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Kirche in WDR 4 | 26.10.2016 | 08:55 Uhr

Wahrheit

Guten Morgen! Worte wirken. Sie können Balsam für die Seele sein. Sie können eine Waffe sein. Worte können wie eine Umarmung wirken. Sie können aber auch zerstörerisch vergiften. Für die Wirkung meiner Worte bin ich verantwortlich.

Schon als Kind habe ich gelernt: Die Wahrheit zu sagen, ist Pflicht. Das finde ich auch heute noch wichtig und will es auch so halten. Aber ich habe längst gelernt: Die Wahrheit um jeden Preis zu sagen, ist nicht immer angebracht, denn das Leben ist komplizierter. Es gibt nicht nur ein klares „Entweder - oder“.

Ein Beispiel: Ich treffe einen Freund nach längerer Zeit und bin erschrocken, wie verändert er aussieht. Das Gesicht fahl, die Haare ungepflegt, die Kleidung nachlässig.

In Situationen wie dieser frage ich mich: Soll ich etwas sagen oder mein Gegenüber lieber schonen? Ist es nicht besser, runterzuschlucken was mir in den Kopf kommt? Oder soll ich doch etwas sagen, es aber nur unklar andeuten? Unsere Sprache bietet dazu sehr viele Möglichkeiten. Manches wird bis zur Unkenntlichkeit verpackt - der Inhalt bleibt verborgen. So zum Beispiel in der Sprache der Diplomaten.

Noch einmal: Hemmungslos die Wahrheit sagen - das kann ziemlich brutal sein. Die Wahrheit kann zerstörerisch wirken, wenn sie bloßstellt oder vorführt. Also dem Freund gegenüber besser schweigen?

Gerade Menschen, an denen mir liegt, muss ich doch sagen können, was mir auffällt. Was mich stört. Ich möchte weiterhin gut mit ihnen umgehen und wahrhaftig mit ihnen leben.

Ich weiß, wir sind aufeinander angewiesen, wir arbeiten zusammen und brauchen uns gegenseitig. Klärungen sind anstrengend und haben manchmal Nebenwirkungen.

Wen ich ernst und wichtig nehme, mit dem teile ich, was ich wahrnehme, beobachte und empfinde. Etwas auszusprechen, was klärt, weil es unausgesprochen in der Luft liegt und dennoch mit Händen greifbar ist: Das bringt weiter.

In der Bibel heißt es: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32). Die Voraussetzung dafür ist die Liebe. Wen ich liebe, dem kann ich auch die Wahrheit sagen. Diese Wahrheit macht frei, lässt auf- und durchatmen. So ist Jesus mit Menschen umgegangen. Er hat niemanden bloßgestellt oder vorgeführt. Wenn Menschen ihm begegnet sind, konnten sie sich selbst ertragen. Wahrheit wirkt befreiend, wenn sie liebevoll daherkommt. Wenn ich achtungsvoll mit meinem Freund oder einem anderen Menschen umgehe und wahrhaftig bin. In so einer Atmosphäre muss sich niemand verteidigen oder entschuldigen. Die Wahrheit behutsam anzusprechen bringt uns weiter – beide. Sie führt uns näher zusammen, als oberflächliches Drüberwegsehen. Die Wahrheit macht frei. Der andere – und ich selbst – wir können uns korrigieren und verändern.

Die richtige Dosis Wahrheit an diesem Tag, wünscht Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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