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Kirche in WDR 3 | 27.06.2017 | 07:50 Uhr

Wie gut ich es habe

Vor einem guten Monat war ich in Minsk. Das ist die Hauptstadt von Weißrussland. Und das fehlte noch auf meiner Reiseliste zu Ländern in Osteuropa - mich fasziniert die Geschichte, die Landschaft. Für fünf Tage, An- und Abreise eingerechnet, dürfen westliche Besucher seit einiger Zeit Weißrussland besuchen - ohne Visum und ohne sich bei der Polizei zu melden. Eineinhalb Stunden Flug und ich habe mich ein wenig wie auf einer Zeitreise in vergangene Jahrzehnte gefühlt. Drei Tage habe ich Eindrücke sammeln können, ich konnte mich frei bewegen. Was für mich am eindrücklichsten war? Kein touristischer Höhepunkt, sondern etwas, was mir beim Nachdenken klar geworden ist. Kurz gesagt ist mir in Minsk so deutlich wie schon lange nicht mehr aufgefallen, wie unverschämt und unverdient gut es mir geht. Und auf welch hohem Niveau ich manchmal klage. Ich möchte Ihnen das gerne erklären.

Die heutige Oberstadt von Minsk, die eigentliche Altstadt, sieht sehr schön aus. Restaurierte Fassaden, Plätze, Brunnen, Restaurants und einige Kirchen. Kirchen interessieren mich natürlich als Priester immer besonders. Die beiden Hauptkirchen, die orthodoxe und die katholische Kirche in der Minsker Oberstadt, stehen ziemlich nah beieinander. Beide sind in sehr gutem Zustand. Wie also kam ich zu dem Gedanken, dass es mir als Kirchenmann in Deutschland doch eigentlich gut geht? Nun, ich hatte angefangen im Reiseführer zu lesen und auf die Informationstafeln in der Kirche machten schnell klar, warum diese Kirchen so prächtig aussahen. Sie sind nämlich vor nur wenigen Jahren von Grund auf saniert und neu ausgestattet worden. Und das hat einen einfachen Grund: In der langen sowjetischen Zeit wurden die beiden Hauptkirchen von den staatlichen Behörden entweiht und umgenutzt.

Die katholische Kathedrale etwa diente als Turnhalle und war von den Behörden ihrer beiden Glockentürme beraubt worden. Erst nach dem Ende des Kommunismus sind diese Kirchen wieder Gotteshäuser geworden. Auf diese Weise erhielt die katholische Kathedrale auch ihre Glockentürme wieder zurück. Wie gesagt: heute sehen die Kirchen schön aus. Aber vor nicht viel mehr als zwanzig Jahren war es den Menschen in Minsk unmöglich gemacht worden, ihre wichtigsten Kirchen zu besuchen und dort Gottesdienste zu feiern oder privat zu beten.

Heute beten viele Menschen in diesen Kirchen, Kerzen brennen an den Ikonen und Heiligenstatuen, und ich frage mich, wie diese Menschen diese Zeit der religiösen Unterdrückung und Verfolgung überstanden haben.

Und damit bin ich beim Ausgangspunkt. Denn beim Besuch dieser Kirchen in Minsk ist mir deutlich geworden, was für ein Glück ich habe, in Freiheit zu leben. Vor allem in der Freiheit meinen Glauben so zu leben, wie ich es möchte. Beim Besuch von Orten, wo das lange Zeit nicht der Fall war, wird das besonders deutlich. Und was bedeutet das nun für uns hierzulande? Für mich war das erneut, diese Freiheit zu verteidigen, wo es Tendenzen gibt, sie zu beschneiden. Gerade die Freiheit der Religionsausübung ist ein Menschenrecht, das es zu schützen gilt. Gewalt im Namen einer Religion ist verachtenswert, und natürlich haben die Religionen in Teilen auch eine Gewalt- und Unterdrückungsgeschichte. Noch viel mehr aber sind religiöse Menschen selbst Opfer von brutalen Herrschern oder Diktaturen gewesen und sind es weltweit heute auch in verschiedenen Ländern.

Laut des Hilfswerks Open Doors werden derzeit allein 200 Millionen Christen verfolgt, weltweit. Das ist nahezu zweieinhalb Mal die Bevölkerung von Deutschland. Ich für meinen Teil möchte dazu beitragen, dass Menschen in religiösen Dingen nichts verboten wird, was ihr Recht als Menschen ist: Gottesdienste zu besuchen. Kirchen oder Moscheen oder Tempel zu bauen. Und zu beten.

Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich auch in ihrem Umgang mit der Religionsfreiheit.

Aus Paderborn grüßt Sie Domvikar Michael Bredeck.

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