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Kirche in WDR 2 | 05.08.2016 | 05:55 Uhr

Was liest du?

Welches Buch haben die meisten Deutschen zu Hause im Regal stehen? Das wollte vor einiger Zeit das Meinungsforschungsinstitut Emnid wissen. Antwort: die Bibel. Das ist vielleicht nicht so überraschend. Bibel, Christentum, Kirche – das spielt zwar keine ganz so große Rolle mehr im Alltag unserer Gesellschaft wie früher. Aber trotzdem hat fast jeder irgendwo eine Bibel herumstehen: als Konfirmand oder Kommunionkind geschenkt bekommen, zur Trauung möglichweise, vielleicht auch geerbt. Und selbst wenn man damit praktisch nichts anfängt – wegschmeißen tut man sie auch nicht.

Das Emnid-Ranking war ja auch nicht darauf aus, welche Bücher der Deutsche liest, sondern welche er hat. Und ähnlich wie mit der Bibel dürfte es mit der Fortsetzung der Hitliste stehen. Auf den Plätzen zwei bis vier finden sich nämlich Grimms Märchen, das Grundgesetz und Goethes Faust. Die liest auch keiner. Erst auf Rang fünf und sechs folgen Harry Potter und Pippi Langstrumpf.

Als ich von dieser wunderbaren Umfrage hörte, fiel mir sofort eine ganze Reihe von Leuten ein, die davon überzeugt sind, dass die Regel „Auge um Auge“ einen Artikel des Grundgesetzes bildet, der Fall der Mauern Jerichos zu den Grimmschen Märchen zählt, der Osterspaziergang in der Bibel steht und in Goethes Faust der Schutz von Ehe und Familie eine Rolle spielt. Das war jetzt ein Witz. Wenn Sie ihn nicht verstanden haben, gehören Sie vermutlich auch zu denen, die die genannten Bücher besitzen, aber nicht lesen. Das muss Ihnen keine Sorgen machen; denn damit zählen Sie auf jeden Fall zur Mehrheit der Bevölkerung.

Trotzdem ist es schade. In den Büchern, die man hat, aber nicht liest, können nämlich ungeahnte Ressourcen stecken. Antworten auf Fragen, die einen schon lange beschäftigen. Überraschende Einsichten, die einen auf Anhieb überzeugen. Natürlich auch viel Befremdliches, sogar Abstoßendes, das einen aber mindestens zum Nachdenken bringt. Das gilt vor allem für die Bibel. Der schwedische Schriftsteller Hakan Nesser lässt in einem seiner Bücher den Protagonisten sagen: „Auch wenn du in Wirklichkeit nicht existierst, lieber Herr, so muss ich doch zugeben, dass die Heilige Schrift ein verblüffend gutes Buch ist. Zumindest teilweise.“

Was hier wie ein Paradox klingt, ist keines. Man muss nicht an Gott glauben, um in der Bibel mehr Wahrheit und Orientierung zu finden als bei Anne Will oder im heute-Journal. Das liegt daran, dass die Bibel von Gott redet, indem sie vom Menschen redet. Und diejenigen, die da vor zweitausend und noch mehr Jahren reden, haben vom Menschen eine Menge verstanden. Die alten Märchenerzähler, Goethe und die Mütter und Väter des Grundgesetzes übrigens auch. Aber die Bibel ganz besonders.

Das merkt man erst recht dann, wenn man die Bibel nicht nur liest, sondern mit anderen über sie spricht. Es gibt eine biblische Geschichte, in der ein hoher Beamter in der Bibel blättert und von einem christlichen Missionar gefragt wird: „Verstehst du auch, was du liest?“ Danach, so heißt es in der Geschichte, kommen sie miteinander ins Gespräch. Und schließlich lässt sich der Beamte taufen. Worum es geht: Die Bibel ist ein Buch, das dann am besten ist, wenn man es ins Gespräch bringt. Da kann es passieren, dass man sein Leben und die Päckchen, die man zu tragen hat, nochmal in einem ganz neuen Licht sieht. Dazu muss man das Buch allerdings aus dem Regal nehmen – und mal irgendwo hingehen, wo darüber gesprochen wird.

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