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katholisch

Kirche in WDR 5 | 06.10.2014 | 06:55 Uhr

Vom Neubeginn

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

Vor kurzem sprach ich mit einer Lehrerin, die in einem Gymnasium arbeitet.

An dieser Schule ist es üblich, dass Schülerinnen und Schüler nach dem Abitur

ihren Lehrern kleine Briefe schreiben. Diese Briefe stecken sie in Umschläge am Schwarzen Brett in der Pausenhalle. Jeder Lehrer, jede Lehrerin hat einen eigenen Umschlag. Auf diese Weise können die jungen Leute den Unterricht im Nachhinein kommentieren, sich persönlich bedanken, irgendetwas Nettes oder auch nicht Nettes schreiben.

Im Umschlag meiner Bekannten steckte in diesem Jahr ein Zettel, der sie stutzig machte. Darin ging eine Schülerin auf ein Gedicht von Hesse ein, das die Lehrerin ihrem Abiturkurs zum Abschied geschenkt hatte. Die letzten Verse lauteten: Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde. Diese Verse fand die Schülerin völlig unpassend. Abschied nehmen war ja wohl angesagt, aber gesunden?

Wovon denn?

In seinem Gedicht „Stufen“ nimmt der Schriftsteller Hermann Hesse auf jene Abschiede Bezug, die einen Neubeginn ermöglichen: Abschiede auf der Schwelle von Zaungrenze und offenem Neuland, von gewohntem Alltagstrott und frischem Wind, von festgelegten Rollen und Weiterentwicklung.

Riskiere dich!, ruft der Dichter mit seinem Gedicht, bleib nicht in bequemen Gewohnheiten stecken! Schon gar nicht in Vorurteilen oder Unterforderungen!

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Vielleicht war die vergangene Nacht für Sie lang, verehrte Hörerinnen und Hörer. Deshalb lang, weil Sie nicht besonders gut geschlafen haben. Und weil in der Nacht die Gespenster des Grübelns und der Sorgen leichtes Spiel haben zu verwirren und zu beunruhigen.

Gut, dass nun Morgen ist und der Spuk blasser wird.

Gut, dass jedes Ende einer Nacht Neubeginn ermöglicht, auch wenn die Schatten noch klebrig sind.

Neubeginn, der manche Situation klarer sehen lässt und Chance zum Wandel mit sich bringt. Vielleicht gibt es heute völlig unerwartete Begegnungen, überraschend neue Ideen, Erlösung von alten Gedankenmustern.

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Den Wechsel von Altem und Neuem, von „Stirb und Werde“ findet sich überall in der Schöpfung, findet sich in allem, was lebt: Es gibt den Winterschlaf und die Krokusse, die Larve und den Schmetterling, Tod und Geburt immer neuer Sterne aus immer gleichem Sternenstaub. Ja, das sind unfassbare Abschiede, die unfassbare Neubeginne ermöglichen.

Davon handelt auch die Bibel im Alten und Neuen Testament. Immer wieder lädt der lebendige Schöpfergott darin zu Neubeginn und Wandel ein. Dynamisch und kreativ. Auch wenn eine Situation noch so ausweglos erscheint. Auch wenn ein Mensch denkt, sich niemals ändern zu können.

In Bildern und Gleichnissen wird berichtet, dass Gott unermüdlich jedem Menschen seinen Beistand und seine Hilfe anbietet. Oft ganz anders, als es der Mensch erwartet hat.

Lebendiger Gott, ich will heute im Vertrauen auf Deine Gegenwart Neuland und Weiterentwicklung wagen.

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Einen guten Tag wünscht Ihnen Petra Fietzek aus Coesfeld

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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