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Kirche in WDR 5 | 18.11.2015 | 06:55 Uhr

Was gibt´s denn da zu feiern?

Ich weiß nicht, ob sie`s wussten, aber heute ist ein Feiertag. Leider kein gesetzlicher Feiertag, sonst hätten‘s ja alle mitbekommen. Früher war der Buß- und Bettag in Nordrheinwestfalen ein richtiger Feiertag, der einzige evangelische übrigens. Auch wenn bei Buße und Gebet keine richtige Feierstimmung aufkommen will.

Buße, das klingt eher nach Strafe, nach etwas, das wehtut, wie Bußgeld z.B. Für den, der falsch parkt oder als Falschfahrer unterwegs ist.

Ist das nicht wieder „Typisch evangelisch“, denken Sie vielleicht, dass die Kirche allen moralischen Falschfahreren ins Gewissen redet? Aber es geht nicht um Strafe oder Moral, sondern um die Übel und Übeltäter dieser Welt. Und davon gibt es ja, weiß Gott, mehr als genug. Gott weiß es- und es ist gut, wenn wir es auch wissen und nicht vergessen. Ja, es ist eine der Aufgaben der Kirche, den Finger in Wunden zu legen, auch in die eigenen. „Protestanten haben immer ein schlechtes Gewissen“, sagte mir letztens jemand, „aber sie haben wenigstens eines.“ D.h. natürlich nicht, dass Andere kein Gewissen hätten. Aber wer hat dafür schon extra einen Feiertag?

Ich hatte früher meine Mühe mit diesem Tag. Wie kann man einen Tag „feiern“, an dem man eben nicht einfach wegschaut? Viele Menschen leiden doch unter Unrecht oder Gewalt. Und wenn ich das sehe, leide ich mit. Immerhin kann ich alles Leid im Gebet vor Gott bringen. Ihm in den Ohren liegen. Damit kann ich das Leid nicht „wegbeten“, aber ich kann es im Gebet abgeben: „Herr, erbarme dich!“„Erbarme, du, dich dieser Menschen und schenke mir Erbarmen, mit denen, die meine Hilfe brauchen.“

Aber besonders „feierlich“ ist das immer noch nicht.

Irgendwann habe ich diesen Buß- und Bettag für mich neu entdeckt, als einen Tag, um innezuhalten und ehrlich zu sein- zunächst mal zu mir selbst. Ich meine zwar nicht, dass ich Menschen anlüge, aber allein die Frage, „Wie geht´s dir?“, hat ja so ihre Tücken. Ich weiß nicht, wie Sie darauf antworten. Ich sage meist nur: „Danke. Gut.“ Auch wenn mein Gesicht manchmal etwas anderes sagt. Andere antworten auch: „Ich kann nicht klagen.“. Sicher muss man nicht gleich seine ganze Lebensgeschichte erzählen, aber vielleicht tut es gut, einmal laut zu klagen. Es wäre ehrlicher, als ein: „Ich schaff das schon!“oder „Ich brauche keine Hilfe!“, wenn man längst am Limit ist. Es gibt so viele kleine „Lebenslügen“, mit denen Menschen sich selbst etwas vormachen:

„Ich mache das sonst nie!“ „Ich weiß schon, was ich tue!“

Dieser Feiertag, der Buß- und Bettag, kann ein Anlass sein, die eine oder andere dieser „Lügen“ zu entlarven. Ein Anlass, selbst in den Spiegel zu schauen oder zu beten und sich an Gott zu wenden. Der sieht uns Menschen vermutlich gnädiger an, als wir uns selbst. Wenn ich mich daran erinnere, brauche ich mir nichts vorzumachen, sondern kann mich ehrlich hinterfragen und hinterfragen lassen.

Heute geht´s mir übrigens wirklich gut. Auch, weil ich mich durchgerungen habe, eine Aufgabe abzugeben und einmal „Nein“ zu sagen. Ich muss es immer noch lernen, dass ich nicht alles machen muss Andere müssen vielleicht eher lernen, einmal ja zu sagen

Ein ehrliches und fröhliches Ja oder ein genauso ehrliches und fröhliches Nein. Das ist doch ein Grund zum Feiern, oder?

Einen schönen „Feiertag“ noch, ihr Heinz-Bernd Meurer aus Bottrop

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