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Kirche in WDR 3 | 09.04.2014 | 07:50 Uhr

Von Mutlosigkeit befreien

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

mitten in der Stadt kommt ein Mann auf mich zu und bittet um etwas Kleingeld. Er sieht ziemlich herunter gekommen aus, stützt sich auf eine Gehhilfe, und obwohl es ziemlich kalt ist, hat er nur eine dünne Jacke an. In meiner Manteltasche finde ich keine Münzen, nur einen Fünf-Euro-Schein. Den gebe ich ihm. „Wow“, sagt der Mann, „jetzt haben Sie mich gerettet. Ich kann jetzt für heute Nacht meine Unterkunft bezahlen.“

Männer und auch Frauen, die wie dieser Mann obdachlos sind, gibt es hier in Dortmund mindestens 300. Warum leben die so?

Ich frage meinen Kollegen, der sich zusammen mit anderen in dem Projekt „Gasthaus“ um Obdachlose kümmert. Ich frage ihn, warum Männer und Frauen in diese Lage geraten: kein Dach über dem Kopf, täglich nur ein Minimum an Versorgung und das hohe Risiko, schwer krank zu werden. Da erzählt er mir von Karl, einem etwa 50 Jahre alten Obdachlosen.

Karl war lange Jahre als Angestellter in einer Firma tätig. Weil die Firma Personal einsparen musste, verlor er seinen Arbeitsplatz, und trotz langer Suche fand er keinen neuen. Es kam zu Zerwürfnissen in seiner Familie, seine Söhne verachteten ihn, seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Mit dieser Situation wurde er nicht fertig. Immer mehr verlor er die Kontrolle über sein Leben. Er geriet in schlechte Gesellschaft, wurde abhängig vom Alkohol, ja, und dann landete er dort, wo er jetzt lebt, auf der Straße.

Ich frage, wie man Karl und all den anderen helfen kann. Die Antwort meines Kollegen: Das ist schwierig. Es gibt Projekte der Kirchen, aber die Erfolge sind begrenzt. Dafür gibt es verschiedene Begründungen. Wohl die wichtigste: Menschen mit solch einem Schicksal wie Karl haben oft den Mut verloren. Ihr Selbstwertgefühl ist zutiefst verletzt. Sie spüren, dass sie ganz unten sind und von denen da oben verachtet werden. So ist es dann auch kein Wunder, wenn sie sich selbst verachten.

Wer also Karl und auch den vielen anderen helfen will, muss versuchen, sie aus ihrer Mutlosigkeit heraus zu holen und sie zu befreien von dem Gefühl, wertlos zu sein.

Das ist natürlich schwer, denn die Rangordnung in unserer Gesellschaft, so scheint es, wird nun mal von den Erfolgreichen bestimmt. Wer etwas leistet und Erfolg hat, wird belohnt und genießt Ansehen. Wer Schwäche zeigt und Fehler macht, mit dem geht es bergab. Und allzu leicht wird dann gesagt: An ihrem Schicksal sind diese Menschen da unten selber Schuld.

Mein Kollege und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehen das anders. Sie reden nicht von Schuld, sondern von Respekt und Würde. So laden sie zum Beispiel täglich zu einem kostenlosen Frühstück ein und achten dann sehr darauf, dass die Obdachlosen nicht als Bettler behandelt werden, sondern als willkommene Gäste. So etwas tut gut und baut auf.

Der Seelsorger erzählt dann auch, dass einer seiner Schützlinge einmal gesagt hat: „Bei dir merkt man, dass du von der Kirche kommst.“ „Warum?“ „Weil du mich ernst nimmst.“ Mein Kollege hat ihm dann erklärt, warum er sich für ihn interessiert und ihm helfen will, nämlich weil jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, und alle Geschöpfe Gottes sind nun mal einzigartig und wertvoll. Daran ändert sich auch nichts, wenn jemand versagt hat, wenn er Fehler gemacht hat und von anderen verachtet wird.

So sieht es ja auch Jesus. Er sagt, dass ihn die da oben weniger interessieren als die da unten. Er sagt es so: „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“

Ihr Pfarrer Wolfgang Dembski aus Dortmund.

Bildrechte (copyright): Andreas Kollmorgen CC BY SA 2.0 (flickr)

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