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Kirche in WDR 2 | 24.05.2016 | 05:55 Uhr

Von guten Mächten

Erwürgt. Er hat ihn erwürgt. Wegen Spielschulden. Es ging durch die Presse. Anfang Mai erwürgte ein 18-jähriger Gefangener im Wuppertaler Jugendgefängnis einen 20-jährigen Mitgefangenen. Im sogenannten Umschluss. So heißt die Zeit, die sich Gefangene zueinander schließen lassen können. Freiwillig - versteht sich. Und nach Prüfung auf Verträglichkeit. Eine wichtige Zeit, wenn man sonst allein auf der Zelle ist. Und dann erwürgt, der eine den anderen.

Nicht, dass da einer etwas falsch gemacht hätte. Da hat kein Beamter etwas übersehen oder etwa nicht so genau hingeguckt. Ich bin evangelischer Seelsorger in der JVA und meine, da ist niemandem ein Vorwurf zu machen, das konnte keiner ahnen, noch nicht einmal befürchten.

Am Sonntag nach der Tat sind wir zusammen gekommen, um Gottesdienst zu feiern. Wie jeden Sonntag. Jugendliche Gefangene. Cool, erschüttert, gleichgültig, traurig. Einer fragt: Wird´s jetzt strenger? Und: Wo ist denn da Jesus gewesen, von dem wir sagen er sei bei uns „alle Tage bis an das Ende der Welt“. „Vielleicht hier“, sagt einer. Und zeigt auf sein Herz.

Wo ist er in Idomeni? Am Grenzzaun, an dem Flüchtlinge im Dreck verzweifeln und Um ihr Leben bangen? Wo, bei denen, die ersticken oder ertrinken auf der Flucht? Wo hier, bei denen, die immer noch behaupten, wir könnten nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen? Als Christ glaube ich an einen solidarischen Gott. An den, der nicht vom Kreuz herabsteigt und den Römern mal zeigt, wo der Hammer hängt. An den, der mitleidet, mitflieht, mitstirbt. Und aufersteht von den Toten. Als Erster.

In der JVA in Wuppertal entzündet fast jeder im Gottesdienst eine Kerze. Stille. Ein junger Gefangener fragt: „Können wir nicht „Von guten Mächten“ singen“? Wir können. Dieses Lied, das der Theologe Dietrich Bonhoeffer im Nazigefängnis, kurz vor seinem Tod schrieb. Hoffnung und Zuversicht wider allen äußeren Anschein. „Können wir nicht „Von guten Mächten“ singen“?

„Von guten Mächten still und treu umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Von guten Mächten wunderbar borgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ich verstehe das ganze Elend, die ganze Gewalt dennoch nicht. Zuversichtlich bleiben. Und Zuversicht entdecken. Darum geht es. In Liederwünschen zum Beispiel. Von guten Mächten wunderbar geborgen. Genau.

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