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Kirche in WDR 3 | 03.11.2016 | 07:50 Uhr

Von der Gleichheit vor Gott

Guten Morgen!

In meiner Studienzeit jobbte ich in den Ferien oft in einem Aachener Museum. In diesem Museum gibt es eine Sammlung von Bildern und Skulpturen aus dem Mittelalter.

Eines Tages nahm mich der damalige Museumsleiter mit in einen Archivraum. Dieser Raum war dunkel und voller Holzfiguren. Der Direktor schlug vor, dass ich die Augen schließen und einzelne Figuren abtaste. Ich befühlte hartes Holz und weiches Holz, Wurmstiche und schüsselförmige Gewandfalten. Ich befühlte geschnitzte Nasen und Augen, Haare und Ohren. Offene Münder, geschlossene Lippen. Noch nie hatte ich so intensiv alte Holzfiguren wahrgenommen.

Ich erinnere mich besonders an eine Frauengestalt, die ein Kind auf dem Arm hielt. Ihr Körper war S-förmig geschwungen und sie trug eine Krone auf dem Kopf. Wie Wasserfälle wirkte der Stoff ihres weiten Gewandes zur rechten und zur linken Seite. Zu meiner Überraschung ertastete ich in diesen Gewandfalten kleine Menschenfiguren. Sie waren gleich groß und übereinander gestellt.

Nach einer Weile öffnete ich die Augen und der Museumsleiter erklärte mir Herkunft, Entstehungszeit und Bedeutung einzelner Kunstwerke.

So auch diese „Schutzmantelmadonna“ aus dem 15. Jahrhundert vom Bodensee. Ihr ausgebreiteter Mantel galt als ein Zeichen dafür, dass hilfesuchende Menschen bei der Gottesmutter Geborgenheit und Schutz finden konnten.

Egal, aus welchem beruflichem Stand die Menschen kamen.

Egal, ob sie arm oder reich waren.

Päpste, Kaiser, Kaufleute, wohlhabende Frauen bargen sich neben Tagelöhnern, Bettlerinnen und Pilgern als kleine Menschenfiguren unter dem Mantel solcher Marienfiguren.

Manchmal fällt mir heute noch die Schutzmantelmadonna im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen ein. Zum Beispiel, wenn ich viele Gesichter in Fußgängerzonen sehe. Ich denke dann, wie unterschiedlich Menschen sind und aussehen. Und denke, dass Gott uns sicherlich ganz anders wahrnimmt, als wir uns sehen: völlig unabhängig von äußeren Statussymbolen oder Karriereleitern. Ohne Rollenspiele und Imponiergehabe, frei vom täglichen Vergleichen und Messen. Von Innen her, egal, ob wir Arbeitslose oder Top-Manager sind.

Das wollten die Schutzmantelmadonnen als Botschafterinnen Gottes den Betrachtern damals zeigen. Und nicht nur das: Immer war der Blick einer Mantelmadonna in den Kirchen auf die vor dem Altar Versammelten gerichtet. Freundlich und lächelnd. Wie eine Einladung: Natürlich kannst auch du dazu gehören. Natürlich gewähre ich auch dir meinen Schutz, wenn du es möchtest.

Dieser andere Blick Gottes von Innen her sucht unser Herz.

Das Herz, das oftmals so verstockt und verschlossen ist.

Um dieses Herz geht es.

Nur das interessiert Gott und davon wird häufig in der Bibel berichtet.

Merkt und versteht ihr immer noch nicht?, fragt Jesus seine Jünger. Ist denn euer Herz verhärtet?

Wenn das Herz nicht verstockt und verhärtet ist, dann können wir lieben.

Darauf kommt es Gott an.

Nur darauf.

Es grüßt Sie Petra Fietzek aus Coesfeld

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