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Kirche in WDR 2 | 27.06.2014 | 05:55 Uhr

Wann der Tag beginnt

Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler: „Wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?“ Ein Schüler antwortete: „Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“ – „Nein“, sagte der Rabbi. „Ist es, wenn man von weitem einen Feigenbaum von einem Dattelbaum unterscheiden kann?“ fragte ein anderer. „Nein“, sagte der Rabbi. „Aber wann ist es denn?“ fragten die Schüler. Der Rabbi sprach: „Es ist dann, wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst.“

Diese Geschichte aus der jüdischen Tradition ist so schön und weise, sie hätte auch Jesus erzählen können. Denn es geht für mich um einen Kern meines christlichen Glaubens: Wir Menschen begreifen den einzigartigen Wert des Lebens, auch den des eigenen Lebens erst, wenn wir uns auf andere Menschen einlassen.

Unsere Gesellschaft schreibt das nicht auf die Fahnen ihrer Leitbilder. Hier gilt anderes: Schau immer zuerst auf dich! Versuche für Dich selbst das Maximale herauszuholen! heißt es. Und manchmal kommt mir das Leben schon vor wie eine riesige Casting-Show: Jeder gegen jeden, weil am Ende nur einer gewinnen kann.

Der Tag, also das Leben, beginnt erst dann, wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst.

Ich denke an die Schule unserer Tochter. Wir versuchen dort, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Da gibt es viele Vorbehalte, auch Probleme, denn wir brauchen ausreichend Lehrerinnen und Lehrer, die dafür ausgebildet sind.

Aber schon der Versuch hat die Sicht unserer Tochter verändert. Menschen mit Behinderung gehören selbstverständlich mit zu ihrem Leben. Und sie selbst lernt, auch selbstverständlich zu helfen, wo sie helfen kann. „Inklusion“ heißt das auf Neudeutsch. Und sie setzt - neben vielen organisatorischen Veränderungen - vor allem eine neue Sicht des Menschen voraus.

Der Tag beginnt, wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst.

In unserer Nähe sind Menschen aus Syrien untergebracht. Flüchtlinge. Die Angst war groß, ob die vielen fremden Menschen so konkret vor unserer Haustür nicht eine Bedrohung sind. Einbrüche, Übergriffe … Die evangelische und katholische Kirchengemeinde engagieren sich Begleitung dieser: Sie begleiten die Flüchtlinge zum Arzt, bringen Kinderspielzeug vorbei, haben einen Fußballspiel organisiert.

Jeder aus der Gemeinde, der sich engagiert hat, sieht auf einmal in den Syrern nicht nur den Flüchtling, sondern den Menschen. Mit Hoffnungen und Ängsten. Menschen, die versuchen irgendwie ihr Leben zu managen, die ihre Kinder lieben, die dankbar sind für Hilfe und am Ende genauso viel falsch und richtig machen wie jeder andere auch.

Schau in das Gesicht eines Menschen und du siehst die Welt mit neuen Augen. Schau in das Gesicht eines Menschen und du siehst auch dein Leben mit neuen Augen. Es lohnt sich!

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