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Kirche in WDR 3 | 04.08.2016 | 07:50 Uhr

Welche Werte?

Guten Morgen!

Manchmal passiert es mir, dass Wörter nicht mehr den Weg aus meinem Mund herausfinden. Zu diesen Wörtern gehören seit einiger Zeit die „christlichen Werte“. Das mag jetzt merkwürdig klingen, weil die christlichen Werte so wunderbar rund gelutscht sind, dass sie einem mit Leichtigkeit aus dem Munde flutschen können. Je mehr den Leuten der Appetit aufs Christentum verging, desto mehr Geschmack fanden einige an den christlichen Werten, kurz „unseren“ Werten, den Werten des so genannten „christlichen Abendlandes“. Sie werden mehr beschworen als erklärt. Man zieht Grenzen, um sie zu schützen, Grenzen zwischen den Staaten, Grenzen zwischen den Kulturen, Grenzen zwischen den Religionen. Grenzen der Belastbarkeit. Grenzen des Mitleids.

Wenn es um Werte geht, wird der Ton immer öfter rau. Auf die eigenen Werte wird gepocht, um auf Menschen zu dreschen, die fremd sind. Werte werden verteidigt, um zu unterscheiden in „wir“ und „die“. Mit Werten wird gedroht. Wer sie nicht einhält, soll bestraft oder ausgewiesen werden. Werte werden wie Schlagstöcke eingesetzt. Mit Werten wird Abwertung betrieben. Die „christlichen Werte“ werden zur Vokabel im Wörterbuch der Ausgrenzung und des Hasses.

Ich möchte gern darüber nachdenken, wie wir friedlich und in Respekt zusammenleben können. Das ist mir wirklich viel wert. Aber es ist mir zuwider, wenn vermeintlich christliche Werte dazu benutzt werden, Vorbehalte und Vorurteile zu schüren. Gibt es überhaupt christliche Werte? Welche sind das? Die Zehn Gebote? Die neun Seligpreisungen? Sonntagsruhe? Burkaverbot? Gleichberechtigung? Beim letzteren wird es schon heikel, denn die Gleichberechtigung ist eher gegen die Christen als von ihnen durchgesetzt worden.

Das Wort „Werte“ kommt in der Bibel gar nicht vor. Nichts hätte den Propheten ferner gelegen als eine Wertediskussion anzustoßen. Jesus wollte mit seinen Seligpreisungen keine Werte vermitteln. Selig sind die Armen, die Hungernden, die Barmherzigen, die Verfolgten, denn ihnen gehört die Welt... Das ist ja eher eine ziemlich provokative Umwertung der gängigen Werte, warum man ja immer wieder hört, mit der Bergpredigt sei keine Politik zu machen. Und das Lieblingsthema des Apostels Paulus war: Wie das Gesetz, also Werte und Normen zum Fluch werden können. Christlicher Glaube will keine allgemeinen Werte vermitteln. Für den christlichen Glauben sind die besten und schönsten Werte wertlos, wenn sie als Werkzeuge der Rechthaberei und des Hasses angewendet werden. In den Worten des Paulus: Wenn ich alle Weisheit und Erkenntnis und allen Glauben hätte, und hätte die Liebe nicht – ich würde Blech reden (1 Korinther 13).

Wenn es einen christlichen Wert gibt, dann ist es die Liebe. Man kann sie auch Solidarität nennen, denn mit Liebe ist in der Bibel keine Gefühligkeit gemeint. Christliche Liebe ist auch keine allgemeine Menschenliebe. Jesus sagt in der Bergpredigt: Diese Liebe ist konkret. Sie gilt dem konkreten Menschen in der konkreten Situation, vor allem dann, wenn er keine Liebe verdient. Darum ist sie mühsam. Dennoch: Es liegt nicht an mangelnden Werten, sondern an mangelnder Liebe, wenn der Hass nicht aus der Welt verschwindet. Und darum geht es doch, den Hass zu beenden.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Silke Niemeyer, Pfarrerin in Lüdinghausen.

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