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Kirche in WDR 3 | 13.03.2015 | 07:50 Uhr

„vor den Augen meiner Feinde“

Guten Morgen !

Meine Eltern haben1942 geheiratet also mitten im zweiten Weltkrieg. Hochzeit mitten im Krieg - geht das zusammen? Passt das überhaupt? Es gibt viele schöne Fotos von dieser Hochzeit. Man merkt es so gut wie gar nicht, dass es eine Kriegshochzeit war. Die Menschen der großen Hochzeitsgesellschaft sind alle heiter und entspannt. Die Stimmung ist fröhlich und durchaus hochzeitlich. Die Gäste sind gut gekleidet und die Braut selbst wird bewundert wie es auf einer Hochzeit sein muss. Einige unter den Männern, auch der Bräutigam tragen stolz ihre Wehrmachtsuniformen wie einen Festanzug. Das mag heutzutage etwas befremdlich wirken. Doch würde man der ganzen Fotosammlung einen Titel geben, so könnte man es mit Worten tun, die ich im Psalm 23 finde: „Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“.

Wie war das möglich? Konnte man die Kriegsstimmung aus der Festtagsstimmung ausblenden? War es ein trotziger Tanz auf dem Vulkan? Die Generation meiner Eltern hat darüber so gut wie nie gesprochen. So bleibt es alles Spekulation, auch hinsichtlich dieser schönen Hochzeitsfotos meiner Eltern, die uns in der Kindheit immer wieder verzaubert haben.

Der biblische Beter würde einen Tanz auf dem Vulkan allerdings nicht als Ausdruck des Glaubens gelten lassen. Kopf in den Sand stecken auch nicht. Und der Wirklichkeit zu trotzen auch nicht. Der biblische Beter ist Realist. Feindschaften werden da ebenso wenig schöngeredet wie Bedrängnisse im alltäglichen Leben. Er macht sich da nichts vor. Er möchte sein Vertrauen nah am wirklichen Leben finden. Es soll sich gerade da bewähren.

Der biblische Beter sagt sich: “Mag die Gefahr noch so groß sein. Ich werde mich darin nicht verlieren“. Weder Feindschaften noch Katastrophen können mich über-fluten, solange ich betend „Du“ sagen kann. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl. Du füllst mir reichlich den Becher. Will sagen: Solange ich beten kann, ist mir zumute wie einem geladenen Gast, für den alles getan wird, was er selbst braucht, mag das Leben noch so feindselig sein.

In dieser Haltung haben jüdische Häftlinge angesichts der Gaskammern im Konzentrationslager ein ganzes Orchester zustande gebracht um einer Hoffnung willen, wie sie nur in Musik zum Ausdruck kommen kann, wenn alles andere versagt.

In dieser Haltung haben sie dort Kindern, die für den Tod bestimmt waren, Mathematik und Algebra beigebracht, Englisch und Französisch, als ginge das Leben morgen und übermorgen weiter. „Es hat ihnen nichts genützt“, könnte man sagen. Müsste man sagen, wenn sie dort aufgehört hätten „Du“ zu sagen. Es ist die Haltung wie sie im Psalm 23 zu Worte kommt: „Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.

Alles hängt wohl davon ab, wie stark das Leben ist, das ich in mir spüre, wie sehr ich spüre, dass das Leben ein „Du“ ist und auch „Du“ zu mir sagt, dass es ein anderer ist als ich. Und es ist mehr als alles, was mir widerfährt, mag es noch so feindlich und bedrängend sein.

Dass es für Sie mehr alles gibt, was Sie heute in Bedrängnis bringen könnte, das wünscht Ihnen Friedhelm Mensebach, Pfarrer aus Köln.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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