Samariter ein, ist er nicht nur hilfsbereit und barmherzig, sondern in gewisser Weise auch leichtsinnig: Er gibt einem Wirt, den er nicht kennt, Geld in der Hoffnung, dass der es gut verwendet. Nicht jeder will dieses Risiko eingehen. Wenn Sie all diese Motive zum Beispiel mal auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte übertragen, werden Sie merken, dass die unterschiedlichen Positionen nicht voreilig nur mit Barmherzigen Samariter-Argumenten wegzuwischen sind. Umso mehr müssen die eigenen Maßstäbe an mehr gemessen werden als an simplen caritativen Zaunpfählen.

Ja, das Auskosten des Textes von innen führt nicht zu Lehrsätzen, sondern vielleicht dazu, sich selber genauer auf die Schliche zu kommen und mit Gottes Hilfe den Erzählraum anders zu verlassen, als Sie ihn betreten haben - hoffentlich gestärkt.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Gunther Fleischer aus Köln.

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