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Choralandacht | 12.11.2016 | 07:50 Uhr

Wach auf, wach auf, ddu deutsches Land

Autor: Ohne ausreichenden Schlaf läuft gar nichts. In Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ begeht die Hauptperson Selbstmord, indem sie sich einen totalen Schlafentzug verordnet.

Musik: Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort.

Autor: Schlaflosigkeit ist ein ernst zu nehmendes Problem. Zwei Haken aber hat die Sache. Wenn wir schlafen, können wir nicht wachsam sein. So gesehen, stellt sich Schlafen als Risiko dar.

Der zweite Haken. Der Schlaf kann ein Fluchtort sein. Wem Depressionen vertraut sind, kennt das Phänomen. Da bietet sich der Schlaf als hilfreicher Schutz vor den Angängen dieser Welt an. Allerdings: wenn wir uns zu verlieren drohen, sind Weckrufe angesagt.

Musik: Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen. Bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen. Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut sein höchstes Pfand, drum magst du wohl aufwachen.

Sprecherin:

Wach auf, wach auf, du deutsches Land!

Du hast genug geschlafen.

Bedenk, was Gott an dich gewandt,

wozu er dich erschaffen.

Bedenk, was Gott dir hat gesandt

und dir vertraut sein höchstes Pfand,

drum magst du wohl aufwachen.

Autor: Es gibt Weckrufe und Weckrufe. Die SA-Hymne „Deutschland, erwache“ war auch so ein Weckruf. Wecken für den Wahnsinn. Von wegen: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“.

Die mit den Nazis sympathisierenden „Deutschen Christen“ glaubten, unseren Choral „Wach auf, wach auf du deutsches Land“ für ihre Zwecke missbrauchen zu können. Sie veröffentlichten ihn im Gesangbuch der sogenannten „Kommenden Kirche“ unter der Rubrik „Kirche und Volk“. Im Vorgänger unseres aktuellen Evangelischen Gesangbuchs, finden wir unser Lied unter der Überschrift „Für Volk und Vaterland“. Im aktuellen Gesangbuch sind 7 Strophen unter der Nummer 145 im Kapitel Bußtag abgedruckt.

Haben Sie dieses Lied eigentlich schon einmal im Gottesdienst gesungen?

Brauchen wir solche Lieder?

Lieder,

-die so fatale Assoziationen auslösen können?

-die diesen vaterländischen Beigeschmack haben?

-die so verdächtig tönen?

Am besten, wir reisen 455 Jahre zurück in die Vergangenheit, nach Torgau ins Jahr 1561.

Musik: Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen, bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen. Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut sein höchstes Pfand, drum magst du wohl aufwachen!

Autor: Dort begegnen wir Johann Walter. Seit sieben Jahren im Ruhestand, steht der 75jährige in seinem Studierzimmer am Pult und widmet sich seinen Leidenschaften, dem Dichten, dem Komponieren und dem Nachdenken.

Musik

Autor: 1526 hatte er mit sangeskundigen Bürgerinnen und Bürgern die Torgauer Stadtkantorei gegründet und sich so mit seiner Chormusik vom höfischen Intrigenstadel unabhängig gemacht. Er gilt deshalb als „Urkantor“ der evangelischen Kirchenmusik, die ihre soziale Basis im Bürgertum hat.

Aber nun war Martin Luther seit 15 Jahren tot und auf evangelischer Seite herrschte der Eindruck vor, die Kraft der Reformation erlahme, man arrangiere sich mit den Begebenheiten, man schließe faule Kompromisse, Schläfrigkeit habe sich eingestellt.

Musik

Autor: In dieser Situation schreibt der „Urkantor“ sein Protestlied. Sein Zorn dauert 26 Strophen lang. Er droht und will aufrütteln; er inszeniert sich als kompromissloser Agitator der Reformation, ein Wutbürger des 16. Jahrhunderts. Und so lautet eine der Strophen, die heute nicht mehr im Gesangbuch zu finden sind:

Musik: Der Wucher, Geiz, Betrügerei wird jetzt als Kunst gelobet, Ehebruch, Unzucht und Völlerei, wird auch noch wohl begabet. Falsch Tück und List, Verräterei, Untreu, Falschheit, groß Büberei ihr viel jetzt hoch erhebet.

Sprecherin:

Der Wucher, Geiz, Betrügerei

wird jetzt als Kunst gelobet,

Ehebruch, Unzucht und Völlerei,

wird auch noch wohl begabet.

Falsch Tück und List, Verräterei,

Untreu, Falschheit, groß Büberei

ihr viel jetzt hoch erhebet.

Autor: Bertolt Brecht, der der Bibel und der barocke Sprache herzlich zugetan war, äußert sich ähnlich in der Dreigroschenoper:

Musik: Wach auf, du verrotteter Christ, mach dich an dein sündiges Leben, zeig, was für ein Schurke du bist, der Herr wird es dir dann schon geben!

Autor: Und der Missbrauch des Namens Gottes war auch vor einem halben Jahrtausend längst aktuell:

Sprecherin:

„Und wird der göttlich Name teu’r

zur Sünd' gebraucht so ungeheu’r,“

Autor: Was also haben die verbleibenden Strophen unseres Liedes in unserem aktuellen Gesangbuch zu suchen? Eine Menge. Ich jedenfalls habe eine Schwäche für dieses Lied.

Schon in der ersten Strophe kommt Johann Walter zur Sache.

Sprecherin:

Bedenk, was Gott an dich gewandt,

wozu er dich geschaffen.

Autor: Ein Grund, mal wieder die Schöpfungsgeschichte lesen.

Ein weiterer Appell folgt auf dem Fuß:

Sprecherin:

Bedenk, was Gott dir hat gesandt

Und dir vertraut sein höchstes Pfand.

Autor: Johann Walter bekräftigt eine Kernaussage der Reformation: Sie und ich und die ganze Welt sind ohne die Gnade Gottes verloren.

So wird verständlich, wie die erste Strophe endet:

Sprecherin:

Drum magst du wohl aufwachen.

Autor: Drum magst du dich dem Leben stellen, in das du hineingeworfen bist.

Theologische Antriebsschwäche ist also nach Johann Walter nicht angesagt

Musik: Das helfe Gott uns allen gleich, dass wir von Sünden lassen, und führe uns zu seinem Reich, dass wir das Unrecht hassen. Herr Jesu Christe, hilf uns nu’ und gib uns deinen Geist dazu, dass wir dein Warnung fassen.

Sprecherin:

Das helfe Gott uns allen gleich,

dass wir von Sünden lassen,

und führe uns zu seinem Reich,

dass wir das Unrecht hassen.

Herr Jesu Christe, hilf uns nu’

und gib uns deinen Geist dazu,

dass wir dein Warnung fassen.

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