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Kirche in WDR 4 | 22.08.2015 | 08:55 Uhr

Wenn Kinder sterben

Autor: Guten Morgen,

kaum etwas kann unser Leben so tief erschüttern wie der Tod eines Kindes. Wenn Eltern am Grab ihres Kindes stehen, helfen alle gut gemeinten Kondolenzwünsche kaum, die wir zu Beerdigungen aussprechen. Ich erinnere mich an ein mittelalterliches Bild, das ich einmal gesehen habe. Da geht der Tod eine Straße entlang und nimmt Menschen verschiedenen Alters mit. Im Vordergrund sitzt eine alte Frau. Sie bittet, dass der Tod sie doch mitnehmen möge. Aber er geht vorüber und nimmt stattdessen ein Kind mit. Das Bild sagt: Der Tod nimmt mit, wen er will. Die Reihenfolge können wir nicht beeinflussen. Er wählt nach anderen Kriterien aus, die wir nicht durchschauen. Es gehört zu den schwierigen Aufgaben der Seelsorge, bei einer Beerdigung eines jungen Menschen etwas zu sagen, das Eltern und Angehörigen Trost geben könnte. Wenn Eltern ihr Kind überleben – so hat es jemand einmal gesagt –, ist es, als ob an einem Baum ein tragender Ast abbricht. Der Baum wird im nächsten Jahr wieder blühen, doch wird er nie vergessen können, dass an diesem Ast einst eine Kinderschaukel hing und ein fröhliches Lachen erklang.

Matthias Claudius, der Dichter und Denker, hat diese Erfahrung auch gemacht. Sie gehörte vor 200 Jahren zu den schlimmen Alltagserfahrungen. Viele starben bereits als Kinder. Claudius’ zweitälteste Tochter Christiane starb mit 21 Jahren, und er musste durchleiden, wie machtvoll der Tod sein kann. Er vergleicht das Leben und Sterben seiner Tochter mit einem Stern am Himmel, der auf einmal nicht mehr zu sehen ist:

Sprecher:

Es stand ein Sternlein am Himmel,

Ein Sternlein guter Art;

Das tät so lieblich scheinen,

So lieblich und so zart!

Ich wußte seine Stelle

Am Himmel, wo es stand;

Trat abends vor die Schwelle,

Und suchte, bis ich's fand;

Und blieb dann lange stehen,

Hatt' große Freud' in mir,

Das Sternlein anzusehen;

Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden;

Ich suche hin und her

Wo ich es sonst gefunden,

Und find' es nun nicht mehr.

(Christiane, Matthias Claudius, Sämtl. Werke, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1996, Seite 473)

Autor: Als Matthias Claudius seine gesammelten Werke herausgibt, widmet er sie dem Tod. Das erste Bild in diesem Buch ist ein Sensenmann. Und dazu schreibt er eine eigenartige Widmung:

Sprecher: „Ihm dedizier ich mein Buch und er soll als Schutzheiliger und Hausgott vorn an der Haustüre des Buches stehen.“

(Erklärung der Kupfer und Zeichen, Matthias Claudius, Sämtliche Werke, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1996, Seite 11)

Autor: Matthias Claudius beginnt einen Dialog mit dem Sensenmann:

Sprecher: „Ich habe die Ehre, Ihren Herrn Bruder zu kennen, und er ist mein guter Freund und Gönner.“ (ebd.)

Autor: Mit dem Bruder meint Claudius das Leben, das er so sehr liebt und an dem er so gerne festhält. Das Leben ist der Bruder des Todes, und es gibt kein Leben ohne den Tod. Deshalb hat Matthias Claudius versucht, sich mit dem Tod zu arrangieren, ja, eine Art Freundschaft mit ihm zu schließen. Er war überzeugt: Meine Tochter ist nun bei Gott. Und auch wenn mich ihr Verlust schmerzt – ich bin ganz gewiss: Nichts, auch nicht unsere Endlichkeit, kann uns aus Gottes Hand reißen. Kein Toter geht einfach so verloren, sondern es folgt ein freieres und vielleicht sogar glücklicheres Leben in Gottes Ewigkeit.

Der Tod und sein Bruder, das Leben – sie gehören zusammen und sind umfangen von Gottes Ewigkeit. In diesem hellen Raum geht es weiter – wie? Niemand weiß es. Christen nennen es Leben nach dem Tod – aber es ist ein anderes Leben als auf der Erde. Das kann uns den Schrecken vor dem Tod nehmen. Und lehren, das einmalige Leben hier und jetzt zu lieben solange es währt. Albrecht Philipps, Pfarrer in Ochtrup und Metelen.

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