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Das Geistliche Wort | 31.05.2018 | 08:35 Uhr

Wenn Kinder beten

Reden wir doch mal über ein Thema, über das nur wenige Menschen gerne öffentlich sprechen. Heute ist Fronleichnam, einer der katholischen Feiertage, an dem auch der Rest der Bevölkerung frei hat. Und vielleicht macht es der ein oder die andere ja sogar gerade heute.

Ich spreche vom: Beten!

Laut einer Studie betet mehr als die Hälfte der Deutschen. 31 Prozent beten gelegentlich, fast jeder fünfte Deutsche macht das regelmäßig. In allen Religionen wird gebetet. Gerade jetzt, während des Ramadan, halten sich die Muslime besonders daran, fünf Mal am Tag zu beten. Im Christentum verpflichten sich meist nur Priester oder Ordensmänner und –frauen zum regelmäßigen Gebet. Aber viele Christen machen es dennoch. Und das nicht nur in der Not, im berühmten Stoßgebet.

Warum aber sprechen die wenigsten gerne darüber? Vielleicht, weil Beten sehr intim ist. Nicht umsonst sagen Menschen: Dabei schütte ich Gott mein Herz aus. Was genau Gott anvertraut wird, darüber spricht man nicht. Vielleicht, weil einem oft auch die richtigen Worte fehlen.

Dabei geht Beten ganz einfach. Das ist keine Kunst, keine Pflicht, keine Leistung. Im Grunde geht Beten kinderleicht.

Etwa so:

Gott, ich danke dir für diesen wundervollen Tag und all die Dinge, die du uns gibst.

Dieses Gebet hat ein Kind aus Simbabwe verfasst und es hat mit einem Projekt zu tun, von dem ich heute etwas mehr erzählen möchte.

Musik 1: https://www.youtube.com/watch?v=hhREiAarjVY

Viele Menschen sprechen nicht gerne darüber, wie sie beten. Aber viele tun es. Schwerer noch, als über das Beten zu sprechen, fällt es, ein Gebet selbst zu verfassen. Etwa für die Hochzeit eines Verwandten, oder bei einer Beerdigung. Da wird schnell zurückgegriffen auf altbewährte Texte oder auf’s Internet. Wer will da schon seine Seele sprechen lassen, ganz frei und damit auch ungeschützt.

Und hier komme ich zu dem Projekt, das ich vor fünf Jahren mit angestoßen habe. Viele Jahre habe ich als theologischer Referent im Kindermissionswerk gearbeitet, das den meisten durch die Sternsinger-Aktion bekannt ist. Es ist ein großes Hilfswerk der katholischen Kirche für die Jüngsten in der Weltkirche, aber auch für Jungen und Mädchen anderer Religion und Herkunft in über 100 Ländern. Im Kindermissionswerk sammeln wir nicht nur Spenden, sondern wir sind intensiv im Austausch mit unseren Projektpartnern weltweit.

Und so kam uns die Idee, von den Kindern der Welt etwas zu sammeln für die Menschen in Deutschland. Nämlich: Deren Gebete.

Etwa wie dieses von Paul aus dem Südsudan:

Gott, unser Schöpfer, du hast mich geschaffen mit allem, was ich habe. Du gabst mir Hände zum Essen und zum Arbeiten. Du gabst mir Augen, um alle Dinge um mich herum zu sehen. Du gabst mir zwei Beine zum Laufen, zwei Ohren zum Hören und den Mund, um mit anderen zu sprechen. Dafür danke ich dir, guter Gott.

Alle Gebete, die Sie hören, haben Schülerinnen und Schüler aus Aachen eingesprochen. Wenn wir auch nicht die Kinder aus den Ländern selbst hören, in ihrer Sprache, so hören wir die Gebete dennoch aus einem Kindermund. Und das ist nicht unwichtig.

Kinder beten meist viel selbstverständlicher als Erwachsene. Ich erwähnte es schon: Erwachsene tun sich meist schwer, Gebete zu verfassen. Wenn wir wissen „da hört jemand zu“ – also nicht nur Gott“ – dann meldet sich gleich unser „innerer Regisseur“ und wir fangen an zu inszenieren: entweder wie eine formale Ansprache an einen Herrscher, oder wir suchen möglichst schöne Worte – versuchen uns als Lyriker oder es wird theologisch komplex, wenn nicht gar verschwurbelt.

Kinder sind da meist ehrlicher. Und das weltweit. Von ihnen können wir viel lernen, wie das geht mit dem Beten und dem Glauben. Sie wissen intuitiv um diese Zusage, die Jesus im Lukasevangelium gibt: „Bittet, so wird euch gegeben“. Das ist doch eine Einladung, alles, wirklich alles vor Gott zu bringen.

Etwa so, wie es Yosita Marie aus Indonesien gemacht hat:

Lieber Jesus, meine Freundin ist gerade krank. Sie konnte heute nicht zur Schule kommen, Ich habe sie sehr gern. Bitte mach sie wieder gesund, so dass wir wieder miteinander spielen und glücklich sein können. Ich sehne mich danach, wieder mit ihr zusammen zu sein. Ich wäre sehr froh, wenn du sie wieder gesund machen könntest. Hilf mir, Jesus, und heile sie.

Musik II: https://www.youtube.com/watch?v=KtBbyglq37E

Wie man richtig betet, dafür gibt es kein Rezept. Aber jede noch so kurze Form des Gesprächs mit Gott kann bereichern. Gott lädt uns ein, seine Nähe im Gebet immer neu zu erfahren.

Beten schafft Raum für unsere Suche nach Sinn und Orientierung. Im Gebet können wir Gott suchen, ihn um seinen Segen bitten oder einfach danke sagen. Glauben und Leben gehören zusammen. Davon, was unseren Alltag prägt, können wir Gott erzählen.

Gerade die Menschen, die uns am Herzen liegen, über die sprechen wir meist im Gebet. So auch ein Mädchen aus Ghana, das uns folgendes Gebet geschickt hat:

Gott, segne meine Eltern, meine Familie, meine Freunde, meine Schwestern und Brüder, die Kinder und die Patienten des Krankenhauses. Gott, nimm mich an als deine Freundin. Das ist mein Gebet. Ich danke dir, Gott, dass du meine Gebete annimmst.

Dass wir für diese Menschen von Gott keine „Sonderbehandlung“ wünschen, das scheint auch klar. Denn Gott unterscheidet nicht zwischen Abstammung, Rasse oder Religion. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Das gilt gerade in einem Land wie Indien, in dem immer wieder Spannungen zwischen unterschiedlichen Glaubensvorstellungen aufbrechen. So berührt mich dieses Gebet eines Kindes aus Indien:

Mein Herr, du lehrst uns, alle Menschen zu lieben, ohne ihren Glauben, ihre Hautfarbe und ihre Lebensweise zu beachten. Lass mich andere lieben und ihnen dienen ohne Vorurteile.

Auf unsere Einladung an Projektpartner weltweit haben wir im Kindermissionswerk Gebete von mehr als 300 Kindern aus 25 Ländern erhalten. Kinder aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika haben uns geschrieben, wie sie sich an Gott wenden. Wir haben einige Gebete auch auf eine Internetseite gestellt. Sie heißt „mit Kindern beten punkt de“

Ein Junge aus Rumänien betet so:

Ich bin klein. Du machst mich groß. Ich bin schwach. Du machst mich stark. Begleite mich, wohin ich auch gehe. Und beschütze mich vor dem Bösen.

Mich beeindruckt, welche Zuversicht eigentlich durch alle Gebete spricht. Wenn Kinder mit Gott sprechen, wird auch für uns erfahrbar: Gott, du bist immer da. Wir hören von einer Hoffnung auf Gott, der Schutz gibt. „Du machst mich groß“, betet der Junge. Und selbst die Kleinsten ahnen schon, dass dieser Schutz nichts mit Magie zu tun hat, sondern damit, dass Gott nur durch andere Menschen wirken kann, die unser Leben entscheidend prägen können. Das klingt auch durch das Gebet eines Jungen aus Simbabwe:

Lieber Jesus, mein Leben war in eine Sackgasse geraten, und es schien keinen Ausweg zu geben. Aber weil du mich liebst, bist du durch andere Menschen in mein Leben getreten. Diese Menschen haben mir gezeigt, dass jeder das Recht hat, das Nötigste zum Leben zu besitzen. Mein Leben hat sich vollkommen verändert und entwickelt sich weiter zum Guten.

Herr, segne alle, die den Menschen in Not helfen. Diese Menschen, die für uns sorgen, sind wie ein Geschenk. Dafür danke ich dir.

Musik III: https://www.youtube.com/watch?v=BcJbzuyp6VY

Beten bedeutet: Freundschaft mit Gott haben. Und diese auch zu pflegen. Das Gespräch mit Gott kann helfen, eine innere Haltung zu entwickeln, die nicht einfach da ist, die wachsen und reifen muss, damit sie Halt geben kann im Leben. Und auch, um anderen Halt zu geben. Ein Junge aus Indien betet so:

Verleihe meinen Händen Geschicklichkeit, meinem Geist ein klare Perspektive, meinem Herz Freundlichkeit und Zuneigung. Gib mir das nötige Wissen, Entschlusskraft und Stärke, so dass ich wenigstens einen Teil der Last meines Freundes, der sehr leidet, tragen kann. Amen.

Immer wieder entdecke ich in den Gebeten der Kinder der Welt die Sorge um den Nächsten. Die Fürbitte für andere Menschen. Und immer wieder findet sich auch die große Sehnsucht nach Frieden. Gerade, wenn diese Sehnsucht von Kindern stammt aus Ländern, in denen Frieden alles andere als selbstverständlich ist, trifft mich das besonders -wie diese Worte eines Kindes aus dem Niger:

Herr, ich bitte dich um Frieden für mein Land und um Frieden in den Familien. Schenke uns Frieden in Afrika und auf der ganzen Welt. Wir Kinder brauchen vor allem Frieden und Liebe. Wir wollen keinen Krieg, und wir wollen nicht, dass unsere Familien auseinandergerissen werden. Auch in der Schule möchten wir Frieden haben.

Beten kann helfen, sich innerlich auszurichten. Und meist ist das eine Orientierung, in der der Frieden Raum gewinnt. Nicht der Krieg. Beten verändert nicht nur uns, sondern die Welt. „Hände zum Gebet falten“, hat der Schweizer Theologe Karl Barth gesagt, „ist der Anfang eines Aufstandes gegen die Unordnung der Welt.“

Nach jahrelangen Erfahrungen in einem Hilfswerk mit und für Kinder bin ich mir sicher: Nicht nur tatkräftige Unterstützung durch Spenden, durch Bildung, durch Gesundheitsprogramme und Nothilfe, verändert das Gesicht der Welt. Uns im Kindermissionswerk ist es enorm wichtig, zu wissen, dass wir uns mit unseren Partnern weltweit in einer Gemeinschaft von Menschen befinden, Jungen und jung Gebliebenen, die beten. – jenseits aller Fragen von Herkunft, Hautfarbe oder sogar Glaubensbekenntnis. Catrine aus Ruanda fasst das in folgende Worte:

Du hast uns viele Gaben mitgegeben: Wir können beten, dir zu Ehren singen und tanzen und die anderen, die uns zuschauen, erfreuen.

Musik IV: https://www.youtube.com/watch?v=yA94rO2Kutg

Vielleicht gehören Sie, liebe Hörerinnen und Hörer zu jener Hälfte der Deutschen, die beten. Vielleicht haben die Gebete der Kinder der Welt Ihnen den ein oder anderen Impuls mitgeben können. Und falls Ihnen für Ihr eigenes Gebet die Worte fehlen. Seien Sie unbesorgt. Ein Gebet braucht im Grunde keine Worte. Der 2016 verstorbene evangelische Theologe Jörg Zink hat einmal gesagt: „Es ist mehr noch ein Hören“ und weiter: Beten „kann heißen, einfach nur vor Gott da zu sein oder vor Gott einer Arbeit nachzugehen.“

Ihnen heute einen guten Feiertag, das wünscht: Markus Offner vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ aus Aachen.

Linktipp: www.mit-kindern-beten.de

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