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Kirche in WDR 5 | 11.02.2017 | 06:55 Uhr

Welttag der Kranken

Guten Morgen!

Heute ist der 25. Welttag der Kranken. Er wurde von Papst Johannes Paul II. 1993 ins Leben gerufen und findet jährlich am 11. Februar statt. Ich muss dabei heute an Thomas denken. Es war kurz vor dem 70. Geburtstag, als Thomas, ein alter Bekannter, zum Arzt ging. Dieser hatte keine gute Nachricht für ihn: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Prognose: Etwa ein halbes Jahr noch zu leben. Thomas war ein erfolgreicher Freiberufler, sportlich aktiv und sehr unternehmungslustig. Was ihm der Arzt da sagen musste, traf ihn bis ins Mark. Weltuntergangsstimmung. Und weil er eben noch so selbstbestimmt und resolut lebte, tat sich im Wirrwarr der Gefühle der scheinbar einzige hilfreiche Gedanke auf, den er gegenüber einer Freundin auch formulierte: „Jetzt möglichst schnell den Ausschaltknopf drücken!“

Diese Freundin wandte sich an mich ihrer Sorge um Thomas. Ich empfahl ihr, sich an den zuständigen Seelsorger des Krankenhauses zu wenden, indem Thomas lag. Dieser Seelsorger – so erfuhr ich später – verstärkte seinen Kontakt zu Thomas, ohne jemals über diesen Wunsch ausdrücklich mit ihm zu sprechen und spürte in den Begegnungen wohl seine tiefe Angst und Hilflosigkeit. Aber je länger sie im Gespräch waren, desto mehr Lebensgeister wurden da wieder geweckt. Thomas begann, sein Leben mit dem Krankenhausseelsorger zu bedenken und zu sortieren, gleichsam Bilanz zu ziehen. Da traten alte Geschichten zu Tage, da kamen ihm Menschen in den Sinn, bei denen er sich schon lange nicht mehr gemeldet hatte. Wenn irgend möglich – so nahm er sich jetzt vor – wollte er sich mit ihnen noch einmal treffen.

Seine Krankheit schritt in der Tat schnell voran und raubte ihm zusehends seine Kräfte, aber seinen Vorsatz wollte er unbeugsam realisieren. Gute Menschen halfen ihm dabei. Als etwa 4 Monate vergangen waren, bot ihm der Arzt den Aufenthalt in einer onkologischen Rehaklinik an. Nach einigem Zögern ließ er sich darauf ein. Thomas verbrachte viel Zeit mit Lesen und Musikhören, eingewickelt in eine Decke, in einem bequemen Liegestuhl sitzend. Bei einem Besuch des Krankenhausseelsorgers sagte er ihm: „Wissen Sie, als mir der Arzt die Diagnose mitteilte, war es mir, als würde ein Fallbeil auf mich herabsausen. Ich wollte am liebsten auf der Stelle tot sein. Aber die wertvollen Begegnungen und diese Zeit der Ruhe hier, in der ich vieles noch einmal bedenken und abrunden kann, kommen mir vor, als sei das jetzt die beste Zeit meines Lebens!“

Thomas ist vor 8 Wochen gestorben. Ich muss heute wieder an ihn denken, am Welttag der Kranken. Papst Franziskus hat zu diesem Tag eine Botschaft geschrieben: Staunen über das, was Gott vollbringt. Darin erinnert der Papst daran, „dass jeder Kranke immer eine menschliche Person ist und bleibt und als solche auch behandelt werden muss. Die Kranken wie die Menschen mit – auch schwersten – Behinderungen haben ihre unveräußerliche Würde und ihre Aufgabe im Leben; nie werden sie zu bloßen Objekten, selbst wenn sie manchmal als nur passiv erscheinen mögen, was aber in Wirklichkeit nie der Fall ist.“

Was das konkret heißen kann, hat Thomas so formuliert, als er lernte mit seiner tödlichen Krankheit die letzten Tage seines Lebens bewusst zu leben: „Ich wollte am liebsten auf der Stelle tot sein, aber jetzt ist die beste Zeit meines Lebens.“

Aus Detmold grüßt Sie Ihr Pfarrer Christian Ritterbach

* Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der Kranken 2017, aus: http://www.dbk.de/katholische-kirche/vatikan/papst/papstbotschaften/

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