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Kirche in WDR 5 | 20.07.2018 | 06:55 Uhr

Widerstand und Ergebung

Guten Morgen!

Es war heute vor 74 Jahren. Am 20. Juli 1944. Das Attentat auf Adolf Hitler scheiterte. Dahinter stand die Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Zum weiteren Kreis derjenigen, die das Attentat unterstützt oder zumindest im Vorfeld davon gewusst haben, gehörte der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Bonhoeffer hatte es sich nicht leicht gemacht, sich für die Mitarbeit im Widerstand zu entscheiden. In seiner unvollendet gebliebenen „Ethik“ schrieb er:

Sprecher: Nicht die Welt aus den Angeln zu heben, sondern am gegebenen Ort das sachlich Notwendige zu tun, kann die Aufgabe sein. Aber auch am gegebenen Ort kann verantwortliches Handeln nicht immer sofort das Letzte tun, sondern es muß Schritt für Schritt gehen und nach dem Möglichen fragen und den letzten Schritt und damit die letzte Verantwortung in eine andere Hand legen. (1)

Die letzte Verantwortung in eine andere Hand legen. Damit meinte Bonhoeffer die Hand Gottes. Er wusste, dass die Widerstandsgruppen den Tod Hitlers nicht nur in Kauf nahmen, sondern bewusst planten. Als evangelischer Pfarrer kam er so in einen Konflikt: In den Zehn Geboten fordert Gott vom Menschen: „Du sollst nicht morden!“. Wie sollte das nun vereinbar sein mit dem Attentat. Bonhoeffer ist nach langem Ringen wohl für sich zu dem Schluss gekommen: Die Umstände des Dritten Reiches lassen blinden Gehorsam gegenüber diesem Gebot nicht zu. Und da alle anderen Möglichkeiten nicht weiterführten, blieb nur dieser letzte Schritt. Die Mitarbeit an einem Attentat an Adolf Hitler. Und so hat Bonhoeffer sich am Ende seines verantwortungsvollen Ringens entschieden, dieses göttliche Gebot zu übertreten. Bonhoeffer hat zu dieser Entscheidung gestanden, sie aber auch nie schöngeredet. So hat er es nie abgestritten, durch ein Attentat auf Hitler selbst schuldig zu werden. Das letzte Urteil darüber hat er Gott überlassen. Hitler ließ ihn im KZ-Flossenbürg hinrichten.

Dietrich Bonhoeffer wird heute für seinen Mut bewundert, er gilt als evangelischer Märtyrer und Heiliger. Doch in der evangelischen Kirche werden seit ihren Anfängen keine Märtyrer und Heiligen verehrt. Ich kann nur vermuten, dass auch Bonhoeffer selbst es abgelehnt hätte, als Heiliger verehrt zu werden.

Faszinierend finde ich den Menschen Dietrich Bonhoeffer, der sich seine Entscheidung schwer gemacht hat. Bonhoeffer hätte leicht sagen können: Über 2000 Jahre alte Gebote haben keine Bedeutung mehr für mich. Und dennoch hat er um richtig und falsch gerungen, sich selbst die Frage nach der Ermordung eines Tyrannen und Massenmörders wie Adolf Hitler nicht leicht gemacht.

Und schlussendlich wusste Bonhoeffer: Es gibt Fragen und Entscheidungen, deren letzte Antwort und letztes Urteil man nur Gott überlassen kann.

Dass Sie immer die richtigen Entscheidungen treffen können,

mal leichten und mal schweren Herzens,

wünscht Ihnen Ihre Mareike Heidenreich aus Münster.

(1) Dietrich Bonhoeffer: Ethik, DBW Band 6, Seite 224 (Text gekürzt).

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