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Kirche in WDR 3 | 12.12.2017 | 07:50 Uhr

Vom Umkehren

Guten Morgen!

In meinem Bücherregal stehen eine Reihe Notizbücher. Dahinein habe ich im Laufe der Jahre Gedanken geschrieben, die ich gelesen oder gehört habe und die ich für mich als wichtig empfand. In einem dieser Notizbücher befindet sich ein eingeklebter Zettel. Er ist vergilbt, hat karierte Linien und wurde aus einem Taschenkalender gerissen.

Diesen Zettel hat mir ein Mann in einer Kneipe in Berlin geschenkt. Wir beide saßen mit vielen anderen an einem Holztisch und waren ins Gespräch gekommen. Der Mann erzählte aus seinem Leben. Er erzählte, dass er sich immer mehr verstrickt hatte in ein Knäuel aus Überarbeitung, Schulden und Alkohol. So sehr, dass er seinen Job verlor, seine Lebensgefährtin, sein Zuhause. Er landete in der Obdachlosigkeit. Jahrelang lebte er auf der Straße. Er sagte, dass sein Leben damals völlig dunkel war. Ja, dass er in sich selbst völlig dunkel war.

Bis zu dem Morgen, an dem ihm der Geigenspieler einfiel. Der wohnte vor 40 Jahren oben in seinem Elternhaus und kam regelmäßig zum Mittagessen. Dieser Geigenspieler lud ihn damals als Jungen an manchen Nachmittagen zu sich ein. Dann hatte der Mann für den Jungen den Tisch gedeckt, winzige Kuchen besorgt, Traubensaft in grüne Gläser gefüllt und die beiden unterhielten sich. Am Schönsten war es, dass der Geigenspieler mit dem Jungen Lieder sang. Am Allerschönsten war es aber, dass er den Jungen lobte. „Du singst wunderbar“, sagte der Musiker oder „Deine Stimme ist ganz besonders.“

Der Geigenspieler erzählte dem Jungen von Gott. Der Musiker war sich sicher, dass Gott ihm das Talent zum Geigenspielen gegeben hatte. Und es war für ihn fraglos, dass Gott durch ihn in die Welt hineinklingen wollte. Genauso fest glaubte der Mann, dass er von Gott Kraft für sein nicht leichtes Leben erhielt. Jeden Tag neu.

Immer, wenn der Junge die Treppen zur Wohnung seiner Eltern herunterrannte, fühlte er sich glücklich. Er fühlte sich - so wie er war - geschätzt, lebendig und geborgen.

Dieser Geigenspieler fiel dem Obdachlosen plötzlich wieder ein. Ja, es war ihm, als hocke er mit seiner Geige neben seinem Schlafsack. So beschloss der Mann, mit einem Sozialarbeiter ein Gespräch zu führen. Er fühlte wieder Kraft in sich, seine Situation verändern zu können. Wollte sich seinem Leben wieder stellen. Wollte nach diesem Gott auf die Suche gehen, der dem Geigenspieler und ihm damals so viel bedeutet hatte.

In der Kneipe riss der Mann ein Blatt aus seinem Taschenkalender und reichte es mir. „Den Text kenne ich auswendig“, sagte er lächelnd, „habe ihn aus einem Gebetbuch abgeschrieben. Ist fast 2000 Jahre alt. Von Augustinus. Der hat auch nach Gott gesucht.“

Diesen Text möchte ich Ihnen heute in der Adventszeit mit auf den Weg geben:

Gott, du Licht meines Herzens!

Ich habe mich ins Irdische verloren

und bin mir selbst zur Dunkelheit geworden.

Ich geriet in die Irre

und habe mich deiner erinnert.

Und nun – hier bin ich!

Aus Coesfeld grüßt Sie Petra Fietzek

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