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Kirche in WDR 2 | 20.06.2014 | 05:55 Uhr

Warum die Windel Jesu zum Niederknien ist

„Es ist total unmännlich, wenn ein Typ ein Kind nicht wickeln kann“ , sage nicht ich, hat der Schauspieler Jochen Vogel gesagt. Was heute normal scheint, war für meine Generation, noch eine belächelte Ausnahme. Als ich meine Kinder großzog, waren Papierwindeln grad auf dem Markt und kaum bezahlbar. Und eine - Verzeihung - beschissene und urindurchtränkte Windel war unmännlich. Windelwechseln war Frauensache. Als ich dabei einmal beim Kinderwagenschieben von Schülerinnen gesichtet wurde, - ich war damals an einer Schule tätig -, ging es wie ein Lauffeuer durch die Runde: Der schiebt seine Kinder selber durchs Dorf – und das war von den Mädchen nicht lobend gemeint.

Männer und Windeln: das ist so eine Sache. Und das gilt auch für Jesus und die Windel. Ja, in der Bibel wird ausdrücklich berichtet, dass er in Windeln gewickelt wurde. Und so irritierend es vielleicht früher war, Männer beim Wickeln zu sehen, so irritierend ist für fromme Seelen bestimmt der Gedanke, dass der Sohn Gottes wohl auch mal sein Geschäftchen zu tun hatte. Aber: Die Windel Jesu ist Ausdruck der menschlichen Seite Gottes. Christen glauben: Jener unfassbare und unbegreifliche Gott war einer von uns, ganz Mensch, und eben in diesem Sinn auch auf Windeln angewiesen. Und das waren damals keine komfortablen Wegwerfwindeln.

Diese Seite Jesu hat die Menschen fasziniert.

Es entstand die Legende von der Josefshose: Weil Maria keine ausreichende Anzahl von Tüchern besaß, die man als Windeln verwenden konnte, gab Josef seine Hose, eine Art vorgeschichtliche Strumpfhose her, damit Jesus darin eingepackt werden konnte. Von der Josefshose wurde nicht nur erzählt, sie kam auch auf Bildern vor, die das Jesuskind im Stall von Betlehem zeigten.

Und spätestens seit Karl dem Großen haben die Christen auch einen Ort, wo sie hingehen können, um diese Windel zu sehen, die zum Niederknien ist: Der Dom zu Aachen. Dort werden sie alle sieben Jahre gezeigt, bei der großen, sogenannten Heiligtumsfahrt. Heute wird sie beginnen.

Damit Sie mich richtig verstehen: Die sogenannten Windeln Jesu betet niemand an und es geht dabei auch nicht um die Frage, ob es die historisch echten Windeln von Jesus waren. Man ehrt oder verehrt sie, weil eben dieser Gedanke für Christen einfach zum Niederknien schön ist: Gott hat um unsertwillen Fleisch angenommen und wurde mit allen Konsequenzen Mensch. Und zu diesem Menschwerden gehörte auch die kindliche Phase, in der der Mensch Windeln braucht. Windeln also als Zeichen des inkarnierten Gottes. Windelwechseln, wenn man so will, als Gottesdienst.

* Rheinische Post, 07.05.2014.

(Copyright Vorschaubild: wikimedia)

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