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Choralandacht | 30.11.2013 | 7:50 Uhr

Vom Himmel hoch, da komm ich her (eg 24)

Musik I: Instrumental

Sprecher: Aufgemerkt, ihr jungen Burschen, ihr kranzgeschmückten Mädchen, aufgemerkt. Hört, was ich zu vermelden habe:

"Ich kumm auß frembden landen her und bring euch vil der newen mär,

der newen mär bring ich so vil, mer dann ich euch hie sagen will!"

Musik: Instrumental

Sprecherin: Fremder, was sagst du da? Was fällt dir ein, diesen Text von Martin Luther zu entstellen? "Vom Himmel hoch, da komm ich her!" Mir ist dieses Lied heilig. Ich kenne es von Kindes-beinen an. Also: Lass den Text gefälligst wie er ist. Und schließlich gibt es auch ein Urhe-berrecht. Wo kämen wir hin, wenn jeder beliebig mit den alten Texten spielt?

Musik: Instrumental

Sprecher: Aufgemerkt, ihr alle! Kommt zum Markt, zum Rätselraten. Denn wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Bei uns könnt ihr finden und gewinnen - wer mit euch tanzt und euch dann küsst:

"Die fremden Land, die sind so weit, darin wächst uns gut Sommerzeit,

drin wachsen Blümlein rot und weiß , die brechen Jungfraun mit ganzem Fleiß"

Musik: Instrumental

Sprecherin: Raten? Tanzen? Küssen? Was hat das mit diesem Lied zu tun?

Und gar mit der Weihnachtszeit?

Autor: Vielleicht denken auch Sie jetzt, liebe Hörerin und lieber Hörer, dass es ungehörig ist, was der Marktschreier da aus unserem beliebtesten Weihnachtslied macht. Aber genau umge-kehrt ist es richtig. Martin Luther hatte "Ich kumm aus frembden Landen her" auf den Marktplätzen gehört. Es war seinerzeit ein unter jungen Leuten äußerst beliebtes Rätsel- und Kranzsinglied; ein Lied, um sich einander nähern zu können, spielerisch und leicht.

Luther verstand es, wie kein anderer Theologe, "dem Volk aufs Maul zu schauen". Und er macht etwas, womit er sich heute einen Prozess mit der GEMA einhandeln würde: Luther eignet sich die populäre Melodie an und er verändert, gerade in der ersten Strophe, nur ein paar wenige Worte. Nun ist es nicht mehr der fahrende Sänger, der erscheint, sondern der Engel Gottes. Und der kommt auch nicht aus frembden Landen her, sondern vom Himmel hoch. Mit minimalen Eingriffen verwandelt Martin Luther ein musikalisches Volksspiel in ein gesungenes Weihnachtsspiel.

Musik: Büro-Archiv 002, Track 10 (Strophe 1)

1. »Vom Himmel hoch da komm ich her,

ich bring euch gute neue Mär;

der guten Mär bring ich so viel,

davon ich singn und sagen will.

Autor: Dieses Vorgehen Luthers war kein Zufall. Es war Teil eines großen Konzeptes. Denn Lu-ther hatte längst erkannt, dass es seine Lieder waren, die maßgeblich dazu beitrugen, das im ganzen Land zu verbreiten, was er in seiner Predigt zu sagen hatte. Von Mund zu Mund wurden seine Lieder weitergegeben, nicht nur in den Kirchen, sondern auch auf den Marktplätzen. So erreichten sie auch all jene Menschen, die noch längst nicht lesen und schreiben konnten. In seiner Vorrede zum Wittenberger Gesangbuch von 1524 gibt Luther einen Einblick in seinen Plan. Als eine Begründung für sein Arbeiten an und mit Liedern schreibt er:

Sprecher: "Dass die Jugend, die ohnehin soll und muss in der Musik und in anderen rechten Künsten erzogen werden, etwas hätte, damit sie die Buhllieder und fleischlichen Gesänge los würde und statt dessen etwas Heilsames lernte und so das Gute mit Lust, wie es den Jungen gebührt, einginge."

Autor: Um die Jugend und junge Familien für den Glauben zu begeistern, um ihnen echte Alter-nativen zu den Liebesliedern und vor allem den derben Trinkliedern des Mittelalters bieten zu können, bedient sich Luther der populären Musik seiner Zeit. Darin erkenne ich manche Parallele zur Geistlichen Pop- und Rockmusik unserer Gegenwart. Die Kirchenmusik kann so viel bewirken, in allen Epochen, in ganz unterschiedlichen Formen. Sie kann der guten Nachricht, der Botschaft vom Kommen Jesu und dem Anbruch des Gottesreiches immer wieder neue Töne geben - und damit Menschen ansprechen und aufmerksam machen.

Sprecherin: "Vom Himmel hoch, da komm ich her" ist aber nicht nur ein Lied. Es ist ein komplettes Krippenspiel für die Großfamilie von damals. Heute wird es in vielen Fällen nötig sein, ein paar Freunde oder auch eine ganze Gemeinde zu mobilisieren, um es aufzuführen. Denn bereits in Strophe 2 erfährt der Engel Gottes Verstärkung durch die Menge der himmli-schen Heerscharen "Euch ist ein Kindlein heut geborn". Und in Strophe 3 antworten die Menschen, die diese Botschaft hören, mit einem ersten Bekenntnis: "Es ist der Herr Christ, unser Gott".

Musik II: Büro-Archiv 002, Track 10 (Strophe 2 und 3)

2. Euch ist ein Kindlein heut geborn

von einer Jungfrau auserkorn,

ein Kindelein so zart und fein,

das soll eu’r Freud und Wonne sein.

3. Es ist der Herr Christ, unser Gott,

der will euch führn aus aller Not,

er will eu’r Heiland selber sein,

von allen Sünden machen rein.

Autor: Sein bekanntestes, volkstümlichstes und vielleicht auch beliebtestes Lied schrieb Martin Luther wahrscheinlich zum Weihnachtsfest 1534 für die eigene Familie zum häuslichen Gebrauch. Dass er auch die Kinder im Blick hat, lässt sich in einigen Strophen leicht er-kennen. In ihnen spielt Luther mit der Sprachenwelt des 16. Jahrhunderts, die den Kindern zugedacht war. Da ist die Rede vom Kindelein, vom Windelein und vom Krippelein. Und selbst das unbekümmerte Einschlafen eines Kindes hat Luther im Blick, wenn er in Strophe 14 mit dem "rechten Susaninne" aus einem Wiegenlied zitiert.

Musik III: Instrumental (Orgel)

Sprecherin (overvoice): 7. Merk auf mein Herz, und sieh dorthin; was liegt doch in dem Krippelein? Wes ist das schöne Kindelein? Es ist das liebe Jesulein.

11. Der Sammet und die Seiden dein, das ist grob Heu und Windelein,

darauf du König groß und reich herprangst, als wär's dein Himmelreich.

13. Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanft Bettelein,

zu ruhn in meines Herzens Schrein, dass ich nimmer vergesse dein.

14. Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei,

das rechte Susaninne schön, mit Herzenslust den süßen Ton.

Autor: Auf das Raten, das Tanzen und das Küssen des Originals hat Luther verzichtet, als er dem ursprünglichen Rätsel- und Kranzlied neue Worte gab. Nicht aber auf die große Freude, die im Lied angelegt ist und von ihm ausgeht. Die wird allem Volk widerfahren. Es hört und begreift voller Staunen, dass der Heiland geboren ist. Wunderbar, wenn das Menschen so fröhlich machen kann, dass sie springen und mit Herzenslust davon singen. Dazu segne Sie Gott in diesen Advents- und Weihnachtstagen des Jahres 2013.

Musik IV: Instrumental (Blechbläser)

Musikinformationen:

Musik I.

CD:Es ist ein Ros entsprungen, Track 9

Musik-Titel:Vom Himmel hoch, da komm ich her

Interpret/Chor:Albert Behrends (Orgel)

Komponist:Georg Weissel

Verlag/Label:edition Chrismon, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH

Musik II.

CD:Es ist ein Ros entsprungen, Track 10

Musik-Titel:Vom Himmel hoch, da komm ich her

Interpret/Chor:Wilhelmshavener Vokalensemble

Leitung:Ralf Popken

Komponist:Georg Weissel

Text:Martin Luther

Verlag/Label:edition Chrismon, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH

Musik III.

CD:Singt, singt dem Herrn neue Lieder. Orgelbegleitsätze, Track 21

Musik-Titel:Vom Himmel hoch, da komm ich her

Komponist:Georg Weissel

Verlag/Label:Metrix Media GmbH, Halle

Musik IV.

CD: Ein Weihnachtskonzert / Herbert von Karajan, Track 14

Musik-Titel:Vom Himmel hoch, da komm ich her

Interpret/Chor:Blechbläser-Ensemble der Berliner Philharmoniker

Komponist:Eccard, Johannes

LC-Nr.:00173-Deutsche Grammophon

Verlag/Label:WDR Eigenproduktion

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