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Kirche in WDR 4 | 25.09.2017 | 08:55 Uhr

Weiterdenken

Autorin: Guten Morgen.

Als ich im Sommer durch Wittenberg schlenderte, sah ich diesen Spruch auf einem fliederfarbenen Transparent:

Sprecher: „Wenn ständig einer schwarzmalt, sollen wir ihm nicht Buntstifte schenken?“

Autorin: Neben dem Text war eine junge Frau auf einem Regenbogen zu sehen. Ganz entspannt lag sie auf dem Bauch. Mit etwas Abstand der Satz: „Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen.“ Dieses Transparent hat mich angesprochen, denn natürlich kenne ich Menschen, die ich eher als Schwarzmaler bezeichnen würde. Mich selber würde ich nicht pauschal als Buntstiftmalerin oder Rosarotebrille-Trägerin bezeichnen, aber ich überlege doch fast immer: Will ich mich jetzt einfach unterkriegen lassen von dem, was da gerade passiert? Oder: Was ist aus einer anderen Perspektive dazu zu sagen? Gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Und dann wird das Bild farbiger. Das war wohl gemeint mit der Idee, einem Schwarzmaler Buntstifte zu schenken und dem Zusatz: „Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen.“

Würde sich das Reformationsjubiläum der evangelischen Kirchen erschöpfen in würdevoller Erinnerung an die Ereignisse vergangener Zeiten, dann bliebe es ein Jubiläum so wie viele andere auch. Wenn die Feier vorbei ist, dann wird aufgeräumt und weggeräumt und weitergemacht. So als ob es nie etwas geschehen wäre. Dann wäre es wie Salz, das seine Kraft verloren hat.

Sprecher: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“

Autorin: So heißt es in der Bergpredigt in der Bibel. Reformation feiern heißt also: Salz sein. Neulich konnte ich mir kritische Äußerungen zu einer Sache nicht verkneifen. Und da nannte mich doch jemand scherzhaft „Frau Luther“. Darüber habe ich länger nachgedacht. Ich bin nicht so wie Martin Luther. Ich mache keine reformatorischen Entdeckungen und veröffentliche sie. Was ich aber tue: Ich hinterfrage das, was andere sagen auf der Grundlage meines Glaubens. Manchmal entwickle ich dann Gegenthesen. Damit bin ich natürlich unbequem und mache mir auch nicht immer Freunde. Aber wenn ich nur auf Samtpfötchen daherkäme oder diplomatisch allen Konflikten aus dem Wege gehen würde. Wäre damit irgendetwas gewonnen?

Bei meinem Spaziergang durch Wittenberg bin ich noch anderen Transparenten begegnet:

Sprecher: „Kann man sich statt auf mal in den Arm nehmen?“

„Haben Vegetarier manchmal auch Schmetterlinge im Bauch?“

Autorin: Witzige Sprüche zum Weiterdenken. 500 Jahre nach der Reformation will ich kritisch bleiben und gleichzeitig versuchen, der Welt mit einem liebevollen Blick und mit Humor zu begegnen. Ein Transparent hat mir deshalb besonders gut gefallen: Eine Schnecke zieht eine Frau an der Leine hinter sich her. Und daneben die Worte:

Sprecher: „Wenn die Zeit davonrennt, muss ich dann hinterher? Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen.“

Autorin: Vielleicht haben Sie ja auch Lust, einmal mit einem witzigen Spruch die Welt zu hinterfragen?

Ihre Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

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