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Kirche in WDR 5 | 06.06.2016 | 06:55 Uhr

Vorteil Handicap - Zum Tag der Sehbehinderten

Ich bin im Vorteil. Ich habe ein Handicap. Kein großes. Aber doch eins, das mich einschränkt. Das klingt verrückt? Eine Einschränkung bringt doch Nachteile. Darüber macht man sich nicht lustig. Selbstverständlich nicht. Worauf ich hinaus will: Seit ich nicht mehr alles auf Anhieb sehen kann, was ich sehen möchte, ist meine Wahrnehmung ganz anders geschärft. Manches übersehe ich, Anderes fällt mir umso mehr auf. Hindernisse zum Beispiel. Und auf die kann ich hinweisen. Ich habe durch mein Handicap einen Satz aus der Bibel, den ich eigentlich schon seit Jahrzehnten kenne, ganz neu entdeckt und verstanden: „Du sollst vor den Blinden kein Hindernis legen!“ (3. Mose 19 Vers 14)

Aber von vorne: Jedes Mal wenn ich auf dem Radweg neben der B9 in Bonn zur Innenstadt fahre und erst recht, wenn ich abends oder im Regen zurückkomme, sage ich mir das jetzt unzählige Male: „Du sollst vor den Blinden kein Hindernis legen!“ Denn an dieser Strecke lebt man gefährlich, vor allem, wenn man nicht sehr gut sieht. Denn: Der Fußweg und auch unzählige Autoeinfahrten der vielen Büros und Privathäuser sind durch Trenn-Pfosten vom Fahrradweg abgegrenzt. Sie laden – meist schön unauffällig, grau wie die Platten der Wege und ohne Reflektoren - zum Zusammenstoß ein.

Die Zahl der Unfälle hält sich nur deshalb in Grenzen, weil hier wenige Leute mit dem Rad herfahren. Wer, wie ich mit meinen schlechten Augen, genau hinsehen muss, der entdeckt auf Schritt und Tritt Stolperstellen und kann dagegen etwas unternehmen.

Ich muss zugeben: Ich bin da noch sehr am Anfang. Überschätze ich mich, rassele ich vor so einen Pfosten, dann schimpfe mit dem unbekannten Verursacher, der ja gar nicht da ist: „Du sollst vor den Blinden kein Hindernis legen!“ Aber schimpfen in den luftleeren Raum hinein reicht natürlich nicht. Es sollten ja diejenigen hören, die die Pfosten aufstellen und damit andere gefährden.

Seit ich mein Handicap habe, habe ich noch mehr Hochachtung vor schwer sehbehinderten oder blinden Menschen. Es beeindruckt mich, wie sie ihren Weg suchen und finden. Ich bewundere ihre Sorgfalt und Geduld. Ich zittere manchmal auch um sie: Hoffentlich hat da niemand ein trügerisches Hindernis für sie hinterlassen, das sie nicht erahnen oder das ihr Stock nicht ertastet. Ich spüre ihr Stolpern schon in meinem Bauch. Aber Gehandicapte wollen kein Mitleid. Sondern eine faire Chance. Oder eine angemessene Hilfe, die die Selbständigkeit bewahrt. Also nicht den ungefragten Ruck am Ärmel, begleitet vom Ausruf: „Vorsicht!“, sondern das selbstverständliche, offene Angebot: „Darf ich Ihnen helfen?“ Und natürlich, dass man darüber nachdenkt, ob man nicht grad dabei ist, ihnen ein Hindernis in den Weg zu legen.

Wie gesagt; Ich bin da noch sehr am Anfang, für mich selbst und im Blick auf andere: Stolperstellen auf dem Weg entdecken und benennen, die uns zu Fall bringen könnten. Alle die gut sehen können, erinnere ich heute, am Tag der Sehbehinderten, daran: Du sollst kein Hindernis vor den Blinden legen.

Und wer ein Handicap hat: Machen Sie was daraus. Vielleicht gelingt es heute!

Einen guten Morgen wünscht Ihnen Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.

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