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Hörmal | 20.08.2017 | 07:45 Uhr

Wasserwaage als Gerechtigkeit

Skulpturenausstellung in Münster

Ich bin bekennender Kunstfan und daher gibt es für mich in diesem Sommer einen Ort in NRW, wo ich hin muss: Zu den Skulpturprojekten in Münster. Viel Zeit bleibt nicht: Die Objekte sind noch sechs Wochen zu sehen. Viele Leute fragen zwar skeptisch bei zeitgenössischer Kunst: „Ist das Kunst – oder kann das weg?“ Aber ich meine: Es lohnt sich, einmal genauer hinzuschauen.

Da ist zum Beispiel eine überdimensionale Wasserwaage angebracht, direkt am Landesmuseum, gegenüber vom Dom. Und diese Wasserwaage ist eines von etwa 30 Objekten bei den diesjährigen Skulpturprojekten.

Schon seit 1977 inszeniert die Stadt Münster alle zehn Jahre diese Skulpturenausstellung mit beachtlichem Erfolg. Und die Wasserwaage ist dieses Mal einer der vielen Hingucker. Sie ist senkrecht vor der spitzen Vorderkante des Landesmuseums befestigt, die hinüber auf den Dom zeigt. Markanter geht es kaum.

Der Künstler John Knight hat sie bewusst hier installiert, was auch ihr Titel verrät: „A Work in Situ“, was so viel heißt wie: „Eine Arbeit vor Ort“. Komisch nur: In der Regel verwendet man Wasserwaagen am Bau, wenn der noch nicht fertig ist, um zu sehen, ob alles im Lot ist. Das Landesmuseum steht aber schon seit drei Jahren, so dass es John Knight wohl um etwas anderes gehen muss.

Ich frage mich also: Versteht sich dieses alltägliche Handwerksgerät als eine Art Werbeschild fürs Museum in dem Sinne: Die Kunst bringt alles ins Lot!? Ist sie es, die das Maß setzt und an dem ich Maß nehmen soll? Immerhin sind für viele Menschen Museen und Galerien die Tempel der Moderne. Hier erfahren sie Lebensdeutung und -orientierung, eventuell ästhetisch schön und interessant verpackt.

Oder hat die Aufhängung der Wasserwaage genau an diesem Ort mit der Ausrichtung der spitzen Vorderkante des Museums auf den alten Münsteraner Dom zu tun? Soll die Kirche etwa das Richtmaß sein mit ihrem Werte- und Moralkodex?

Ich habe das Kunstobjekt noch etwas anders verstanden, weniger demonstrativ als Hinweis auf das Museum und die Kunst oder auf die Kirche und ihre Moral. Wenn ich in Münster auf dieses Kunstobjekt stoße, dann bin ich „in situ“, am Ort des Objektes: Das Objekt am Ort bekommt seine Bedeutung durch mich an diesem Ort. Und dann verstehe ich die Wasserwaage als eine existentielle Frage, die mein Denken und mein Leben ausloten hilft: Woran nehme ich Maß? Woran richte ich mich aus, gleiche meine Vorstellungen ab? Was ist mir wichtig?

Klar fallen mir da Vorbilder ein, Maßstäbe, an denen ich mich orientiere, ethische Grundsätze, etwa die goldene Regel: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Interessant ist schließlich, dass die Bibel genau an einer Stelle auch die Wasserwaage als ein Bild im übertragenen Sinne verwendet. Da wird die Zukunft des Volkes Israels ausgelotet. Es heißt beim Propheten Jesaja (Jes 28,16-18):

„Seht her, ich lege einen Grundstein in Zion, einen harten und kostbaren Eckstein, ein Fundament, das sicher und fest ist: Wer glaubt, der braucht nicht zu fliehen. Als Senkblei nehme ich das Recht und als Wasserwaage die Gerechtigkeit.“

Kurz gesagt: Zukunft gelingt durch Recht und Gerechtigkeit als Maßstab!

Eigentlich eine alltägliche Selbstverständlichkeit – so alltäglich wie eine Wasserwaage am Bau.

Bildrechte:

John Knight, John Knight, A Work in sltu, Skulptur Projekte 2017, Foto Henning Rogge

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