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Sonntagskirche | 04.05.2014 | 08:55 Uhr

Von Schafen und Hirten

Kristin war empört. „Das gibt’s nur in der Kirche!“ – sagte die junge Frau. „Was gibt’s nur in der Kirche“, fragte ich zurück. „Schafe“, war ihre Antwort. Im Geiste sah ich schon einen Kirchenraum voller blökender Schafe vor mir, mit viel Dreck und Gestank. „Wie, was?“ fragte ich. „Freilaufende Schafe in der Kirche? Wo gibt’s denn die?“

„Quatsch, darum geht’s doch gar nicht“, antwortete Kristin. „Schaf wirst du nur in der Kirche genannt. Nirgendwo sonst. Wirst für blöd gehalten, darfst ein bisschen meckern und sollst sonst mitlaufen, immer dem Herdentrieb nach. Das ist doch von vorgestern!“ Kristin war seit knapp einem Jahr Mitglied im Gospelchor ihrer Gemeinde und hoch engagiert.

„Mit welchen Tieren würdest Du denn lieber verglichen?“ fragte ich zurück. „Jedenfalls nicht mit doofen, blökenden Schafen.“ „Womit denn?“ „Naja, Adler wären doch was, majestätisch und frei. Oder Löwen. Selbstbestimmt und stark. Meinetwegen auch Katzen. Die haben wenigstens Orientierungssinn. Aber so ein Durchschnittsschaf verirrt sich - ohne Herde - doch sieben Mal am Tag! Und damit wirst du in der Kirche verglichen.“ Sie hatte sich in Rage geredet.

„Wo’s Schafe gibt, das gibt’s auch Hirten“, sagte sie. „Aber guck dir die Hirten doch mal an: Die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen für das Fleisch. Für die Schafe aber interessiert sich niemand.“

Wow! Harter Tobak, was Kristin da sagte, liebe Hörerin und lieber Hörer. Aber trifft sie nicht den Stallgeruch unserer Zeit? Zu viele bringen ihr Schäfchen ins Trockene. Leider auch in der Kirche. „Wirst für blöd gehalten, darfst ein bisschen meckern, aber sonst mitlaufen“! Schlimm, wenn’s so ist.

In der Kirche darf keiner für doof verkauft werden. Ein freier Christenmensch beugt sich vor keinem anderen Menschen und muss es auch nicht müssen. Er beugt sich nur vor Gott. Darum darf es in der Kirche kein Oben und Unten, kein Wichtig oder Unwichtig geben. Alle gehören zu Christus, ohne Unterschied.

Und doch vergleicht Jesus seine Gemeinde mit Schafen. Warum? Weil er seine Pappenheimer kennt. Ja, wie Zugvögel, Wildgänse oder Kraniche wollten Menschen gerne sein. Oder wie Adler, Löwen, Katzen. Selbstbestimmte Wesen, die sich überall in der Welt zurechtfinden.

Jesus aber vergleicht uns mit Schafen. Weil er auch die andere Seite kennt. Dass das Leben rätselhaft werden kann, undurchschaubar, und wir Menschen orientierungslos. Dass da plötzlich kein Halt ist, dass die Liebe schweigt und der Schmerz zunimmt... Dass der Boden nachgibt und ein Mensch ins Leere greift. Dass wir uns selbst verlieren können. Schafe haben nichts dagegen, sich finden zu lassen.

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, sagt Christus. Ihm geht es nicht um Fleisch oder Wolle, sondern wirklich um die Schafe, um jedes einzelne. Als es drauf ankam, ließ dieser Hirte sogar sein Leben für die Schafe.

Heute ist der Sonntag des guten Hirten. Es gibt einen, der mein Leben behütet. Wenn es sich garstig anfühlt und elend. Wenn eine Lebensdürre mich abschneidet von der Quelle. Wenn ich mir einsam und verloren vorkomme. Der Hüter des Lebens schläft und schlummert nicht.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen. Ihr Pfarrer Alfred Buß aus Unna.

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