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Sonntagskirche | 21.06.2015 | 08:55 Uhr

Was das Leben reicher macht

Guten Morgen! „Eine Weltreise war geplant, der Bus schon gekauft, da kam plötzlich die Nachricht: schwanger! Wenn ich jetzt in die Augen meiner neugeborenen Tochter blicke, durchflutet mich das Glück und mit ihm die Einsicht: Auf was für eine viel schönere, längere und intensivere Reise wir uns doch eingelassen haben.“ (1)

Diese kleine Geschichte von Moritz aus Heidelberg habe ich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ gelesen. Sie stand unter der Rubrik: „Was mein Leben reicher macht…“. Vor ein paar Jahren hatte die Redaktion beschlossen, eine ganze Zeitungsseite als Forum für ihre Leserinnen und Leser zu reservieren. Eine Art Achtsamkeitsrubrik mit Bekenntnissen, Beobachtungen, Erlebnissen und kleinen Geschichten, die von der Leserschaft einsendet werden. Eine tolle Idee. Manchmal kommen mehr als 100 solcher Beiträge in einer Woche in der Redaktion an.

Es sind schöne, anrührende, witzige oder überraschende Texte. Da bekommt eine eine wunderbare Liebeserklärung nach vielen Ehejahren. Da erlebt einer, wie Nachbarn spontan helfen, als es eng wird. Eine freut sich an den aufplatzenden Knospen im Garten. Da gibt es Geschichten von stillem Verstehen oder der Verbundenheit zwischen total verschiedenen Menschen. Und manchmal steht auch einfach nur ein Name da.

Einzigartige Momente, die im Gedächtnis blieben und das Gefühl auslösten: Mein Leben ist reich.

Wonach bemisst man ein reiches Leben? Zuerst denke ich wie vermutlich die meisten an Geld. Ein sorgenfreies Leben. Und an Macht oder Einfluss, Erfolg. Aber die Geschichten in der Wochenzeitung machen mich jede Woche neu darauf aufmerksam: Es ist nicht immer das Materielle, nicht nur das, was man geschafft, erworben oder geleistet hat. Oft sind es die kleinen Momente im Leben, Momente, die mir geschenkt werden, die mich bereichern.

Zu einer alten Dame, die am Rande eines Dorfes wohnte, sagten einmal einige Kinder: „Die Leute sagen, du bist reich! Warum wohnst du dann in so einem kleinen Haus und nicht in einem Schloss?“ „Nun“, sagte die Frau, „ich habe nur eine kleine Rente. Aber ich habe viel Freude am Leben. Wollt Ihr mein Geheimnis wissen?“ Da war die Neugier geweckt. „Jeden Morgen nehme ich aus meinem Korb in der Speisekammer eine Handvoll Bohnen und stecke sie in meine rechte Tasche. Immer, wenn ich am Tag etwas Schönes sehe oder erlebe, nehme ich eine Bohne heraus und stecke sie in die linke Tasche. Und abends schau ich mir die Bohnen an und erinnere mich an jeden Moment, der mein Herz berührt hat. Das macht mich reich.“

Was mein Leben reich macht – das ist meist unbezahlbar: Zeit, die wir miteinander verbringen. Geliebt werden und lieben. Mich auf andere verlassen können. Vertrauen finden. Einfach so am Strand sitzen und in den Sonnenuntergang träumen. Alte Freunde wieder treffen, einer schnappt sich die Gitarre und wir singen Scarborough Fair. Einfach mal ein bisschen verrückt sein.

Es lohnt sich, das festzuhalten und, wenn man mag, mit diesem Geheimnis des reichen Lebens auch andere zu beschenken.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Annette Krüger, Pfarrerin in Witten.

(1) Wolfgang Lechner (Hrsg.), Was mein Leben reicher macht. Glücksmomente aus dem Alltag, Knaur Verlag 2010, S. 95

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