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Kirche in WDR 2 | 11.11.2013 | 05:55 Uhr

Wahnsinnig viel zu tun

Unser neues Auto können wir jetzt doch erst nächste Woche abholen. „Ich habe wahnsinnig viel zu tun“, entschuldigte sich der Verkäufer. Ich hatte ihn vorgestern angerufen, nachdem er sich eine Woche lang nicht gemeldet hatte, obwohl die Zulassungsunterlagen schon für vergangenen Montag versprochen waren.

„Da sollte sich doch mein Kollege bei Ihnen melden, hat er das nicht?“ fragte schon fast vor-wurfsvoll der Mann von der Elektrofirma. Und als ich ihm erklärte, dass ich mich nicht mel-den würde, wenn der Kollege sich gemeldet hätte, beschied er mich kurz und bündig: „Wir haben wahnsinnig viel zu tun.“

Ob meine Frau ihren Geburtstag demnächst allein mit mir oder im Kreis unserer Verwandten und Freunde feiert, wird sich erst ganz kurz vor dem großen Tag entscheiden. Die meisten halten sich eine Zusage offen. Sie sind zeitlich ständig ausgebucht.

Alle haben wahnsinnig viel zu tun. Nur einer offenbar nicht: ich. Ich habe die dumme Ange-wohnheit, dass meine Bürotür für jeden, der kommt, offen steht. Ich halte meine Termine ein. Und ich versuche, meine paar Privatkontakte einigermaßen regelmäßig zu pflegen. Das lässt sich vermutlich nur dadurch erklären, dass ich viel weniger arbeite als alle anderen. Dass es tatsächlich eher umgekehrt ist, bleibt ein unlösbares Rätsel.

Viel und hart zu arbeiten ist zunächst mal nichts Ungewöhnliches. Nach der Überzeugung der Bibel gehört es zum Menschsein; denn „im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, heißt es schon in der Schöpfungsgeschichte. Professionelle Däumchendreher sind nicht erwünscht: „Nimm dir ein Beispiel an der fleißigen Ameise, du Faulpelz, und lerne von ihr“, heißt es im Buch der Sprüche. Zu tun zu haben, kann geradezu ein Segen sein. Jeder Arbeitslose wird das bestätigen.

Allerdings gehört in der Bibel zur Arbeit auch stets die Ruhe. Den siebten Tag, den Sabbat als Ruhetag, führt der jüdische Glaube ebenfalls auf die Schöpfung zurück. Und der erste christliche Kaiser des römischen Reiches, Konstantin, begründete einen arbeitsfreien Tag von Staats wegen. Heutzutage müssen Gewerkschaften und Kirchen darum wieder kämpfen: Weil rund um die Uhr sieben Mal täglich 24 Stunden so wahnsinnig viel zu tun ist.

Das Neue Testament erzählt, wie Jesus einmal zwei Schwestern besucht, deren eine sich sofort aufs Kochen und Tischdecken stürzt, während sich die andere zu Jesu Füßen setzt und ihm zuhört. „Marta, du machst dir viel Sorgen und Mühe“, sagt Jesus dazu, „aber Maria hat das gute Teil erwählt.“

Hier geht es offenkundig nicht darum, die Arbeit schlecht zu machen. Aber es ist sehr wohl die Frage, ob wir ihr so verfallen, dass darunter unsere wertvollsten menschlichen Eigenschaften und am Ende unsere Beziehungen kaputt gehen. Gott hat uns nicht die Arbeitswut geschenkt. Und erst recht nicht Arbeit als eine billige Entschuldigung für unsere alltäglichen Unzulänglichkeiten. Sondern Gott schenkt Freude an der Arbeit. Wer das versteht, wird, auch wenn er viel zu tun hat , genug Zeit für alles haben, was das Leben schön macht und den Kontakt zu anderen wertvoll.

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